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Europameister mit Sonne im Tank: Aachener „Team Sonnenwagen“ siegt in Zolder

Europameister mit Sonne im Tank : Aachener „Team Sonnenwagen“ siegt in Zolder

Das Aachener „Team Sonnenwagen“ hat mit seinen solarbetriebenen Rennautos einen Doppelsieg bei der Europameisterschaft errungen.

Dass Rennfahrer nicht unbedingt nur Benzin im Blut haben müssen, beweist der studentische Verein „Team Sonnenwagen“ aus Aachen. 2015 von WG-Bewohnern gegründet, entwickeln und bauen die inzwischen über 50 Mitglieder in Eigenregie solarbetriebene Rennfahrzeuge. Mit Erfolg treten sie damit bei internationalen Wettbewerben an: Jüngst ist das Aachener Team bei der European Solar Challenge, der Europameisterschaft für Solarfahrzeuge auf der ehemaligen Formel 1-Strecke im belgischen Zolder, auf dem ersten und zweiten Platz gelandet.

„Das ist der größte Erfolg, den wir als Verein bisher errungen haben, und dann auch noch ein Doppelsieg“, freut sich Clemens Odendahl, Leiter der Marketing-Abteilung des „Teams Sonnenwagen“. Das Rennevent sei eine anstrengende Extremerfahrung mit wenig Schlaf gewesen, erzählt er. Denn schließlich handelt es sich bei dem Turnier in Belgien um ein 24-Stunden-Rennen. Doch der Erfolg sei diese Anstrengung allemal wert. Mit dem 2019 konstruierten „Covestro Sonnenwagen“, einem schmalen Modell in Form eines Pfeils, belegte der Öcher Rennstall den zweiten Platz. Ganz oben auf dem Podest landete das Team mit dem 2021 gebauten „Covestro Photon“, ein Wagen in der Bauform „Katamaran“.

Die Vereinsmitglieder sind allesamt Studenten verschiedener Fachrichtungen an der RWTH und der FH Aachen. Alles Wesentliche wird selbst durchgeführt, von der Planung und Konstruktion der Solarautos bis zur Sponsorenakquise.

„Die Motivation, die uns verbindet, ist, dass wir etwas verändern möchten. Wir streben nach größtmöglicher Effizienz, wollen immer noch ein Prozent mehr aus den Fahrzeugen herausholen und an die Grenzen des technisch Machbaren gehen“, so Odendahl. „Und natürlich eint uns alle der Spaß am Tüfteln.“

Wie schnell ist man überhaupt in so einem Solarwagen unterwegs? „Die Geschwindigkeit ist nicht zu pauschalisieren, denn das hängt von den Wetterverhältnissen ab“, erklärt der Marketing-Chef. In Belgien habe die durchschnittliche Geschwindigkeit über 24 Stunden bei 60 km/h gelegen, dort gab es aber auch Regen satt und wenig Sonne. In Australien seien auch schon mal 144 km/h Spitzengeschwindigkeit erreicht worden. „Das Ziel ist aber ohnehin nicht die Maximaltempo. Unser Mantra lautet Energieeffizienz“, sagt Odendahl. Um möglichst hohe Reichweite bei geringem Verbrauch zu erzielen, müssen leichte Autos gebaut werden. Carbon ist hier das Material der Wahl, die Aachener Boliden wiegen unter 200 Kilogramm.

Der entscheidende Faktor, weshalb das Team die Konkurrenz in Zolder ausstach, sei aber gewesen, dass die Autos besonders wasserdicht gebaut wurden. „Ein weiterer Faktor war die Stabilität in Kurven bei nasser Straße, hier wussten wir genau, bis zu welchen Grenzen wir gehen und was wir leisten können“, berichtet Odendahl stolz. Beide Wagen haben in den 24 Stunden mehr als 1000 Kilometer zurückgelegt.

Die nächste Herausforderung steht für das „Team Sonnenwagen“ bereits an: Der Tross reist mit seinen Solarautos nach Italien, auf der Formel 1-Strecke in Imola wartet das nächste Turnier. Als frisch gebackene Europameister gehen die Aachener dort als Top-Favoriten an den Start. Und auch für 2023 gibt es ein großes Ziel: Bei der World Solar Challenge, der Weltmeisterschaft in Australien, wollen die jungen Rennsportler mit einem brandneuen Fahrzeug antreten. Natürlich mit Sonne im Tank.