Aachen: Adalbertsteinweg: Grüne fordern Radwege

Aachen : Adalbertsteinweg: Grüne fordern Radwege

Für Radfahrer gilt auf dem Adalbertsteinweg im Berufsverkehr das, was für harmlose Passanten an Kriminalitätsschwerpunkten nach Einbruch der Dunkelheit gilt: Man sollte diese Gegenden meiden. Weil es einfach zu gefährlich ist und einen nichts und niemand schützt.

Wobei es auf dem Adalbertsteinweg ja tatsächlich seit einiger Zeit erste zarte Ansätze zur Verbesserung der Sicherheitslage für Pedaltreter zu besichtigen gibt: Im Bereich vor der Josefskirche sind Radstreifen angelegt worden.

Ein Radweg, der ein paar Meter weiter unvermittelt im Nichts endet: Bis auf einige Schutzstreifen vor der Josefskirche ist der Adalbertsteinweg für Radfahrer eine Gefahrenzone. Die Grünen Relindis Becker und Wilfried Fischer (kleines Bild) wollen, dass sich das ändert. Sie fordern per Ratsantrag durchgehende Radstreifen auf der Hauptverkehrsstraße und eine Busspur in Mittellage. Foto: Michael Jaspers

Die Maßnahme gehört zum Maßnahmenplan Radverkehr Aachen-Ost, doch schon kurz hinter der Kreuzung verläuft sie quasi in allen Richtungen im Sande, worüber der grüne Verkehrspolitiker Wilfried Fischer nur den Kopf schütteln kann. „Offenbar hatte der Radverkehr Aachen-Ost dort Planungsende“, sagt er, während er vom Platz vor der Kirche aus hinunter Richtung Innenstadt blickt — dorthin, wo der Schutzstreifen im Nichts endet, sich Radfahrer aber leider nicht in Luft auflösen können.

Ein guter Grund, (nicht nur) an dieser Stelle endlich mal mit dem Planen zu beginnen, um die viel befahrene Hauptverkehrsachse in der Innenstadt so herzurichten, wie das der Aachener Luftreinhalteplan schon lange empfehle, meinen die Grünen. Nämlich mit besseren Angeboten für Radfahrer und den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Zumal sich in Kürze eine günstige Gelegenheit zur Umgestaltung bietet: Denn voraussichtlich vom Sommer an wolle die Stawag unter dem Adalbertsteinweg die Kanäle erneuern. Und danach könnte man doch den Straßenraum neu aufteilen.

Um so verblüffter sei man gewesen, dass die Verwaltung auf Nachfrage mitgeteilt habe, keinerlei Pläne für eine Umgestaltung nach der Kanalerneuerung zu schmieden, sagt Fischer. Und kommt aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. „Dies ist ein Beispiel für den Stillstand in Aachen“, kritisiert der mobilitätspolitische Sprecher seiner Partei, „eine Straße, die völlig auf den motorisierten Verkehr ausgerichtet ist.“ Und wenn man diese Chance zur Umgestaltung jetzt verpasse, ergänzt seine Parteifreundin Relindis Becker, „dann passiert dort die nächsten zehn bis 15 Jahre nichts“.

Per Ratsantrag wollen die Grünen die Verwaltung nun deshalb sozusagen zum Planen tragen. Sie fordern, dass der ÖPNV künftig in beiden Fahrtrichtungen auf eigener Fahrspur in Mittellage geführt werden kann, dass ebenfalls in beiden Richtungen sichere Radverkehrsanlagen errichtet werden und dass das Liefern und Laden beispielsweise durch Ladezonen klar geregelt wird.

„Ein Miteinander und Nebeneinander von Radverkehr, ÖPNV und motorisiertem Verkehr muss hier möglich sein“, sagt Fischer, während Becker auf die alten Pläne zur Campusbahn verweist, die auf dem Adalbert-steinweg auch eine Schienenführung in Mittellage vorsahen. Der Straßenraum gebe das her, sagt sie, zur Not auch mit vier Pkw-Spuren — was allerdings wohl nicht für alle Abschnitte der großen Ausfallstraße gilt. Für Autofahrer könnten so Engstellen entstehen.

Gleichwohl hält Fischer die Mitteltrasse für den ÖPNV auf der Straße mit der dichtesten Busfrequenz in Aachen für geboten. „Wenn es eine Stelle gibt, wo man dem ÖPNV Vorrang gewähren sollte, dann hier.“ Und sichere Radanlagen, so das generelle Credo der Grünen, gehörten auch auf Hauptverkehrsstraßen immer mit dazu. Nun will man im Mobilitätsausschuss noch einen Beschluss vor den Sommerferien hinbekommen. Die große Koalition kritisiert Fischer zwar dafür, dass sie „an dieser Stelle nichts tut“, doch hegen die Grünen auch „ein bisschen Hoffnung auf Zustimmung“ aus den Reihen von CDU und SPD. Schließlich sei eine ähnliche Verkehrsaufteilung im Zuge der Campusbahn-Pläne seinerzeit weitgehender Konsens in der Politik gewesen, erinnert Becker.

(os)
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