Eilendorf: Akt der Solidarität mit den Menschen im Abseits

Eilendorf : Akt der Solidarität mit den Menschen im Abseits

Es ist ein symbolischer Akt mit einem klarem Ziel. Der Kreuzweg der Arbeit der KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung) findet seit 1983 statt und setzt regelmäßig ein Signal, welches auf Missstände in der Gesellschaft aufmerksam macht.

Dieses Jahr zogen rund 50 KAB- und KFD-Mitglieder (Katholische Frauengemeinschaft Deutschland) von der Kirche St. Severin aus durch die Straßen von Eilendorf und Rothe Erde bis hin zu St. Barbara.

KAB-Bezirksleiter Dirk Langenbach erklärte die Bedeutung der vielen Holzkreuze, die traditionell auf dem Weg getragen werden. „Das Kreuz erinnert an Jesus Christus und macht deutlich, für wen er gestorben ist, nämlich für die Kranken, Arbeitslosen und — besonders bei diesem Kreuzweg —für die am Rande der Gesellschaft stehenden, die Obdachlosen, Flüchtlinge und Harz-IV-Empfänger.“

Eine der Stationen des Kreuzwegs ist die Weißwasserstraße. Im dortigen Übergangswohnheim leben 130 Menschen. In der „Bleibe auf Zeit“, wie es Langenbach in seiner Andacht formuliert, verbergen sich Schicksale, die schockierend und berührend zugleich sind. Oftmals werden die Bewohner dort abgestempelt. Keiner interessiert sich wirklich für ihre Geschichte. Langenbach erinnerte in diesem Zusammenhang an das Johannes-Evangelium, wo Pilatus Jesus den Juden auslieferte. Jesus fällt unter dem Kreuz — genau wie hier viele nicht den Druck und ihr eigenes Schicksal tragen können.

Nicht die Augen verschließen

In Aachen leben gut 400 Menschen in Übergangswohnheimen und 100 auf der Straße, wobei die Dunkelziffer wesentlich höher ist. Fakten, die nicht in das Bild der funktionierenden Gesellschaft passen, aber dennoch präsent sind. Und vor denen man, so die Botschaft des Kreuzwegs, die Augen nicht verschließen darf.

Eine andere Station ist das Kinder- und Jugendhaus St. Barbara, ein zentraler Treffpunkt für Kinder und Jugendliche aus dem Viertel, deren Alltag oft von Trostlosigkeit und Problemen geprägt ist. Die Eltern sind meist arbeitslos und das „Mithalten“ in der Gesellschaft für die Kinder fast unmöglich. Zwischen 20 und 45 Besucher kommen täglich in die Einrichtung, um Freunde zu treffen, abzuschalten oder um über ihre Probleme zu reden.

Für Alfred Stoffels ist der Kreuzweg von St. Severin bis nach St. Barbara ein Weg, der zum Nachdenken anregt: „Ich gehe seit zehn Jahren hier mit, um mich solidarisch mit den Problemen der Arbeiterschaft zu erklären. Die Angelegenheiten und Schicksale lassen mich natürlich nicht kalt, und es ist wichtig, regelmäßig daran zu erinnern.“

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