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Aachen: Ärger um Breslauer Straße: Politik bremst die Verkehrsplaner aus

Aachen : Ärger um Breslauer Straße: Politik bremst die Verkehrsplaner aus

Tempo 50 statt 70, nur noch drei anstelle von vier Fahrspuren, dafür breitere und in vielen Bereichen künftig getrennte Geh- und Radwege: Was die städtischen Verkehrsplaner da im Mobilitätsausschuss an Plänen für die Breslauer Straße präsentieren, überraschte Befürworter wie Gegner der Ideen — und brachte Letztere gehörig auf die Palme.

Insbesondere Peter Blum (FDP) und Gaby Breuer (CDU) regierten auf den Vorstoß, den Verkehr auf der Ausfallstraße zwischen Stolberger Straße und Berliner Ring umfassend umzuplanen, nicht nur ausgesprochen irritiert, sondern waren „stocksauer“, wie beide auch am Tag danach noch bekräftigten.

Es könne doch nicht angehen, dass die Verwaltung „auf einer der wenigen Hauptverkehrsstraßen in Aachen, die reibungslos funktionieren“, nun Schikanen für die Autofahrer einbauen wolle, wetterte der Liberale: „Damit produziert man nur Staus, da geht mir wirklich der Hut hoch.“ Ihn und die Christdemokratin Breuer ärgert aber auch, dass die Verwaltung ohne jeden politischen Auftrag diese umfangreiche Neuplanung erstellt habe, während auf der anderen Seite immer beklagt werde, den städtischen Planern fehle es am nötigen Personal. „Es gab nur den Auftrag an die Planer, die problematische Entwässerung der Straße zu verbessern — und das hat schon lange genug gedauert“, schimpft Breuer. Und nun komme die Verwaltung plötzlich mit solchen Plänen um die Ecke...

Allerdings ist die Situation für Radfahrer auf der Breslauer Straße stellenweise katastrophal, was unter anderem vom ADFC bereits mehrfach kritisiert wurde. Der Rad- und Gehweg zwischen der „Real“-Zufahrt und dem Ring beispielsweise ist mittlerweile seit sage und schreibe drei Jahren wegen „Gehwegschäden“ gesperrt. Deshalb begegnen sich Radler und Fußgänger auf der anderen Straßenseite in beide Richtungen auf einem Weg, der viel zu schmal ist.

Bei der Verwaltung habe man deshalb nun die Gelegenheit gesehen, die Verkehrssituation auf der Breslauer Straße grundlegend neu anzupacken, erklärt Harald Beckers vom städtischen Presseamt auf Anfrage. Denn die untere Wasserbehörde verlange von der Stadt, bis Ende 2018 eine konkrete Planung vorzulegen, wie sie dort die Entwässerungssituation in Richtung Haarbach und Wurm zu verbessern gedenke. Und da dafür massive Eingriffe in den Randbereichen der Straße nötig seien, habe man es für sinnvoll erachtet, auch den Straßenraum neu aufzuteilen, um mehr Platz für Radfahrer zu schaffen.

Außerdem habe es auch von den anliegenden Gewerbebetrieben den Wunsch nach Zufahrten aus beiden Richtungen gegeben — weshalb man auf die Idee der Temporeduzierung und den „mittleren Linksabbiegestreifen“ gekommen sei, wie es auch in der Vorlage heißt. Und die Verwaltung ist im Übrigen davon überzeugt, dass die Breslauer Straße auch ohne durchgängige Vierspurigkeit funktioniert: Eine Verkehrssimulation zu den morgendlichen und nachmittäglichen Spitzenstunden habe die Leistungsfähigkeit nachgewiesen, heißt es in der Vorlage.

Der Praxistest wird aber wohl noch auf sich warten lassen. Auch wenn insbesondere die Grünen Gefallen an den Plänen fanden, fasste der Mobilitätsausschuss keinen Beschluss für eine umfassende Umbauplanung der Breslauer Straße. Im Gegenteil. Das Thema wurde in die nächste Sitzung im März verschoben. Dann soll die Verwaltung sich zunächst einmal auf das beschränken, womit der Ausschuss sie vor geraumer Zeit beauftragt hat — nämlich aufzeigen, welche technischen Möglichkeiten es gibt, um die Entwässerungssituation zu verbessern.

Verbesserungen für Radfahrer auf der Breslauer Straße könnten damit allerdings für lange Zeit vom Tisch sein. Oder doch nicht ganz? „Wenn dann rechts und links noch etwas Platz ist, kann man ja auch noch die Radwege verbreitern“, setzt Freidemokrat Blum seine Prioritäten.