Aachener Volkshochschule zeigt Ergebnisse des Projekts „NRWeltoffen“

Gegen Vorurteile in den Köpfen : Bildung als Mittel gegen Rassismus

Rund zwei Jahre lang hat ihr Projekt gedauert. Die studierte Sozialarbeiterin Laura Distelrath arbeitet für die Volkshochschule Aachen. Sie war es, die das durch die Landeszentrale für politische Bildung geförderte Projekt „NRWeltoffen“ leitete.

„NRWeltoffen“ ist insgesamt 24 Mal in Nordrhein-Westfalen vertreten. Auch die Städteregion Aachen nahm schon daran teil. Nun lag der Fokus explizit auf der Stadt Aachen. Das 2017 gestartete Projekt beschäftigte sich mit Formen und Vorkommnissen von Rassismus und Rechtsextremismus in Aachen. Distelrath und ihre Kolleginnen und Kollegen führten rund 20 Experteninterviews zum Thema Rassismus. Darüber hinaus befragte Distelraths Team aber auch Bürgerinnen und Bürger zum Thema und wertete Statistiken zu rassistischen Vorfällen aus. Nach zwei Jahren der Beobachtung kann Distelrath nun eine Bilanz ziehen.

„Gerade auch durch seine Grenznähe ist Aachen sehr weltoffen – doch kommt es trotzdem zu einer Vielzahl alltäglicher Erfahrungen mit Rassismus.“ Im Vergleich zu Rassismus sei Rechtsextremismus ein relativ klar strukturiertes Phänomen. Solcher Extremismus sei meist gut erkennbar. „Rassismus ist unterschwelliger“, erklärte Distelrath. Er sei ein deutlich weiter verbreitetes Phänomen. „Wir müssen uns eingestehen: gewisse Vorurteile sind in allen Köpfen drin“, betonte Distelrath. Und genau mit solchen Vorurteilen beginne Rassismus.

Stärker sensibilisieren

Allerdings ist nicht Kritik Sinn des Projekts „NRWeltoffen“. Neben einer Bestandsaufnahme der momentanen lokalen Situation soll das Projekt „vor allem sensibilisieren und zum Nachdenken anregen“, erläuterte die Direktorin der Aachener Volkshochschule, Beate Blüggel. Dies zu erreichen, sei sicherlich langwierig und schwer – und doch blicke sie positiv in die Zukunft. „Inzwischen hat jeder dritte Mensch in Aachen eine Migrationsgeschichte“, betonte sie. „Da werden wir nicht umhinkommen, zu erkennen, dass Aachen bunt ist!“ Doch seien die Entstehung von Akzeptanz und der Abbau von Rassismus keine Selbstläufer. „Wir können nicht denken, dass sich rechte Tendenzen von selbst lösen“, erläuterte Blüggel.

Arbeit in den Schulen

Um solchen Tendenzen nachhaltig und frühzeitig erst gar keinen Platz zu lassen, müsse ein zentraler Fokus der Antirassismus-Arbeit auf den Schulen liegen. „Dort herrscht riesiger Bedarf“, hob auch Distelrath hervor. Oftmals seien Lehrkräfte mit dem Thema Rassismus überfordert. „Teilweise werden rassistische Äußerungen auch gar nicht als solche erkannt“, erklärte Projektleiterin Distelrath. Und dort setzt die Sensibilisierungsarbeit der Volkshochschule an. Sie will Menschen aufmerksamer werden lassen. „Sobald die Menschen über ihre Äußerungen nachdenken, haben wir schon etwas erreicht.“

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