1. Lokales
  2. Aachen

Wespen: Aachener Schädlingsbekämpfer sprechen von einer „Plage“

Wespen : Aachener Schädlingsbekämpfer sprechen von einer „Plage“

Schädlingsbekämpfer wie Kuchenliebhaber kennen im Moment nur ein Thema: Wespen. Nicht nur die Experten sprechen von einer Plage.

Eigentlich hat Julius Linden keine Zeit zu telefonieren. Weil ihm andere keine Zeit lassen, zu Tausenden. Der Experte in Sachen Schädlingsbekämpfung ist sprichwörtlich rund um die Uhr unterwegs, um sich um Wespen zu kümmern. Denn die sind zur wahren Plage geworden.

Bis zu 30 Einsätze hat Linden pro Tag im Auftragsbuch stehen. Notfälle im wahren Wortsinn. Denn die besorgten Anrufer fürchten nicht nur um ungestörtes Kaffeetrinken. Ab 50 Stichen kann es für Kinder lebensbedrohlich werden, ab 100 bei Erwachsenen. Und ein Nest beherbergt Tausende Insekten. Wespennester in der Nähe von Wohnungen und Häusern sind also weit mehr als bloß lästig.

„Wir kriegen es derzeit kaum geregelt“, sagt Julius Linden, Geschäftsführer der Firma GKHT (Gesellschaft für Krankenhaushygiene & Hygienetechnik) mit Sitz in Kohlscheid. Normalerweise ist sein Aufgabenfeld breit aufgestellt. Im Moment geht es fast ausschließlich um Wespen. Eine Sprecherin des Fachunternehmens Hans Simons aus Aachen bestätigt ebenfalls, dass es „sehr, sehr viele Einsätze“ gibt. Ein Acht-Stunden-Tag ist illusorisch, meist sind es bis zu zwölf Stunden, die die Kollegen in Sachen Wespen unterwegs sind.

Und das geht schon seit Wochen so. Die ersten Hilferufe, so sagt Linden, sind bereits im Mai eingegangen. Weil der März und der April zu warm waren, befassten sich die Wespen bereits sehr früh mit dem Nestbau. Meist in geschützten Ecken und Winkeln, wodurch die Aktivität nicht sofort bemerkt wird. In Rolladenkästen zum Beispiel, unter großen Büschen, an Hecken, in Hauseingängen.

Oft ist es erst reger „Flugverkehr“ der auf eine ernste Gefahr hindeutet. Dann ist auch schon Eile angesagt. Die Nester, die Linden und seine Kollegen derzeit vorfinden, sind meist so groß wie ein Fußball. Bis zu 1000 Wespen können dort aktiv sein. Und geht noch mehr Zeit ins Land, wird das Netz größer und größer, die Zahl der Insekten schnellt dann auf mehrere Tausend hoch.

Was aber tun? „Wo es geht, siedeln wir um“, erklärt Julius Linden. „Geht“ bedeutet konkret: Man muss das Nest ohne Beschädigung abnehmen und transportieren können. Dann geht es zum Beispiel in einen Steinbruch in Sief, ins Paulinenwäldchen oder in andere Waldgebiete. Oberste Devise: So weit wie es eben geht von Wohnsiedlungen entfernt, auch von Spazierwegen. Es sollen nicht erneut Menschen gefährdet sein.

Und wenn es nicht „geht“? Dann kommen laut Linden „geeignete Biozide“ zum Einsatz. Das Wort Gift nehmen die Schädlingsbekämpfer nicht gerne in den Mund, Biozide sind es. Der Effekt wird für den Laien der gleiche sein: Die Wespen sind weg, die Gefahr gebannt.

Und wie lange muss man Kaffee und Kuchen vor Wespen schützen? „Das geht bis in den Herbst“, sagt Linden. Und bittet freundlich darum, das Telefonat jetzt endlich beenden zu dürfen. Es gibt derzeit Dringlicheres als Nachfragen zum Thema Wespen: Wespen selbst, verständlich.