Aachen: Aachener Vokalensemble: Ein Sänger kommt eigens aus Schweden

Aachen: Aachener Vokalensemble: Ein Sänger kommt eigens aus Schweden

Abends ist Fritz ter Wey eigentlich immer unterwegs. Der emeritierte Professor für Chormusik und Chorleitung leitet entweder irgendwo eine Probe oder tritt mit einem seiner vielen hochkarätigen Chöre auf. Seit 50 Jahren führt er den renommierten Jungen Chor — einen der Initiativchöre der Aachener Chorbiennale.

Zusätzlich hat er den überregionalen Kammerchor „Modus Novus“ sowie den europäischen Kammerchor „Voxa Vocal“ — mit Sängern aus über 20 Ländern — gegründet. Doch er wollte sich einen lang gehegten Wunsch erfüllen — und hat deshalb im vergangenen Jahr einen weiteren Chor gegründet: das Aachener Vokalensemble AVE.

Welchen Wunsch? „Mit meinen bisherigen Chören erarbeite ich überwiegend zeitgenössische Chorwerke. Wir haben schon viele Werke uraufgeführt und Auftragswerke gesungen“, erklärt ter Wey. „Zu meiner eigenen Freude wollte ich auch mal wieder an Komponisten von Renaissance bis Romantik arbeiten.“ 16 Sängerinnen und Sänger, die ter Wey von der Arbeit in seinen anderen Chören kannten, wollten das auch. Zwei Konzertwochenenden haben sie bereits mit Bravour gemeistert.

Ein strammes Programm erwartet die Männer und Frauen zwischen 25 und 55 Jahren dann jedes Mal: Anreise am Freitag zur Probe, eine weitere Probe am Samstag, abends und Sonntag Konzert. Das funktioniert, weil der Chor bestens präpariert zusammenkommt. „Es sind semiprofessionelle Sänger. Sie bereiten die Stücke selbst vor. In den Proben geht es dann nur noch um die musikalische Ausformung.“ Semiprofessionell heißt: Sie haben weitreichende Chorerfahrung, musikalisches Knowhow und oftmals auch durch Gesangsunterricht ausgebildete Stimmen. Singen tun sie allerdings nur zur eigenen Freude und nicht, um damit Geld zu verdienen.

„Die Grundvoraussetzung war die Motivation wie bei Laiensängern. Anders ist dieses Projekt nicht zu machen“, betont ter Wey seine Wertschätzung für das Engagement der AVE-Mitglieder. „Einer kommt immer aus Schweden her. Das macht man nur, wenn man sehr chorverrückt ist“, erzählt er nicht ohne Schmunzeln.

Das AVE schließt jedoch nicht nur eine Lücke bei ter Wey, sondern auch in der umfangreichen und höchst unterschiedlich ausgeprägten Aachener Chorlandschaft. „Meines Wissens gibt es nur ein weiteres Vokalensemble in Aachen und das ist dem Dom angegliedert — also nur mit Männern besetzt.“ Das AVE ist gemischt besetzt — je nach Programmzusammenstellung mit 12 bis 16 Personen.

Die Konzertveranstalter der Region haben das neue Chor-Kleinod bereits für sich entdeckt: Im Mai singt das AVE beim Eifeler Musikfest, im Oktober konzertiert es unter anderem in der Burtscheider Marienkapelle.

Bei den Zuschauern ist es hingegen noch ein Geheimtipp — trotz des großen Namens seines Chorleiters. Das stört den allerdings wenig. „Es geht uns nicht darum, große Veranstaltungsorte zu füllen. Das passt auch gar nicht zu unserer Art von Konzerten“, meint ter Wey. „In kleinen Kirchen oder an ähnlich passenden Orten der Region vor nicht mehr als 100 Zuschauern höchstens drei Mal im Jahr — das ist der Plan.“ Mit einer Einschränkung: „Festivaleinladungen nehmen wir natürlich gern an“, sagt ter Wey, der wohl der Chorverrückteste von allen ist. „Chorleitung ist das Wasser, in dem ich schwimme. Ich kann mir einfach nichts Schöneres vorstellen.“