Aachen: Aachener Schuldnerberatung zieht die Bilanz der vergangenen drei Jahre

Aachen: Aachener Schuldnerberatung zieht die Bilanz der vergangenen drei Jahre

Erstmals stellte die Schuldnerberatung Aachen an der Dennewartstraße 17 einen Bericht über drei Jahre vor. Der 1997 gegründete Verein ist die älteste gemeinnützig spezialisierte Schuldnerberatung in Aachen und hat sich zur Aufgabe gemacht, den Bürgerinnen und Bürger bei Problemen mit Überschuldungen zu helfen und ihnen im Insolvenzverfahren zur Seite zu stehen.

„In den vergangenen drei Jahren hat es viele neue Entwicklungen in der Beratungsarbeit gegeben“, betonte Angelika Frevel, die Leiterin der Schuldnerberatung Aachen, anlässlich der Vorstellung des Drei-Jahres-Berichtes. So hätten sich unter anderem neue rechtliche Bedingungen und Veränderungen in der Finanzierung auf die nun vorliegenden Zahlen ausgewirkt.

Nach Abschluss einer neuen Vereinbarung mit der Städteregion Aachen lag der Schwerpunkt der Arbeit seit Anfang des Jahres 2012 auf der Beratung von Langzeitarbeitslosen. Diese sowie die Empfänger von Sozialhilfe erhalten einen Beratungsgutschein und somit kostenfreie Leistungen des Vereins. „Für diese Zielgruppen haben sich die Wartezeiten auf einen Termin verkürzt“, erklärte Beraterin Hanaa Bouhatta.

Andere Ratsuchende wie beispielsweise Arbeitnehmer mit geringem Einkommen, Auszubildende oder Bezieher von Krankengeld können im Gegenzug jedoch kaum noch unterstützt werden. Ihnen bleibt oftmals nur der Weg zu gewerblichen Anbietern, die ihre Leistungen nicht kostenfrei zur Verfügung stellen und keinen sozialen, ganzheitlichen Beratungsansatz verfolgen. „Eine nachhaltige, dauerhafte Entschuldung kann aber nur erfolgen, wenn die Ratsuchenden in ihrem gesamten familiären, sozialen und gesundheitlichen Umfeld gesehen werden“, betonte Frevel. „Deshalb halten wir es für dringend notwendig, die Unterstützung für diese Zielgruppen zu verbessern.“

Insgesamt 388 Betroffene nahmen im Jahr 2012 eine Intensivberatung der Schuldnerberatung Aachen in Anspruch. 2013 stieg die Zahl auf 519 und blieb mit 497 Beratungen im Jahr 2014 auf einem ähnlichen Niveau.

Die Zahl der Schuldner ohne Beratungsgutschein nahm in den vergangenen drei Jahren aufgrund der rechtlichen Veränderungen stetig ab. „Ein großer Personenkreis findet keinen Zugang zu der kostenlosen Beratung“, bilanzierte Frevel. Dies zu ändern ist neben einer Verankerung von Bildung zum Thema „Umgang mit Geld“ in Schulen ein Wunsch des Teams der Schuldnerberatung Aachen für die nächsten Jahre.

„Auch der Umgang mit Geld muss gelernt werden“, sagte die Leiterin der Beratungsstelle. „Damit gerade junge Erwachsene gar nicht erst in die Schuldenfalle tappen.“

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