Aachener Verkehrsverbund hebt die Ticketpreise an

Öffentlicher Nahverkehr : Und wieder steigen die Preise für Bus und Bahn

Zufrieden zeigt sich kaum ein Verkehrspolitiker, ändern wird sich trotzdem nichts: Das Bus- und Bahnfahren wird in den kommenden beiden Jahren wieder teurer.

Das haben die AVV-Beiräte für die Städteregion sowie die beiden Kreise Heinsberg und Düren bereits beschlossen, die Aachener werden am kommenden Donnerstag im Mobilitätsausschuss nachziehen. Einzig Linke und Grüne haben angekündigt, dagegen zu stimmen.

Um durchschnittlich knapp 1,8 Prozent werden die Tarife zum 1. Januar 2020 angehoben, im Folgejahr sollen es dann nochmals durchschnittlich knapp 1,7 Prozent sein, haben die Verantwortlichen des Aachener Verkehrsverbunds (AVV) errechnet. Sie versprechen sich davon Mehreinnahmen von jeweils rund 1,8 Millionen Euro - nötig, um stetig steigende Betriebs- und Personalkosten bezahlen zu können.

Doch wie schon im vergangenen Jahr sorgt insbesondere der Dreh an der Preisschraube für ältere Menschen und für Gelegenheitsfahrer für Kritik. So wird das Seniorenticket „Aktiv-Abo“ im nächsten Jahr nochmals um 4 Euro angehoben (dann 62 Euro), ein Jahr später kommen dann nochmals 1,50 Euro oben drauf. Für viele Rentner sei das zu viel, haben schon im vergangenen Jahr ältere Menschen geklagt.

Zwar zeigten CDU und SPD Verständnis, am Sachverhalt hat es trotzdem nichts geändert. Und so wird es auch dieses Jahr wieder sein. „Wir haben uns sehr schwergetan und sind auch immer noch der Meinung, dass der Preissprung zu hoch ist“, sagt die SPD-Mobilitätspolitikerin Ye-One Rhie. Doch auch diesmal könne man nicht mehr daran rütteln, weil die Beschlüsse in den anderen Gremien längst gefallen seien.

So wird es eine klare Mehrheit für die vom AVV vorgeschlagenen „Tarifanpassungen“ geben, die für 2021 auch den Wegfall der bisherigen Rabatte für Vierfahrtentickets vorsehen. Sie sind dann genauso teuer wie Einzeltickets (1,70 Euro auf der Kurzstrecke, 2,80 Euro in der Preisstufe 1). Das sogenannte Mobilticket für alle Bezieher von Transferleistungen oder Wohngeldempfänger soll erst 2021 teurer werden, dann aber um durchschnittlich 2,6 Prozent (33,90 Euro in der Städteregion, 24,50 im Kreis Düren, 25 Euro im Kreis Heinsberg). Überdurchschnittliche Erhöhungen sind auch für die Wochentickets und Jobtickets vorgesehen.

Dass diesmal die Tarifanhebungen gleich für zwei Jahre beschlossen werden, habe strategische Gründe, ist die Opposition überzeugt: So will die Mehrheit Fahrpreis-Diskussionen im Kommunalwahljahr vermeiden.

Doch wie im vergangenen Jahr wollen Grüne und Linke auch diesmal wieder deutlich machen, dass sie von dem alljährlich praktizierten Preiserhöhungsritual nichts halten. „Das Preisniveau ist insgesamt zu hoch“, meint Harald Siepmann, Linke. Er werde daher gegen die AVV-Vorschläge stimmen.

So halten es auch die Grünen, die bereits im vergangenen Jahr größere kommunale Anstrengungen gefordert haben. Fünf Millionen Euro hatten sie zusätzlich beantragt, um das Angebot in Aachen auch qualitativ zu verbessern. „Einfach nur die regelmäßigen Kostensteigerungen auf die Kunden abzuwälzen und Jahr für Jahr an der Preisschraube zu drehen, wäre das absolut falsche Signal. Wir wollen den ÖPNV attraktiver und nicht teurer machen,“ erklärt Kaj Neumann für die Grünen. „Die Verkehrswende bekommen wir nur hin, wenn die Radfahrinfrastruktur massiv ausgebaut und sich Bund und Länder wesentlich stärker an der Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs in den Kommunen beteiligen.“

Solche Überlegungen hält auch Ye-One Rhie für nötig. Man bewege sich bislang stets nur in dem in sich geschlossenen Tarifsystem, stattdessen sollte man über eine generell neue Struktur zur Finanzierung des ÖPNV nachdenken, sagt sie. Die Erhöhung öffentlicher Zuschüsse sei eine mögliche Variante.

Derweil beklagen die Piraten weniger die steigenden Preise, die sie „moderat“ nennen, sondern ein in ihren Augen „viel zu komplexes Tarifsystem“. „Es ist vor allem auf Dauernutzer ausgelegt“, sagt Matthias Achilles. Für Gelegenheitsnutzer sei es hingegen untauglich. „Sie haben gar keine Chance, ein für sie günstiges Angebot zu finden.“

Doch auch daran wird sich so bald nichts ändern. Vier Din-A4-Seiten hat der AVV auch diesmal wieder benötigt, um sein gesamtes Ticket-Angebot darzulegen.

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