Aachener VHS sucht neue Wege der Integration

Projekt der Volkshochschule : Neun Aktionsfelder für mehr Integration

Auf der einen Seite: Toleranz, Integration, Dialog, Information. Auf der anderen: Desinteresse, Diskriminierung, Ressentiments, reichlich Konfliktpotenzial.

Zugegeben: ziemlich viele Fremdwörter auf einmal, nicht selten wohl auch kaum mehr als wohlfeile Vokabeln für diverse Sonntagsreden. Wie aber begegnen die Aachener dem – und den – „Fremden“ im Alltag? Trägt nicht schon das durchaus deutsche Verb „begegnen“ das Hauptwort „Gegner“ in sich? Geschenkt. Denn von solch theoretisch-philologischen Erörterungen ist die Initiative „NRWelt-offen“, die auch an der Volkshochschule Aachen zurzeit in die (vorläufige) Zielgerade einbiegt, weit entfernt. Das zeigte die erste Bilanz, mit der Projektleiterin Laura Distelrath bei den Politikern im städtischen Betriebsausschuss für Theater und VHS jetzt geradezu euphorische Reaktionen ausgelöst hat.

Fast zwei Jahre lang haben Distelrath und ihre Mitstreiter sich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt: Wie weltoffen ist Aachen? Natürlich waren die Antworten nicht durchweg überraschend. „Es gibt ein gutes Netzwerk von Institutionen, Vereinen und freien Initiativen, die sich gegen Fremdenhass und für ein besseres Miteinander engagieren“, sagt Laura Distelrath. Die eigene Legitimation spricht sie sich damit keineswegs ab, im Gegenteil: „Unser Ziel war und ist es, Grundlagen für ein konkretes lokales Handlungskonzept gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu entwickeln.“ So war das VHS-Team seit Anfang 2017 unter anderem an drei Diskussionsveranstaltungen beteiligt, hat Umfragen und Interviews mit unterschiedlichsten Experten geführt und ausgewertet.

Setzen sich dafür ein, dass die Initiative „NRWelt-offen“ über das Jahr 2018 hinaus verlängert werden kann: Projektleiterin Laura Distelrath und VHS-Leiterin Dr. Beate Blüggel, hier mit Norbert Greuel von der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen. Foto: HARALD KROEMER

Neun Aktionsfelder haben sich dabei herauskristallisiert.

1. Interkulturelle Öffnung: Hier gelte es, Rahmenbedingungen zu schaffen, um Migranten effektiver in Arbeit zu vermitteln, Fortbildungen zu organisieren, um Vorurteile abzubauen, Behörden fit zu machen für die Kommunikation in mehreren Sprachen.

2. Aufklärung und Bildung: Gefragt seien zum Beispiel Infoveranstaltungen mit neuen, „peppigen“ Formaten, um ein möglichst großes Publikum zu erreichen, aber auch etwa eine Offensive in Sachen Qualifizierung oder Projekte zur Förderung der „Erinnerungskultur“ für Zugewanderte.

3. Entwicklung, verstärkte Nutzung und Institutionalisierung von Fachkompetenzen, die vielfach praktisch brachliegen.

4. Förderung bedarfsgerechter Angebote, um unterschiedlichste „Zielgruppen“ zusammenzubringen, Beteiligung praktisch zu ermöglichen.

5. „Veränderung struktureller Gegebenheiten“, zum Beispiel durch individuelle Unterstützung von Migranten bei der Wohnungssuche oder bei Bewerbungen.

6. Schaffung sicherer Räume für ein konstruktives und offenes Miteinander, Strategien zur Veränderung städtebaulicher „Angsträume“.

7. Konfliktlösung durch Mediation.

8. Klare Positionierung durch öffentlichkeitswirksame Aktionen, mit denen die Vorzüge einer multikulturellen Gesellschaft ins Licht gerückt werden.

9. Mehr Vielfalt: Unterstützung von Quartiersarbeit, gleichzeitig Initiativen gegen eine „Ghettoisierung“ einzelner „Bevölkerungsgruppen“.

Vorläufiges Fazit: Das Spektrum der Handlungsmöglichkeiten gegen dumpfe Hass-Reden und Rassismus ist denkbar breit. Die Politiker im Ausschuss zeigten sich begeistert. In Kürze soll das Konzept daher auch im Stadtrat vorgestellt und erörtert werden. Und die Aussichten, dass das Projekt, das zunächst bis Ende 2018 vom Land gefördert wird, fortbestehen kann, seien gut, versicherte VHS-Leiterin Dr. Beate Blüggel.