Aachen: Aachens größtes Blockheizkraftwerk schwebt am eisernen Haken heran

Aachen : Aachens größtes Blockheizkraftwerk schwebt am eisernen Haken heran

Seit Oktober wird am Ende der Mathieustraße, wo einst Müll verbrannt wurde, mit je zehn Megawatt elektrischer und thermischer Leistung das größte Blockheizkraftwerk in Aachen gebaut. Rund 40 Millionen Kilowattstunden Strom und 40 Millionen Kilowattstunden Wärme wird die Anlage jährlich erzeugen. Damit können 11.500 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgt werden.

„Aachen wächst, dies auch dank der Hochschulen und neugegründeter Unternehmen“, sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp im Februar. „Umso wichtiger ist für uns, dass wir nicht nur eine sichere und zuverlässige Energieversorgung haben. Vielmehr muss sie auch zukunftsorientiert, effizient und klimafreundlich sein.“ Denn nicht nur der höhere Wärmebedarf muss gedeckt. „In Summe gehört die Maßnahme mit zum Luftreinhalteplan der Stadt“, erklärte Manuel Kirfel, Projektleiter bei der Stawag.

Anlieferung am Donnerstagabend: Der zweite 60 Tonnen schwer Speicher wird angeliefert. Foto: Andreas Cichowski

Der Wärmebedarf sei in Melaten in den vergangenen Jahren rapide gestiegen. Daher investiert der Aachener Energieversorger knapp 15 Millionen Euro in die neue Anlage, die die acht bestehenden Blockheizkraftwerke der Stawag und das Fernwärmenetz, das im gesamten Innenstadtbereich bereits flächendeckend ausgebaut wurde, erweitern soll. „Die Fernwärme biegt in den Campus Boulevard ab und geht über den Kronenberg bis fast an die Grenze“, so Kirfel.

Dazu wurde die ehemaligen Müllverbrennungsanlage der RWTH entkernt, um Platz für die insgesamt vier Motoren und Generatoren des Blockheizkraftwerkes zu schaffen, die hocheffizient und umweltfreundlich gleichzeitig Strom und Wärme aus Erdgas erzeugen. Damit will der Energieversorger die CO2-Bilanz der Wärmeversorgung deutlich verbessern.

„Das hier von uns eingesetzte Blockheizkraftwerk spart 58 Prozent CO2 gegenüber einer herkömmlichen Energieversorgung ein“, meinte Angeli Bhattacharyya, Sprecherin der Stawag.

Die Wärme, die das Blockheizkraftwerk zukünftig am Standort Melaten erzeugt, werde zur einen Hälfte direkt in das Wärmenetz der RWTH Aachen eingespeist, die andere Hälfte nutze die Stawag für den Aachener Westen, insbesondere den Campus Melaten. Durch die Kopplung aus Wärme- und Stromerzeugung habe die Anlage einen besonders effizienten Gesamtwirkungsgrad von 89 Prozent.

Besonderes Merkmal der Anlage sind zwei 30 Meter hohe Wärmespeicher. Am Donnerstagabend ist der zweite der beiden je 60 Tonnen schweren Speicher per Schwertransport angeliefert worden. Mit zwei Kränen wurde der Behälter am Freitag angehoben und in die Senkrechte gebracht, ehe er am eineinhalb Meter dicken Fundament befestigt wurde.

„Wir haben vorher einen Ankerkorb in das Fundament einbetoniert“, schilderte Kirfel. Über Stunden wurde der 30 Meter hohe Wärmespeicher am Fundament festgeschweißt, erst dann konnte das Stahlkonstrukt vom Haken genommen werden.

Bei etwa acht Bar Betriebsdruck könne das Wasser zukünftig auf bis zu 130 Grad erhitzt und in den beiden Behältern gespeichert werden - zusammen rund 660 Kubikmeter Heizwasser. „Das reicht für zwei Stunden Volllastbetrieb der Anlage“, bemerkte der Projektleiter. Auf diese Weise sollen Schwankungen im Wärmeverbrauch ausgeglichen werden können. Die Inbetriebnahme der gesamten Anlage ist für Ende 2018 geplant.

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