Aachen: Adalbertstraße: Adler macht doch den Abflug

Aachen: Adalbertstraße: Adler macht doch den Abflug

Mit viel Tamtam und nicht zuletzt TV-Star Birgit Schrowange hatte die Adler Modemärkte AG noch vor fast drei Monaten die (im September erfolgte) Übernahme des ehemaligen Wehmeyer-Hauses in der Adalbertstraße gefeiert. Doch die gute Laune in Aachens großer Fußgängerzone ist in Rekordzeit auf der Strecke geblieben.

Denn am Dienstag erklärte die Adler Modemärkte AG - 4400 Mitarbeiter, 476,6 Millionen Euro Umsatz im letzten Jahr - in einer Pressemitteilung das Aus für den Standort im Herzen der Stadt.

Hauptgrund seien die „zu hohen Mietzahlungen”, ein „dauerhaft wirtschaftlicher Betrieb” sei nicht möglich. Über Zahlen wird an dieser Stelle geschwiegen. Unternehmenssprecher Bruno Seifert spricht aber von einer „schwierigen Situation” vor Ort. Das Haus mit den 3700 Quadratmetern Verkaufsfläche befinde sich in Händen von sage und schreibe fünf Vermietern. Das erschwere Verhandlungen zwangsläufig. Zudem hätte das Haus in absehbarer Zeit modernisiert werden müssen - mit entsprechenden Kosten.

„Es ist immer schade, wenn in Aachen ein Geschäft schließt”, kommentiert der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Aachen, Manfred Piana, die überraschende Nachricht. Er ist aber überzeugt, dass bald ein neuer Mieter für die Immobilie gefunden werde (siehe „Eine Frage an”). Adler-Sprecher Seifert berichtet, sein Haus habe versucht, das Objekt an einen anderen Interessenten zu übergeben. Letztlich erfolglos. Doch Piana erwartet weitere Interessenten.

Die würden auch den Adler-Mitarbeitern helfen können, die mit der Filiale vor dem Aus stehen. Zehn Vollzeit-, 16 Teilzeitmitarbeiter und vier Aushilfen werden in der Adalbertstraße derzeit beschäftigt. Laut Adler würde ihnen eine „sozialplanähnliche Unterstützung” angeboten. „Mit Hilfe von Abfindungen sollen die wirtschaftlichen Belastungen der einzelnen Mitarbeiter so gut wie möglich abgemildert werden. Darüber hinaus verlängert das Unternehmen den Kündigungsschutz von einem auf drei Monate”, heißt es in einer Stellungnahme. Adler-Personalchef Christoph Piotrowski sagt: „Da gute und erfahrene Verkäufer weiterhin gesucht sind, hoffen wir trotz allem auf eine gute Perspektive für unsere Mitarbeiter.” Letztlich habe man sich, so Seifert, bei Adler gegen einen Standort entschieden, der ohnehin untypisch für den Modekonzern ist. Das gängige Geschäftsmodell sei vielmehr an der verbleibenden Filiale an der Krefelder Straße (eine weitere gibt es in Alsdorf) abzulesen - mit Parkplätzen für die große ältere Kundengruppe vor der Tür. Die gibt es in der Adalbert-straße nicht. Dort macht Adler nun den Abflug.

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