Aachen: Aachens Altstadt vibriert im Takt des „September Special”

Aachen: Aachens Altstadt vibriert im Takt des „September Special”

Uff - was für ein Wochenende! Wenn (fast) alles geht, denkt offensichtlich keine(r) im Traum daran, die Beine hochzulegen. Hunderte nehmen sie spätestens beim Solidaritätslauf des Bistums am Sonntagvormittag rund um den Markt in die Hände. Da brodelt der Talkessel freilich schon seit Tagen fast ununterbrochen.

Die City vibriert im Takt der Musikanten. Und der Stadtkern droht überzukochen, als sich schon am Samstagvormittag Abertausende auf den Weg Richtung City machen, um die nächste Staffel in Sachen „September Special” nicht zu verpassen. Rund um die Normaluhr gehts da allerdings weder vor noch zurück. Die Sperrung der großen Kreuzung bringt den Blechfluss vor allem in den kleineren Straßen des Suermondtviertels praktisch zum Erliegen.

Dabei gestaltet sich die Marschroute ins turbulente Treiben zunächst genauso wie stets: Vor den Künstlern kommen die Handwerker - und zwar ganz groß raus. Diesmal allerdings nicht nur Bühnenspezialisten. Die sprudelnde Vielfalt der Zünfte tummelt sich beim Handwerkertag auf dem Münsterplatz; unter den Sohlen zahlreicher Schüler, die mit „Walking Acts” die Vielfalt der Möglichkeiten präsentieren, mutiert das Pflaster zum sprichwörtlichen goldenen Boden.

Wohl dem, der sich im Anschluss ein Plätzchen auf dem Hof gesichert hat. Unter den Säulen laden Richie Arndt & the Bluenatics zur rasanten Reise in rockige Gefilde; der 54-jährige Frontmann lässt seine Stratokaster ein kongeniales Loblied auf die ganz Großen des Bluesrock singen.

Ebenso leichtes Spiel haben die Lokalmatadoren von den „Wheels” mit einem prallen Potpourri der schönsten Pop- und Rockhymnen auf dem Markt. Die ostbelgische Formation „Vedette” gibt mit ihrer charismatischen Sängerin Kerstin Stickelmann-Henz auf dem Münsterplatz eine feine Visitenkarte mit deutschsprachigen Songs ab, die vielen unter die Haut geht. Auf dem Katschhof servieren „Alvida” und „henk jr.” geschmeidige Klangkunst von verträumt-romantisch bis rockig-rasant.

Spätestens am Abend lernt der geneigte City-Flaneur allerdings, dass man auch auf Schusters Rappen manchen Stau in Kauf nehmen muss, wenn Zigtausende die Qual der Wahl zwischen wahrlich brillanten Bühnenshows haben. Das Nachsehen haben vor allem die sensationellen Instrumentalisten des Tilmann Schneider Swing Terzetts. Trotz der perfekt inszenierten nostalgischen Tour in die Jazz-Salons der Dreißiger und Vierziger steigen viele nach einigen Takten schon wieder aus dem Partyzug aus - die kleine, sehr niedrige Rundbühne am Fuß der Hoftreppe erlaubt den Allerwenigsten, auch mal einen Blick auf die grandios aufgelegten Musiker zu erhaschen. Wirklich schade.

Unterm Riesenrad auf dem Katschhof drängen sich derweil die Massen, als die Jazzrock-Heroen des Peter Sonntag Quartetts mit dem „Brass & Earth Ensemble” eine gigantische Show abliefern - mit kongenialen Adaptionen von Klassikern wie den Beatles, Billy Cobham, J.J. Cale oder Richie Havens versetzt die Truppe das Publikum in einen Taumel der Begeisterung - ein perfektes Live-Happening der Extraklasse.

Dem stehen die Stars von „!Dela Dap” auf der Marktbühne mit ihrem raffinierten Mix aus Gypsi-, Weltmusik- und elektronisch hämmerndem Club-Sound sowie die Ska-Truppe „Quicksteps” mit ihren bombastischen Bläser-Breitseiten auf dem Münsterplatz allerdings kaum nach. Kurzum: Wem dieses Menü nicht mundet, der sollte seine Geschmacksnerven womöglich mal durchchecken lassen. . .

Logisch also, dass auch der leicht ermattete Sommer am Sonntag nochmal zur Hochform aufläuft. Klaus der Geiger, Liedermacherin Katja Werker, die Latino-Zauberer von „d-son”, die Rockformation „The Tideline”, die kultigen Veteranen der „Official Bluesband” und die A-cappella-Truppe „Mit ohne alles” danken mit einem furiosen Finale dieses unvergesslichen Wochenendes. An dem - von wegen Staus auf Straßen und Plätzen - zumindest die Emotionen bei jedem Ton und jedem Takt freie Bahn erhalten haben.

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