Aachen: Ätzende Substanz: Jetzt Ermittlung wegen versuchter Tötung

Aachen: Ätzende Substanz: Jetzt Ermittlung wegen versuchter Tötung

Erneut musste am Mittwochnachmittag ein zweijähriges Mädchen mit Verätzungen im Mundbereich ins Krankenhaus gebracht werden, nachdem es im Westpark beim Eisessen eine ätzende Substanz in den Mund genommen hatte.

Wiederum also hat ein bislang Unbekannter über eine größere Fläche im Bereich der Gartenstraße weiße Kügelchen verstreut, bei denen es sich nach ersten Erkenntnissen um giftiges Rohrreinigungsmittel handelt. Das Kriminalkommissariat 11 der Polizei Aachen, zu dem auch die Mordkommissionen gehören, hat die Ermittlungen übernommen, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Katja Schlenkermann-Pitts, am Mittwoch auf Anfrage bestätigte.

Auf einem Spielplatz im Aachener Westpark sind am Mittwochnachmittag erneut giftige weiße Kügelchen gefunden worden. Foto: Ralf Roeger

Es wird nach Informationen unserer Zeitung wegen versuchter Tötung ermittelt. Dies offenbar deswegen, weil eine größere Menge der Substanz für Kleinkinder lebensbedrohlich sein kann. Schlenkermann-Pitts wollte sich zu Details nicht äußern.

Auf einem Spielplatz im Aachener Westpark sind am Mittwochnachmittag erneut giftige weiße Kügelchen gefunden worden. Foto: Ralf Roeger

Gegen 16.15 Uhr war die Feuerwehr alarmiert worden, nachdem die Sub­stanz auf 22 Sitzbänken im Umfeld des Teichs am Zugang Gartenstraße entdeckt wurde. Die betroffenen Bereiche wurden umgehend abgesperrt. Über Lautsprecher wurden Passanten zudem aufgefordert, dem Einsatzort fernzubleiben. Die Feuerwehr schickte sich zunächst an, die betroffenen Flächen abzuspritzen. Die Aktion musste jedoch abgebrochen werden, da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass das kontaminierte Wasser in den Teich des Parks fließen würde.

Großeinsatz im Westpark: Polizei und Feuerwehr waren nach der Alarmierung mit zahlreichen Kräften vor Ort und sperrten weite Teile des Parks ab. Foto: Ralf Roeger

Selbstverständlich habe die Gesundheit der Menschen bei allen Maßnahmen jedoch oberste Priorität, betonten die Vertreter der Stadt. Auch Experten von Ordnungs- und Umweltamt waren vor Ort, unter anderem, um einen Schnelltest zur näheren Analyse der aggressiven Substanz zu veranlassen. Die betroffenen Bänke mussten schließlich abgeschraubt werden, um die Kontaminationen sicher entfernen zu können. Unterdessen tummelten sich bei strahlendem Sonnenschein unzählige Menschen auf der großen Wiese des Parks.

Bereits zuvor hatte es zwei Einsätze wegen einschlägiger Vorfälle gegeben, zuletzt ebenfalls im Westpark. Auf den dortigen Spielplätzen waren am Samstagmorgen zwei Kinder verletzt worden, nachdem sie mit dem Reinigungsmittel in Kontakt gekommen waren. Am vergangenen Donnerstag hatten zwei Kinder bei einem Kita-Ausflug Verätzungen erlitten, nachdem sie auf dem Grillplatz am Adamshäuschen weiße Kügelchen in den Mund genommen hatten, die dort offensichtlich systematisch ausgestreut worden waren. Auch am Grillplatz Karlshöher Hochweg war die ätzende Chemikalie verteilt worden.

Nach den ersten Vorfällen im Westpark wurden die betroffenen Spielplätze an der Lochnerstraße und in der Grünanlage selbst von der Stadt abgesperrt. Dies war auch am Mittwoch noch der Fall, die gefährliche Substanz wurde jetzt aber in den benachbarten Bereichen offensichtlich erneut verteilt.