Adalbersteinweg in Aachen: Diskussion über „Umweltspur“

Diskussion über „Umweltspur“ : Bald weniger Platz für Autos auf dem Adalbertsteinweg?

Mit dem Fahrrad sicher auf dem Adalbertsteinweg zu fahren, gleicht bislang einer Utopie. Die Politik diskutiert deshalb über die längst beschlossene „Umweltspur“ und wie Rad-, Bus- und Autoverkehr in Einklang gebracht werden können. Fest steht schon jetzt: Es wird knifflig.

Sicheres Radfahren auf dem Adalbertsteinweg? Zwischen Josefskirche und Kaiserplatz ist das bislang eine Utopie. Vielmehr gleicht es insbesondere stadteinwärts eher einer Mutprobe, mit dem Fahrrad diese Strecke zu nehmen. Eine Lösung der Situation kommt einer Quadratur des Kreises gleich. Für einen Radweg ist es dort nämlich zu eng. Zumindest dann, wenn es wie bisher zwei Fahrbahnen für Autos geben soll.

Eine Spur wegzunehmen, war auf der vielbefahrenen Einfallstraße ein Tabu. Bisher. Denn das könnte sich nun ändern. Nicht nur stadteinwärts, sondern auch stadtauswärts, wo bereits zwecks Verbesserung der Luftqualität die umgehende Einrichtung einer „Umweltspur“ für Busse und Radfahrer beschlossene Sache ist.

Auch das hat weitreichende Konsequenzen – nicht nur für Autofahrer. Denn die Umsetzung dieser Maßnahme bedingt, dass sämtliche bisherigen Liefer- und Lademöglichkeiten sowie Parkplätze verschwinden müssen. Das alles und mehr geht aus einer Vorlage der Verwaltung hervor, in der es um die „neue Flächenaufteilung“ des Adalbertsteinwegs geht. Die Politik soll darüber am Mittwoch in der Bezirksvertretung Mitte beraten und bereits am Donnerstag im Mobilitätsausschuss entscheiden. Im Einzelnen sehen die denkbaren Varianten so aus:

Stadtauswärts: Für die gemeinsame „Umweltspur“ für Busse und Fahrräder sind zwei Möglichkeiten skizziert: Erstens eins schmale Variante, bei der die Busse die Radfahrer nicht ohne weiteres überholen können. Dem Autoverkehr bliebe dann eine „überbreite“ Fahrspur. Fürs Liefern und Laden müssten wie bei anderen Varianten auch Alternativmöglichkeiten in den Bereichen der Einmündungen von Nebenstraße gefunden werden. Wie das gehen soll, wird nicht gesagt. Insgesamt sei diese Möglichkeit nicht empfehlenswert – auch wenn es die einzige wäre, die den Pkw eine breitere Spur übriglasse.

Zweitens: eine breitere „Umwelttrasse“, auf der Busse und Radfahrer aneinander vorbeikommen. In diesem Fall bliebe nur eine „normale“ Fahrspur für Autos. Für beide Varianten heißt es jedoch in der Analyse: „Die gemeinsame Nutzung einer Spur durch Radverkehr und Busse erzeugt weiterhin Unwohlsein. Die dritte Möglichkeit wären getrennte Bus- und Radspuren. Letztere könnte „unter Umständen“ baulich von der Busspur abgetrennt werden.

Für die Autos bedeutet auch diese Variante den Verzicht auf eine Fahrbahn. Diese Möglichkeit bevorzugt die Verwaltung gegenüber den ersten beiden. Variante Nummer vier sieht vor, den Busverkehr komplett in die Mitte des Adalbersteinwegs zu verlagern – so, wie es heute schon stadteinwärts der Fall ist und wie es demnächst auch bleiben soll. Für die Radfahrer würde es dann stadtauswärts am rechten Straßenrand eine eigene, möglichst abgetrennte Spur geben. Auch hier gilt: Für Autos bliebe eine Fahrbahn. In diesem Fall müsste jedoch geprüft werden, ob dann zum Beispiel das Abbiegen in die Stolberger Straße, Wilhelmstraße, Kongress- und Aretzstraße sowie ins Parkhaus Adalbertsteinweg weiter möglich wäre.

Stadteinwärts: Die Zahl der Varianten ist hier überschaubarer. Es gibt nämlich de facto nur eine einzige: Den Autos wird eine von zwei Fahrbahnen genommen – im Verwaltungsdeutsch heißt das: Sie wird „eingezogen“ – und für die Radfahrer wird eine eigene Spur bereitgestellt. Etwas anderes ist von der Breite her dort gar nicht machbar.

Rahmenbedingungen: Zu bedenken sind laut Verwaltung bei alledem auch noch andere Dinge. So zum Beispiel die Verkehrslenkung am Knotenpunkt Kaiserplatz. So muss es stadtauswärts zumindest für eine gewisse Strecke weiter zwei Autospuren geben – wegen der zweispurigen Linksabbiegersituation aus der Heinrichsallee in den Adalbertsteinweg, die aufgrund der Verkehrsmenge nötig ist und bleibt. Auch werden verschiedene Varianten in Bezug auf die Linksabbieger in die Wilhelmstraße aufgeführt. Unter dem Strich offenkundig eine komplexe Materie.

Folgen: Insbesondere stadteinwärts sieht natürlich auch die Verwaltung, was mit nur noch einer Autofahrbahn – speziell dann, wenn die Regelung bis Ottostraße gilt – droht: Stau, und zwar massiv. Zum Beispiel in der verkehrsreichsten Zeit dort zwischen 7.30 und 8.30 Uhr. 2016 wurden bei einer Zählung dort fast 1300 Fahrzeuge in einer Stunde gezählt. Mit generell nur einer Spur wäre zur Bewältigung dieser Zahl ein „Ampelumlauf“ am Kaiserplatz von 61 Sekunden nötig.

Weil aber gerade die Unfallkommission dort getrennte Schaltungen für Busse und Autos beschlossen hat, blieben maximal 47 Sekunden. Dies hätte, so wörtlich, „einen sehr langen Rückstau zur Folge“. Etwas weniger stauträchtig wäre eine Variante, bei der der eigene Radweg nur bis Rudolfstraße geht. Dann aber entsteht für die Radfahrer erneut eine unsichere Situation. Zudem: Wenn es auf dem Adalbersteinweg zu langen Staus kommt, orientiere sich der Verkehr erfahrungsgemäß in Richtung von Alternativrouten wie der Jülicher Straße oder der Oppenhoffallee, was auch dort zu (noch längeren) Staus führen könnte.

Weiteres Vorgehen: Die Verwaltung schlägt vor, nach den Bauarbeiten, die in wenigen Tagen enden sollen, zunächst stadteinwärts die Fahrbahnen „normal“ zu markieren. Also so wie bisher. Im Januar solle dann ein Feldversuch starten, bei dem man den Autos eine Spur wegnimmt und sie Radfahrern zur Verfügung stellt. Der Versuch könne auch in zwei Zeitabschnitte – einmal bis zur Ottostraße und dann nur bis zur Rudolfstraße – unterteilt werden. So könne man die Auswirkungen auf den Verkehr – auch auf den Alternativrouten – beobachten und analysieren. Zum Beispiel ab April könne dann je nach Ergebnis die endgültige Markierung vorgenommen werden – je nachdem, wie die Politik letztlich in dieser äußerst kniffligen Frage entscheidet.

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