Abschlussveranstaltung zum Zukunftsforum „Shopping Lab“ in Aachen

Teilnehmer zogen Bilanz : Wie sieht der Handel der Zukunft aus?

In einem Zukunftsforum haben die Stadt Aachen mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft und gemeinsam mit hiesigen Einzelhändlern Visionen für den lokalen Einzelhandel von morgen entwickelt. Nun wurde Bilanz gezogen.

Der Leerstand vieler Ladenlokale in Aachener Einkaufsstraßen ist schon seit längerer Zeit immer wieder ein Thema. Häufig wird der Vormarsch des Onlinehandels für den Niedergang der örtlichen Geschäfte verantwortlich gemacht. Deshalb wurde im vergangenen Jahr das „Shopping Lab“ ins Leben gerufen: In einem Zukunftsforum haben die Stadt Aachen mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft und gemeinsam mit hiesigen Einzelhändlern Visionen für den lokalen Einzelhandel von morgen entwickelt. Von Mai bis Oktober war das Pop-up-Projekt im ehemaligen Kaufhaus Lust for Life in der Komphausbadstraße beheimatet.

Nun haben die beteiligten Akteure in einer Abschlussveranstaltung ein Resümee gezogen. Passend zum Problem wurde auch dafür ein leerstehendes Ladenlokal gewählt: der ehemalige Fahrradladen „Mikes Bikes“ in der Lothringerstraße. Durch das Programm führte Patricia Yasmine Graf, die gemeinsam mit Julia Claire Graf und Anke Didier im Shopping Lab das „Café Total“ betrieb.

In einem Impulsvortrag schilderte zunächst der Aachener Unternehmer Alex Jacobi die Entwicklung seines Business im Zeichen der Digitalisierung. Zunächst als Tonmeister und Musikproduzent begonnen, betreibt er heute die Website sprechsprecher.de, die weltweit Sprecher für Werbespots vermittelt. Dabei bedienen sich Jacobi und seine Mitarbeiter unterschiedlicher Software und mittlerweile auch künstlicher Intelligenz.

Im Anschluss stellten die einzelnen Partner ihre Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem fünfmonatigen Experiment vor. So berichtete Jannik Wendorff, der das Projekt für den Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft und Europa der Stadt Aachen betreut hat, dass an den mehr als 20 Veranstaltungen rund 500 Personen teilgenommen haben, neben Einzelhändlern auch Konsumenten und Politiker. Die meisten Teilnehmer gingen mit dem Gefühl, das Thema Digitalisierung nun besser zu verstehen, so Wendorff. Daneben sei aufgrund positiver Resonanz die Erkenntnis gewachsen, dass das Pop-up-Konzept auch im Handel funktioniert.

Dr. Daniela Janssen vom An-Institut für Unternehmenskybernetik (IfU) der RWTH Aachen präsentierte den humanoiden Roboter „Pepper“, der bei den Workshops im Shopping Lab mit dabei war. Das IfU hat außerdem eine App entwickelt, mit der Händler ihren Kunden eine Visitenkarte ihres Geschäfts sowie Aktionen und Neuigkeiten präsentieren können. Die App ist mit Google Maps verknüpft, so dass sich Nutzer sofort die Route zum gewünschten Geschäft anzeigen lassen können.

Das An-Institut für werkzeuglose Fertigung (IwF) der FH Aachen stellte für das Shopping Lab einen 3D-Drucker zur Verfügung und führte in Workshops in den 3D-Druck ein. Dabei stellte beispielsweise der Aachener Goldschmied Rainer Albath fest, dass er diese Technologie für seinen Betrieb nutzbar machen kann, um etwa Schmuck-Negative zu drucken.

Ein lebendes „Exponat“ im Shopping Lab war Michael Keukert, Vorstandsvorsitzender der AIXhibit AG. Er zeigte live vor Ort exemplarisch an einem neu gegründeten Aachener Textileinzelhandel, wie die „Durchdigitalisierung“ eines Unternehmens vonstattengeht. Innerhalb von zweieinhalb Monaten wurden für das neue Geschäft ein Onlineshop sowie entsprechende Social-Media-Auftritte erstellt.

Visionen gefragt

Mit dem Abschluss des Shopping Lab stellt sich nun natürlich allen die Frage, wie es weitergeht. Daher wurden an die Gäste Zettel ausgeteilt mit drei Fragen, die es innerhalb von fünf Minuten zu beantworten galt: „Was ist Ihre Zukunftsvision für den Aachener Einzelhandel? Welche nächsten Schritte sind erforderlich? Wie möchten Sie sich einbringen?“ Einige der Antworten wurden anschließend vorgestellt und diskutiert. Danach wurden die Gäste eingeladen, an einem regelmäßigen Treffen für den Handel der Zukunft in Aachen teilzunehmen. Im Anschluss an das offizielle Programm folgte dann ein persönlicher Austausch bei Häppchen und Getränken.

Jannik Wendorff gab bereits einen kleinen Ausblick auf die künftigen Pläne der Stadt: Der Fachbereich Wirtschaft, Wissenschaft und Europa möchte Anträge für neue Pop-up-Projekte im Rahmen des Förderprogramms „Digitale Modellregionen“ des Landes NRW stellen. Als Standort ist dabei etwa das Gebäude der ehemaligen „Villa Kunterbunt“ an der Ecke Markt/Kockerellstraße im Gespräch. Da das Gebäude in Privatbesitz ist, würde die Stadt als Mieter einziehen. Die Finanzierung würde dann über Gelder aus dem Förderprogramm erfolgen.

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