Aachen: Aachens Pflaster wird immer gefährlicher

Aachen: Aachens Pflaster wird immer gefährlicher

Die Brutalität auf Aachens Straßen nimmt zu. Dies untermauert die Kriminalitätsstatistik, die Polizeipräsident Klaus Oelze am Dienstag in Aachen vorgestellt hat. Gefährliche Schwerpunkte sind das Pontviertel, der Bushof sowie die Peter- und Blondelstraße - vor allem in Wochenend-Nächten.

In 496 Fällen schrieben Polizisten im Jahr 2010 Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung auf offener Straße - das sind 51 aktenkundige Schlägereien mehr als im Vorjahr, ein Zuwachs von gut elf Prozent. Inklusive der Schlägereien unter freiem Himmel verzeichnete das Präsidium für das Stadtgebiet 841 Anzeigen wegen schwerer Körperverletzung (plus 21 Fälle), aber einen leichten Rückgang bei „leichten Körperverletzungen” auf 1384 Anzeigen (minus 91).

Trotzdem zeigte sich Oelze am Dienstag mit seinem Leiter der Direktion Kriminalität, Helmut Wälter, bestens gelaunt. „Zum ersten Mal seit zehn Jahren ist die Zahl der Straftaten im ganzen Kreispolizeibezirk auf unter 49.000 gesunken”, freute er sich. Und auch auf Stadtgebiet registrierte man mit 28.365 Straftaten 1,91 Prozent weniger als im Vorjahr. Das sind allerdings - rein statistisch - immer noch 77 Straftaten pro Tag. Aufgeklärt wurde davon etwa jede zweite Straftat (52,4 Prozent/2009: 49,74 Prozent).

Wesentlich niedriger liegt die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen (19,7 Prozent), dafür sank die Zahl der Einbrüche (inklusive 40 Prozent Versuche) von 931 auf 726. „Unser Kommissariat Vorbeugung berät hier jeden Mieter und Eigentümer”, betonte Wälter und riet zu Kontaktaufnahme (9577-34400). Immer mehr Einbrecher steigen unterdessen in Gaststätten und Geschäfte ein. 197 Kneipen und Restaurants sowie 169 Ladenbesitzer wurden heimgesucht - Zuwächse von 40 beziehungsweise 22,5 Prozent. Die Aufklärung solcher Fälle ist schwierig, entsprechend wenige Täter wurden 2010 überführt.

Überaus hohe Aufklärungsraten verzeichnet die Aachener Polizei in Sachen Mord und Totschlag. Von den insgesamt 13 Fällen, die in der Statistik landeten, ist jedoch kein einziger „vollendet” worden. 2010 gab es in Aachen glücklicherweise kein einziges Mordopfer.

Dafür zählte Aachen 44 Prozent mehr Vergewaltigungen. Fast ebenso hohe Steigerungsraten gibt es bei Überfällen auf Geschäfte, Spielhallen und Tankstellen (40 Fälle/plus 82 Prozent). Dazu gab es 35 Handtaschendiebstähle (minus 5,7 Prozent) und 228 Fälle von Straßenraub (plus 6). Beim Taschendiebstahl zeigt der Trend mit 691 Anzeigen abwärts, ebenso beim Ladendiebstahl (2386 Anzeigen).

Rasant steigt derweil die Zahl der Autodiebstähle auf dem Aachener Stadtgebiet. „Die Grenznähe spielt dabei sicherlich eine Rolle”, erklärte Oelze. 272 Autos wurden 2010 gestohlen, fast 20 Prozent mehr als im Vorjahr. „Zwei Drittel der Fahrzeuge sehen wir nie wieder.” Positiv: Ein Drittel weniger Autoaufbrüche (1297 Fälle) und ein Viertel weniger Diebstähle von Autoteilen (661 Fälle). „Man sollte niemals Wertsachen wie Taschen oder Navigationsgeräte im Auto lassen - auch nicht verstecken. Der Abdruck des Saugnapfes auf der Windschutzscheibe reicht Profis schon als Hinweis, dass im Auto etwas zu holen ist”, warnte Wälter.

Die Computerkriminalität war 2010 mit 457 Verfahren weiter auf dem Vormarsch (plus 24 Prozent). Die Aufklärungsquote ist extrem niedrig. Ein Lichtblick: Wälter berichtete von einem Fall, bei dem 2010 an der deutsch-niederländischen Grenze bei Aachen nicht nur vier Drogenhändler, sondern 154 Liter Amphetaminöl dingfest gemacht wurden. „Das hätte für 1,45 Tonnen Amphetaminpulver ausgereicht. Und das ist mehr, als 2009 im ganzen Bundesgebiet sichergestellt wurde.”

Trotz solcher Erfolgsmeldungen setzt Polizeichef Oelze weiter auf Arbeitsschwerpunkte - etwa ein Präventionsprogramm, das vor allem Intensiv- und Mehrfachtätern unter 14 Jahren gewidmet ist. 27,1 Prozent der insgesamt 18.632 Tatverdächtigen, um die sich die Kreispolizeibehörde kümmern musste, waren unter 21 Jahre alt. Darunter waren 704 Kinder unter 14 Jahren. Bei der Gewaltkriminalität beträgt der Anteil der jungen Tatverdächtigen 39 Prozent, bei der Straßenkriminalität 51 Prozent. Überproportional viele Tatverdächtige haben Migrationshintergrund, 29 Prozent waren Ausländer ohne deutschen Pass. „Dass Kriminalitätsbekämpfung ein soziales Problem ist, ist ja hinlänglich bekannt”, sagte Oelze dazu.

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