Aachen: Adieda, wilder Müll: 6000 räumen auf

Aachen : Adieda, wilder Müll: 6000 räumen auf

An diesem Wochenende hatte das Kehrmännchen am Annuntiatenbach ausnahmsweise frei und konnte seinen Besen getrost links liegen lassen. Stattdessen machten rund 6000 Aachener dessen Job — beim Aachener Frühjahrsputz, dem „Öcher Kehrwochenende“, zu dem die Stadt zum vierten Mal aufgerufen hatte.

Das Motto: „Saubere Sache!“ Ganz gleich, ob Vereine, Schulklassen, Kitagruppen oder private Zusammenschlüsse — überall im Stadtgebiet sah man am Samstag fleißige Saubermänner und —frauen in Parks, auf Rasenflächen, an Straßenzügen und auf Spielplätzen in gebückter Haltung — ausgerüstet mit Kehrblech, Besen, Eimern, Handschuhen, Zangen, Gummistiefeln und Müllbeuteln.

Aktion sauberer Westpark: Dort packten 20 Mitglieder des Deutsch-Vietnamesischen Freundeskreises kräftig mit an. Foto: Andreas Schmitter

Nicht nur die Innenstadtbereiche wurden auf Vordermann gebracht und „entrümpelt“, sondern auch sämtliche Außenbezirke. Und längst ist klar: Es ging nicht allein darum, Müll einzusammeln. Für die meisten Teilnehmer standen der Spaß und das gemeinsame Miteinander im Vordergrund. Schon die ganz Kleinen waren bei der Großreinemachaktion mit Begeisterung dabei.

Am Anfang 30 Helfer, am Ende viel mehr: Im Ostviertel sorgte eine multikulturelle und interreligiöse Gruppe für Sauberkeit. Foto: Andreas Schmitter

So auch im Westpark, der in letzter Zeit immer wieder als Grill-Dorado mit unschönen Hinterlassenschaften in die Schlagzeilen geriet. Dort durchkämmten 20 Mitglieder des Deutsch-Vietnamesischen Freundeskreises mit Kind und Kegel jeden Quadratzentimeter und sorgten so für einen frischen „grünen“ Anstrich. Unter ihnen waren auch Hai Phan und Minh-Thi Nguyen, beide acht Jahre alt. Kronkorken standen ganz oben auf ihrer Liste der meistgefunden Gegenstände, aber auch Zigarettenstummel, Papier, Plastik und zurückgelassene Grillutensilien. „Viele unserer Kinder spielen im Westpark, daher haben wir ein großes Interesse daran, diesen Park einmal gründlich von Müll zu befreien“, erklärte der Vorsitzende des Freundeskreises, Dr. Van Nhu Nguyen. Dennoch ärgert es ihn, dass viele Menschen ohne nachzudenken ihren Müll in die Landschaft schmeißen. Mit dieser Ansicht steht er nicht alleine da.

Abtransport per Bollerwagen

In Laurensberg beförderten zur gleichen Zeit die Mitglieder der Eigentümergemeinschaft „Gut Alt Schurzelt“ in der Nähe des Viadukts größere Kaliber ans Tageslicht — eine Stoßstange und einen Drucker zum Beispiel. Die erprobte Mannschaft konnte jedoch so schnell nichts schocken. Denn die 17 Familien waren von Anfang an bei den Müllsammelaktionen dabei und haben in dieser Zeit schon so einiges zu Gesicht bekommen. Beim vorigen Frühjahrsputz haben sie rund drei Kubikmeter Müll zusammengetragen. „Auch wenn es von Jahr zu Jahr weniger Müll wird, kommt doch immer wieder einiges zusammen. Im ersten Jahr haben wir ganze Schränke und Toiletten mitten in der Landschaft gefunden“, so Stephanie Pfeifer. Und während sie dies erzählte, präsentierte der dreijährige Fritz Meisel stolz die nächsten kuriosen „Trophäen“ an der Spitze seiner Greifzange: eine durchlöcherte Tennissocke und eine Jogginghose, die er in einem der Müllsäcke auf dem mitgebrachten Bollerwagen verschwinden ließ.

Nicht nur Müll, sondern auch zusätzliche Mitstreiter konnte eine andere „Putzkolonne“ auf ihrer Route von St. Josef vorbei an der Yunus-Emre-Moschee bis zur Na-delfabrik am Reichsweg einsammeln. Die multikulturelle und interreligiöse Gruppe rund um den Arbeitskreis „Dialog Religion“ fiel auf — und so schlossen sich auf ihrem Weg weitere Sammler spontan der Gruppe an. „Wir sind mit rund 30 Leuten gestartet, am Ende waren es deutlich mehr. Bei einem Tee haben wir einen Zwischenstopp in der Yunus-Emre-Moschee gemacht, am Ende der Aktion haben wir in der Nadelfabrik alle gemeinsam gegessen. Rund zehn gefüllte Müllsäcke sind unser Resultat“, berichtete Heidemarie Ernst, Integrationsbeauftragte der Stadt. Unabhängig von der Religion hatten alle ein gemeinsames Ziel: Sich für die Stadt Aachen, wo alle gerne zu Hause sind, zu engagieren.

Damit der wilde Müll gänzlich aus dem Stadtbild Aachens verschwand, holten rund 20 Mitarbeiter des Aachener Stadtbetriebs mit zehn Fahrzeugen nach der Aktion alle gefüllten Müllsäcke an den verschiedenen Stationen ab. Und bereits während der Woche hatten unter anderem Schulklassen gesammelt. Die Stadt zog am Sonntagmittag ein vorläufiges Fazit: Fast 50 Kubikmeter Abfall waren durch den Frühjahrsputz aus dem Stadtbild verschwunden. „Adieda, wilder Müll!“, könnte man sagen. Wären da nicht diejenigen, die immer wieder ihren Mist in die Gegend werfen. So wird die Aktion — leider — kein Auslaufmodell sein.

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