Aachen: Abgemacht: 300.000 Euro für neuen Eingang ins Ludwig Forum

Aachen: Abgemacht: 300.000 Euro für neuen Eingang ins Ludwig Forum

Erwartungsgemäß haben Aachens Kulturpolitiker(innen) am Donnerstagabend einstimmig grünes Licht für einen 300.000 Euro teuren neuen Eingang inklusive Museumsshop im Ludwig Forum gegeben. Der Foyer-Umbau im Wert eines stattlichen Einfamilienhauses soll noch bis zum Ende des Jahres fertiggestellt werden.

Die Planungen laufen jetzt im Eiltempo an. Um das schmucke Foyer finanzieren zu können, musste der Kulturbetrieb der Stadt jahrelang an anderen Stellen sparen. Weil das Geld in Rücklagen geparkt wurde, dürfen die kunstbegeisterten Politiker im Betriebsausschuss Kultur nun alleine über diese Mittel aus dem Sparschwein entscheiden — sie gehören zum Gesamtkulturetat.

Der geplante Extra-Zuschuss neben den regulären etatmäßigen Zuwendungen in Millionenhöhe für das LuFo an der Jülicher Straße hatte nicht nur in der freien Kulturszene Kritik ausgelöst. 40 freie Initiativen — darunter kleine Theater, die jedes Jahr ein Vielfaches der Besucher des Ludwig Forums zählen — müssen sich 350\.000 Euro pro Jahr teilen, die ihnen der Kulturausschuss für ihre komplette Arbeit zubilligt.

Aachens scheidender Kulturdezernent Wolfgang Rombey stellte am Donnerstagabend nach einem flammenden Appell für das verdienstvolle Ludwig Forum seine Position klar: „Es kann nicht Aufgabe der Stadt sein, bürgerschaftliches Engagement im Kulturbereich zu finanzieren. Wir fördern und wertschätzen die freie Szene, aber sie hat keinen Anspruch auf finanzielle Zuweisungen.“ Bei der „öffentlich-verantworteten Kultur“ liege die Sache völlig anders — wobei das Publikumsinteresse in Qualitätsfragen nicht entscheidend sei. Rombeys Rede gipfelte in dem Satz: „Ich bin manchmal erschüttert, wie wenig Wertschätzung dieses Haus in Aachen erfährt.“ Und schließlich seine vorwurfsvolle Frage: „Wann wird Aachen endlich seinen Frieden mit diesem Haus machen?“

Debattiert wurde über den Umbauplan, den LuFo-Direktorin Dr. Brigitte Franzen den Kulturpolitikern ein weiteres Mal mit klugen Argumenten ans Herz legte, nicht mehr. Warum auch? Das parteiübergreifende Ja-Votum hatte man bereits „bei einem interfraktionellen Treffen“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor der — öffentlichen — Sitzung ausgemacht, wie CDU-Politiker Josef Hubert Bruynswyck freimütig einräumte. So versicherten die Kulturpolitiker der LuFo-Chefin in allen Wortmeldungen ihre Unterstützung — wobei vereinzelt offenkundig wurde, dass nicht jeder Abstimmungsberechtigte verstanden hatte, worüber da gerade entschieden wird. Wer zahlt nach dem Umbau des Eingangs den Umbau der LuFo-Schreinerei, wo irgendwann ein Restaurant einziehen soll? Und: „Entscheiden wir jetzt über Geld, oder um was geht‘s hier genau?“ Einige mutmaßten sogar, das Projekt könnte — trotz für Planung und Umsetzung zugesagten 300\.000 Euro — billiger werden.

(re)
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