Älteste Aachenerin wird 104

Die älteste Aachenerin feiert Geburtstag : Luise Niehsen ist 104 Jahre alt

Unter allen Aachenerinnen und Aachenern ist sie die älteste: Luise Niehsen ist am Dienstag 104 Jahre alt geworden. Gefeiert wurde im Brander Marienheim mit Familie und Freunden.

Die große Kaffeetafel ist festlich gedeckt im Brander Marienheim. Bei Kuchen und Schnittchen begeht Luise Niehsen hier ihren Geburtstag. 104 Jahre alt ist sie an diesem Dienstag geworden. Kinder, Enkel, Urenkel und weitere Verwandte gratulieren. Im Marienheim ist Luise Niehsen die älteste Bewohnerin. „Alles hört hier auf mein Kommando“, merkt sie dazu augenzwinkernd an. Aber auch in ganz Aachen gibt es niemanden, der so alt ist wie sie.

Die Jubilarin blickt auf ein langes und bewegtes Leben zurück. „Ein ganzes Buch könnte ich darüber schreiben“, sinniert sie. In Stolberg-Venwegen kam sie 1915 zur Welt, mitten im Ersten Weltkrieg. Mit sieben Geschwistern wuchs sie auf. In Aachen wohnt sie mittlerweile auch schon ein paar Jahrzehnte. Mit ihrem Mann zog sie seinerzeit nach Brand, in die Nähe der ältesten Tochter. Luise Niehsens Ehemann ist mittlerweile bereits seit 25 Jahren tot.

Seit neun Jahren lebt die Seniorin im Marienheim und nimmt dort regen Anteil am täglichen Geschehen. Natürlich ist sie auch dabei, wenn die Kinder vom Projekt Generationsbrücke kommen. Im Rahmen dieses Sozialunternehmens, das vor Jahren im Marienheim initiiert wurde und weithin Kreise zog, treffen sich Grundschüler und Kita-Kinder stetig mit Senioren und singen, spielen und basteln mit ihnen. Luise Niehsen bekommt regelmäßig Besuch von zwei Kindern. Darauf freut sie sich immer sehr. Und ein Junge, der vor Jahren erstmals mit der Generationsbrücke ins Marienheim kam, besucht „seine“ Luise Niehsen immer noch.

Die Tageszeitung studiert die Seniorin regelmäßig und intensiv, auch wenn Politik sie heute nicht mehr so sehr interessiert, wie sie gesteht. Für Sport dagegen kann sie sich auch im hohen Alter begeistern. Die aktuelle Wintersportsaison verfolgt sie vor dem Fernseher. Und als das Wort Fußball fällt, da strahlen ihre Augen. Vor vier Jahren, als sie 100 wurde, da hat Luise Niehsen noch dem Fußballstadion in der Soers einen Besuch abgestattet und die Alemannia angefeuert. Zum Tivoli, auf die steilen Ränge, traut sie sich heute nicht mehr. Mit dem Rollator sei sie zwar noch ganz gut zu Fuß, aber doch nicht mehr so beweglich, meint sie.

Und auch dem Karneval gehört im hohen Alter ihre Leidenschaft. Viele Jahre war die Seniorin bei den „Öcher Prente“ aktiv. Seit ein paar Jahren ist sie Ehrenmitglied der KG. Und wenn im Marienheim Fastelovvend gefeiert wird, dann legt Luise Niehsen all ihre Karnevalsorden an, setzt sich ein jeckes Hütchen auf und ist mittenmang dabei im jecken Getümmel. Die Begeisterung für den Karneval hat sie offenbar auch Kindern und Enkeln vererbt. „Wir sind eine Karnevalsfamilie“, stellt sie fest.

Und wie wird man so alt? Danach werde sie immer gefragt, sagt die älteste Aachenerin. Ihr persönliches Rezept: „Arbeiten.“ Ein Gläschen Rotwein hat aber offenbar auch nicht geschadet. Das genehmigt sich Luise Niehsen nämlich auch mit 104 noch gerne. Rotwein hat am Dienstag auch Aachens Bürgermeisterin Margrethe Schmeer dabei, als sie die Glückwünsche der Stadt überbringt.

„Möge Ihnen das neue Lebensjahr Gesundheit und viele glückliche Momente bescheren“, schrieb Oberbürgermeister Marcel Philipp in seinem persönlichen Glückwunsch. Das Geburtstagskind ist da optimistisch.„Ich höre schlecht, aber ich höre noch“, stellt sie fest. „Und wenn ich weiter so gesund bleibe ...“

(mg)