Aachener "Schildplatz" soll fahrradfreundlich werden

Radvorrangroute : „Schildplatz“ soll fahrradfreundlicher werden

Als „Schildplatz“ ist die kleine Fläche im Suermondtviertel kaum einem Aachener bekannt. Fahrradfahrer und Fußgänger kreuzen ihn auf dem Weg vom Frankenberger Viertel in die Innenstadt und zurück dennoch täglich in großer Zahl. Nun soll er umgestaltet werden.

Das Vorhaben gehört zu den ersten größeren Maßnahmen, mit denen die Pläne für die neuen Radvorrangrouten und „Premiumwege“ für Fußgänger in die Tat umgesetzt werden sollen.

Der sogenannte Schildplatz wurde in den 1980er Jahren im Übergangsbereich von Harscampstraße, Schildstraße und Schützenstraße angelegt, um den Autoverkehr im Viertel einzudämmen. Eine Hecke, mehrere Bänke und eine – zwischenzeitlich allerdings gefällte – Kastanie versperren Kraftfahrzeugen den Weg. Neben Fußgängern ist es nur Fahrradfahrern erlaubt, den gepflasterten Bereich zu queren.

Seit Jahren gehört das Teilstück zu den vielbefahrenen und beliebten Radrouten in der Innenstadt. Doch wirklich komfortabel ist es nicht, denn die Durchfahrt ist eng, teils kommen Radler den Fußgängern gefährlich nah, und noch dazu muss die Harscampstraße im Kreuzungsbereich mit der Gottfriedstraße überquert werden. Von einer „sehr komplexen“ Situation „in diesem Verflechtungsbereich“ sprechen auch die städtischen Verkehrsplaner, die sich nun daran gemacht haben, allen Beteiligten einschließlich der Autofahrer das Leben zu erleichtern.

Vier Umgestaltungsvarianten haben sie erarbeitet, mit denen sich ab kommender Woche zunächst die Bezirksvertreter und in der Folge dann die Planungs- und Verkehrspolitiker beschäftigen. Allen ist gemein, dass der Platz entrümpelt und deutlich „großzügiger und offener“ gestaltet werden soll. Dazu soll unter anderem der Fahrbahnbereich von Schild- und Schützenstraße auf Gehwegniveau angehoben werden und als „verkehrsberuhigter Geschäftsbereich“ (Tempo 20) beschildert werden. Neue Bodenpiktogramme „Achtung Radfahrer“ auf den Fahrbahnen sollen Konfliktsituationen entschärfen. Sträucher sollen verschwinden, Parkautomat, Stromkasten, Bänke und ein neuer Baum leicht versetzt werden. So soll auch die Sicht für alle Verkehrsteilnehmer verbessert werden.

In der von der Verwaltung bevorzugten Variante würden Radspur und Gehweg deutlicher als bisher voneinander getrennt und zudem auch mehr Platz kriegen. Bisher teilen sich Radfahrer und Fußgänger vor dem dortigen Frisörgeschäft eine etwa 2,75 Meter breite Furt, künftig würde es dort einen drei Meter breiten Streifen nur für Radfahrer geben. Auf der anderen Seite wäre Platz für einen 3,10 Meter breiten Gehweg. Bänke und Sitzsteine sollen an dieser Stelle den „Premiumfußweg“ säumen.

Bis dieser „Vollumbau“ in Angriff genommen werden kann, wird allerdings noch etwas Zeit vergehen, denn die nötigen Städtebaufördermittel können nach Angaben der Verwaltung erst im nächsten Jahr beantragt werden. Erst 2021 wäre dann voraussichtlich mit der grundlegenden Umgestaltung zu rechnen.

Kurzfristig könnten nach Angaben der Verwaltung dennoch erste Verbesserungen erfolgen. Sie sehen unter anderem die Entfernung der Hecke, eine Verkleinerung der Bank und die Absenkung der Bordsteine vor. Zudem sollen auf der Harscampstraße die Bodenpiktogramme „Achtung Radfahrer“ aufgebracht sowie die Radfurt über den Platz neu gekennzeichnet werden.

Zur Terminplanung will sich Uwe Müller, Leiter des städtischen Verkehrsmanagements, noch nicht äußern, da er zunächst die politischen Beschlüsse abwarten will. „Zeitnah“ könne man die ersten kleineren Sofortmaßnahmen umsetzen, deren Kosten auf rund 10.000 Euro geschätzt werden.

Das Teilstück Lothringerstraße, Harscampstraße, Schildstraße ist ein wichtiger Abschnitt der Radvorrangroute 1, mit der eine sichere Verbindung von Eilendorf in die Innenstadt und weiter bis zum Campus Melaten geschaffen werden soll. Sie ist auch als Beitrag zur umweltfreundlichen Verkehrswende gedacht. Auch aus allen anderen Stadtteilen sollen weitere Radvorrangrouten in die Innenstadt führen und den Radverkehr attraktiver machen.

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