Aktion "Fridays for future" macht auch in Aachen Halt

Gegen den Klimawandel : Studenten und Schüler in Aachen demonstrieren für die Umwelt

Schüler und Studenten aus Aachen und Köln haben sich am Freitag an einem bundesweit angekündigten „Schulstreik“ gegen die aktuelle Klimapolitik beteiligt. Zu den Protesten wurde im Netz unter dem Hashtag #FridaysForFuture aufgerufen.

Um kurz nach 11 Uhr muss es plötzlich ganz schnell gehen. Während der Pappkarton wenige Minuten zuvor noch zum gemeinsamen Frühstück auf dem Marktplatz lud, wird er kurzerhand zur politischen Botschaft umfunktioniert. „Der Klimawandel wartet nicht“, schreibt ein Student in Großbuchstaben mit dem Filzstift auf den Karton. Auch wenn er den nicht ganz unwichtigen Wortbaustein „-wandel“ fast vergessen hätte. Ein Flüchtigkeitsfehler, der der Hektik geschuldet ist. Und womöglich auch den kalten Fingern.

Spontaner Demonstrationszug: Nach dem Frühstück zogen die Schüler und Studenten noch durch die Innenstadt. Foto: ZVA/Annika Kasties

Denn als sich die rund 50 Schüler und Studenten an diesem Freitagvormittag auf den Weg zum spontanen Protestzug durch die Innenstadt machen, haben sie schon eine Stunde lang bei Temperaturen um die 1 Grad vor dem Rathaus gestanden, auf Decken auf dem Boden gesessen und ein Zeichen für den Klimaschutz gesetzt – nur eben (noch) nicht offiziell als Demonstration. Doch dann wollen die Schüler eben doch offen und ganz offiziell ihre Transparente und vor allem die sprichwörtliche Flagge zeigen.

Etwa 50 Schüler und Studenten waren nach Polizeiangaben in Aachen dem Aufruf zum bundesweit angekündigten „Schulstreik“ gegen die aktuelle Klimapolitik gefolgt. Unter dem Hashtag #Fridaysforfuture hatte sich die Aktion innerhalb weniger Tage in den Sozialen Netzwerken verbreitet. Neben Aachen waren unter anderem Proteste in Berlin, Hamburg, Kiel und Landau angekündigt. Vor dem Kölner Rathaus demonstrierten rund 30 Schüler. Die lokalen Gruppen selbst kommunizierten vor allem über den Nachrichtendienst Whatsapp. Viele erfuhren erst am Vorabend von dem Treffen in Aachen.

Dass trotzdem so viele dem Aufruf gefolgt waren und sich um 10 Uhr vor dem Aachener Rathaus einfanden, hat Felix Kehren, einer der Mitorganisatoren und Mitglied bei den Piraten in Aachen, völlig überrascht. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele den Schritt wagen, nicht zur Schule zu gehen, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Ich bin total begeistert“, zeigte sich der 19-jährige Student überwältigt. Er persönlich habe so spontan mit vielleicht zehn Leuten gerechnet. Dass doch deutlich mehr Jugendliche auf dem Weihnachtsmarkt die Gasse zwischen Pfannkuchen- und Flammkuchenstand füllten, war vor allem den Schülern der Freien Waldorfschule geschuldet.

Sie machten mit Abstand die größte Gruppe aus – von der Neuntklässlerin bis zum angehenden Abiturient. Einige waren vorbereitet und hatten warme Decken, Plätzchen, Obst und belegte Brötchen dabei. Auch aus Viersen waren Schüler angereist. „Der Klimaschutz ist eine unglaublich wichtige Sache, aber es passiert einfach überhaupt nichts“, sagt ein Oberstufenschüler. Und um dagegen ein Zeichen zu setzen, nehme er gerne 40 Minuten Anfahrt nach Aachen in Kauf.

Schwedin Greta Thunberg als Vorbild

Zu den Protesten aufgerufen hatte zum Endspurt der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz (Katowice) die 15-jährige schwedische Aktivistin Greta Thunberg. Sie bestreikt seit mehreren Wochen freitags ihren Unterricht, um vor dem schwedischen Parlament zu demonstrieren. In Kattowitz beraten fast 200 Staaten über Maßnahmen zum Klimaschutz. Bei den Verhandlungen gebe es immer noch keine Anzeichen von Zugeständnissen, kritisierte Thunberg in einem auf Twitter veröffentlichten Video. Dass der Protest gegen die aktuelle Klimapolitik von Jugendlichen wie Thunberg getragen wird, ist für Jana Leßenich keine Überraschung. „Es ist schließlich unsere Zukunft, um die es geht. Deshalb sollte die junge Generation auch auf die Straße gehen.“

Auf die Straße gehen wollen die jungen Menschen auch in den kommenden Wochen. Ab dem 4. Januar sollen in Aachen jeden Freitag Schulstreiks stattfinden, kündigt Kehren an. Treffpunkt soll auch dann jeweils um 10 Uhr der Markt vor dem Rathaus sein. Der Student der Katholischen Hochschule ist davon überzeugt, dass die Teilnehmerzahl wachsen wird. Schließlich gehe es bei „Fridays for future“ um etwas, das alle angeht: die Zukunft.

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