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„Knutschfleck“: Aachener Treff für queere Jugendliche expandiert

„Knutschfleck“ : Aachener Treff für queere Jugendliche expandiert

Der Jugendtreff für queere Jugendliche in Aachen hat jüngst ein zweites Ladenlokal bezogen und renoviert. Über das Angebot des Vereins und was in den neuen Regenbogen-Räumen gegenüber von St. Jakob geplant ist.

Regenbögen – an der Wand, auf dem Teppich und als Muster auf den Strandstühlen. Der Name ist Programm im Rainbow-Zentrum „Knutschfleck“. Der Verein der offenen Jugendarbeit der LGBTQIA*-Community, der seinen Treffpunkt an der Ecke Jakobstraße/Jakobplatz hat, ist gewachsen. Ein zweites Ladelokal, direkt rechts neben dem bereits bekannten Eingang, wurde in Eigenregie renoviert und liebevoll eingerichtet – natürlich bunt. „Wir wollen sichtbar sein“, erklärt Philipp Noack, der ehrenamtlich im Verein aktiv ist und bei den Renovierungsarbeiten zwischen August und September maßgeblich mitgewirkt hat. „Aachen ist weltoffen und divers.“

Direkt ins Auge fällt im Vorbeigehen der Graffiti-Slogan an der Wand: „Spread Love“ (deutsch: Liebe verbreiten). „Das haben die Jugendlichen im Rahmen eines Workshops selbst gestaltet“, erzählt Alice Klieser, pädagogische Leiterin des „Knutschfleck“. Ganz fertig ist der neue Aufenthaltsraum aber noch nicht. Ein Sofa und ein Kicker-Tisch sollen die „Chill-out-Area“ noch ergänzen. „Außerdem haben wir vor, die alten und neuen Räume durch einen Durchbruch miteinander zu verbinden“, erklärt Noack. Barrierefrei, versteht sich.

Den Verein gibt es seit 26 Jahren in Aachen. Dieses Jahr wurde die Feier zum 25-jährigen Jubiläum nachgeholt, die zuvor coronabedingt ausfallen musste. Die Auswirkungen der Lockdown-Zeiten merkt das „Knutschfleck“-Team immer noch. Erst langsam wachse die Gruppe der Jugendlichen, die regelmäßig vorbeikommen und das Vereinsleben aktiv mitgestalten, wieder an. „Zur Kerngruppe gehören derzeit etwa zehn bis 15 Leute“, berichtet Klieser.

Zweimal die Woche öffnet das Rainbow-Zentrum die Türen, um queeren Jugendlichen einen diskriminierungsfreien und sicheren Raum für Freizeitaktivitäten und zum Austausch zu bieten. Außerdem gibt es verschiedene Angebote wie Workshops, Infomaterial für Eltern und Lehrer sowie seit nunmehr einem Jahr ein persönliches Beratungsangebot mit Mitarbeiterin Marie Kisters. „In der Sprechstunde geht es dann häufig ums Outing oder um das Thema Geschlechtsidentität“, erklärt die pädagogische Leiterin.

Denn obwohl in den vergangenen Jahren das Thema Diversität verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist, sind zahlreiche Betroffene häufig Opfer von Diskriminierung, so Noack. „Die meisten Jugendlichen haben homophobe oder transphobe Erfahrungen gemacht“, führt er aus. Dabei sei die queere Community in Aachen und der Umgebung gar nicht mal so klein.

Im Viertel ist der Verein jedenfalls angekommen und gern gesehen. Auch die direkte Nähe zur katholischen Kirche ist für das Rainbow-Zentrum an der Jakobstraße 161 unproblematisch. „Wir stehen im guten Kontakt mit der Gemeinde“, sagt Klieser. Und das hat die Kirche gezeigt: Zum Pride Month im Juni schmückte eine Regenbogenflagge den dortigen Fahnenmast – schräg gegenüber dem Rainbow-Zentrum.

Der Jugendtreff „Knutschfleck“ will Menschen der LGBTQIA*-Community zwischen 14 und 27 Jahren aus der gesamten Städteregion Aachen ansprechen. Aktuell läuft noch bis zum 27. November eine bunte Workshop-Reihe. Weitere Infos und Anmeldung: www.bombastisch-fantastisch.de. Der offene Treff findet immer dienstags von 15 bis 19 Uhr sowie donnerstags von 16.30 bis 21 Uhr statt. Weitere Infos gibt es per E-Mail an info@knutschfleck-online.de oder auf Instagram: /knutschfleck_ac