Aachen: Aachener Turn-Gemeinde läuft für Hospizstiftung der Region

Aachen : Aachener Turn-Gemeinde läuft für Hospizstiftung der Region

Günter Drießen benutzt bewusst ein Bild, das Bild vom Verein als Spiegel der Gesellschaft. Drießen ist der Vorsitzende der ATG und Leiter der Leichtathletikabteilung. Er sieht im Klub mit Sitz am Chorusberg viel mehr als nur einen Sportverein: „Auch bei uns werden die Menschen älter. Wir haben junge, ältere und wirklich alte Mitglieder. Und wir haben Mitglieder, die krank werden und immer wieder auch Todesfälle.“

Warum erzählt er davon? Erstens, weil er seine Frau vor einigen Jahren nach einer von Frühdemenz geprägten Leidenszeit verloren hat und zweitens, weil er längst einen konstruktiven Umgang mit diesem schwierigen Themenfeld gefunden hat. Diesem Selbstverständnis entspringt die Idee des Sportlers und Organisators Drießen, den diesjährigen ATG-Herbstlauf in den Dienst einer guten Sache zu stellen.

Beim renommierten ATG-Winterlauf ist das zugunsten der Lebenshilfe Aachen schon längst Tradition. Der Herbstlauf soll als kleiner Bruder dieses Laufes nachfolgen. Und so geht es am Sonntag, 14. Oktober, nicht nur um die schöne Laufstrecke durch den Wald zu den Ruinen des Pelzerturms, es geht auch um wichtige positive Impulse zugunsten der Hospizstiftung Region Aachen.

Martin Brandt vom Vorstand der Hospizstiftung ist von der Idee gleich zweifach begeistert. Schließlich ist er nicht nur Freizeitläufer, sondern auch einer der Mitverantwortlichen für das Hospiz am Iterbach, dem zweiten Aachener Hospiz neben Haus Hörn. Und der Finanzplan des neuen Hauses weist noch immer einen kalkulierten Bedarf aus.

Logischerweise unterstützt er den Appell von Günter Drießen, dass möglichst jeder und jede Aktive eine Spende zugunsten des Hospizes mitbringen soll. Aufs Startgeld wird bewusst kein Aufschlag gepackt, um die Freiwilligkeit zu betonen. Brandt unterstreicht den Charakter des Hauses am Iterbach als Einrichtung für die letzte Lebensphase und nicht für die Phase des Sterbens: „Unsere Gäste sollen noch einmal Qualität und Freude erleben.“

Um diese Seite der Hospizidee zu unterstreichen, werden Mitarbeiter der Stiftung auf dem Platz an Infoständen auf entspannte Weise die Hospizidee und deren Förderung näherbringen und ins Bewusstsein rücken. Oder wie Drießen es ausdrückt: „Hospiz ist nicht ansteckend.“ Also keine Angst. Und Günther Drießen will die Hospizstiftung aus einem anderen Grund unterstützen: „Hier reden Menschen nicht nur, sie handeln auch.“

Dazu wird gewiss die familiäre Atmosphäre auf dem Platz vor und nach dem Lauf beitragen. Nach der sportlichen Anstrengung gibt es ausreichend Angebote zur Regeneration. Der Laufsport steht im Vordergrund der Veranstaltung, die ihre vierte Auflage erlebt. Jörn Schnöring hat als Geschäftsführer der ATG jeden Abschnitt der Laufstrecke im Blick: „Der Start ist gemeinsam um 11 Uhr für die Distanz über 10,6 und 7,1 Kilometer.

Von unserem Platz geht es durch den Wald bergauf bis zur Höhe des früheren Pelzerturms, wo sich die Strecke teilt. Die Läufer der längeren Distanz biegen ab Richtung Hühnertal, die anderen laufen zurück zum Chorusberg.“ Wobei die Wahl der Distanz keine Qualitätsaussage darstellt, denn Winterlauf-Sieger Martin Heuschen hat 2017 auch die 7,1 Kilometer gewählt.

Von der Grundidee her ist der Herbstlauf, für den 750 Startplätze vorgesehen sind, ein Volkslauf — auch wenn gerade die Steigung zum höchsten Punkt des Aachener Stadtwaldes eine Herausforderung darstellt. Wer regelmäßig läuft, braucht die Anmeldung nicht zu fürchten. Das gilt erst recht für den Nachwuchs. Die Kinder starten um 10.30 Uhr zu ihrer Runde auf dem Platz, für die Schülerklasse fällt fünf Minuten später der Startschuss zur speziellen Runde über 2,2 Kilometer durch den Wald.

Am Ende können alle Teilnehmer guten Gewissens in die Finisher-Printe beißen. Und wer sich anschließend noch ein wenig mit der Hospizidee befasst, hat vielleicht ein noch besseres Gewissen.