Aachen: Aachener SPD nominiert Ulla Schmidt für die Bundestagswahl

Aachen: Aachener SPD nominiert Ulla Schmidt für die Bundestagswahl

„Mach‘s noch einmal, Ulla“: Diesen Satz müssen die Aachener Genossen in den vergangenen Wochen und Monaten ziemlich häufig in den Mund genommen haben. Sagt jedenfalls „Ulla“, außerhalb der Aachener SPD als ehemalige Bundesgesundheitsministerin und amtierende Bundestagsvizepräsidentin mit vollständigem Namen besser bekannt als Ulla Schmidt. Denn dass sie‘s noch einmal macht, war wohl gar nicht so klar.

Eigentlich hätte sie, die immerhin schon seit 1990 Mitglied des Deutschen Bundestags ist, daran zuerst nicht gedacht, erzählt Schmidt an diesem Abend den Delegierten im Saalbau Kommer. Aber dann hätte sie ihn immer wieder gehört, diesen Satz — „und ich muss gestehen, ich mach‘s ja auch gerne“.

Den Auftrag ihrer Partei hat sie nun: Mit 52 Ja- bei zwölf Neinstimmen stellen die Delegierten Ulla Schmidt ein weiteres Mal als Bundestagskandidatin auf. Die prominente Aachener Sozialdemokratin wird mit langem Applaus gefeiert — was belegt, dass Stimmung und Stimmen nicht immer übereinstimmen. Denn Schmidt erhält an diesem Abend, an dem die Aachener SPD auch Daniela Jansen und Karl Schultheis in den Landtagswahlkampf schickt, die meisten Gegenstimmen. Die 39-jährige Jansen fährt mit 63 Ja- bei nur zwei Neinstimmen das beste Ergebnis ein und wirft danach Kusshändchen in den Saal. Für den 63 Jahre alten Schultheis votieren 55 Genossen, drei enthalten sich, sieben sagen Nein.

Für die gute Stimmung hat die 67-jährige Schmidt vor der Abstimmung allerdings selbst gesorgt — mit einer ausgesprochen engagierten, emotionalen und vor allem kämpferischen Rede. „Unser Ziel ist nicht das Mitregieren, sondern wir wollen die Spitze der Regierung stellen“, gibt sie die Richtung für den Herbst 2017 vor. Denn, klar: „Am meisten kann die SPD bewirken, wenn sie den Kanzler stellt.“ Doch auch unter einer Kanzlerin Merkel habe man viel erreicht, zählt Schmidt als sozialdemokratische Erfolge unter anderem den Mindestlohn, die Bekämpfung der Altersarmut und das Bundesteilhabegesetz auf.

Die Rolle der SPD als Kraft des sozialen Zusammenhalts sowohl im Land als auch im Bund beschwört auch Karl Schultheis. Von den beiden Wahlen im kommenden Jahr müsse das Signal ausgehen, „dass nicht die Rechte, sondern die Linke gestärkt wird“, ruft er mit Blick auf den Aufstieg der Rechtspopulisten unter großem Beifall der Genossen. „Wir müssen das Umkehrsignal für Europa geben.“

„Egal, wer gegen mich verliert“

Wie Schmidt im Bund verweisen Schultheis und Jansen im Land ausführlich auf eigene Erfolge — ob nun bei der Integration, der Digitalisierung, der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik oder auf dem weiten Feld der Bildung. Dort habe man die Mittel für Kindertagesstätten, Schulen und Hochschulen in den vergangenen Jahren massiv erhöht, wehrt sich Schultheis an diesem Abend mit vielen Zahlen auch vehement „gegen Armin Laschets Versuch, das Land schlecht zu reden“. Der Aachener CDU-Landesvorsitzende Laschet beschäftigt auch Daniela Jansen bis zur Wahl im Mai — zwangsläufig. Schließlich ist er ihr Gegenkandidat, was die junge Politikerin aber relativ kalt lässt. „Das ist egal, ich trete nicht gegen jemanden, sondern für etwas an“, sagt sie. „Und letztlich ist es doch egal, wer gegen mich verliert.“ Dieses Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Bei der vorigen Landtagswahl gewann die junge Jansen gegen den prominenten Laschet für viele überraschend das Direktmandat im Aachener Süden.

Macht‘s noch einmal... Diesen Satz beziehen auch die Aachener SPD-Landtagskandidaten auf sich. „Unser Ziel ist es, wie beim letzten Mal die beiden Direktmandate zu holen“, sagt Schultheis.