Aachener nutzen Apps und Internetseiten zum Melden von Falschparkern

Mehr Drittanzeigen : Mit dem Handy auf der Jagd nach Verkehrssündern

Wenn man sein Auto im Halteverbot abstellt oder auf einem Radweg parkt, dann hofft man meist, dass das keiner der städtischen Mitarbeiter des Ordnungsamts sieht. Doch ein Knöllchen kann auch auf anderem Weg in den heimischen Briefkästen landen: über Drittanzeigen von Privatleuten. Davon gibt es zunehmend mehr in Aachen.

Ein Mann aus der Südeifel stellt sein Auto an einem Donnerstagnachmittag an der Eupener Straße in Aachen ab. Wenige Tage später bekommt er Post vom Ordnungsamt: „Sie parkten auf einem Radweg und behinderten dadurch andere.“ Diese Beobachtung stammt aber nicht etwa von einem städtischen Mitarbeiter, sondern von einer Privatperson, die eine sogenannte „Drittanzeige“ an das Ordnungsamt schickte. Konsequenz für den Falschparker: 58,50 Euro.

„Da hat jemand eine ganze Fotoreportage von meinem kleinen Auto gemacht“, sagt der Autofahrer aus der Eifel, der sich telefonisch an unsere Redaktion gewandt hat. „Mir geht es nicht darum, dass ich diese Summe nicht zahlen möchte“, betont er. Es sei ihm auch bekannt, dass es nicht zulässig ist, mit einem halben Reifen zwischen Fuß- und Radweg zu parken – das ist nach seiner Aussage sein Vergehen in diesem Fall. Es gehe ihm viel mehr darum, dass er sich durch solche Drittanzeigen „gestalkt und denunziert“ fühlt. „Ich glaube, dass das Miteinander der Menschen durch solche Aktionen unglaublich leidet“, sagt er.

Von Denunziantentum will hingegen Jörg Albrecht nichts wissen. Er ist der Kopf hinter der Plattform „Stadtpate.de“ aus Aachen. Viele der Drittanzeigen landen über diese Plattform beim Ordnungsamt. Eine weitere Plattform, die man sich als App aufs Handy laden kann, ist „Wegeheld“. „Derzeit nutzen wenige Hundert Menschen Stadtpate.de unregelmäßig in Aachen“, sagt Jörg Albrecht auf Anfrage unserer Redaktion.

Drittanzeigen über Stadtpate seien bislang in 129 deutschen Städten möglich, Tendenz kontinuierlich steigend. „Auch die Anzahl der Drittanzeigen steigt kontinuierlich. Von den Drittanzeigen in Aachen gehen die allermeisten auf das Konto von Stadtpaten“, sagt Albrecht. Er schätzt, dass eine sechsstellige Zusatzeinnahme in die Stadtkasse gespült wird. „Gleichzeitig kommt es durch die Systematisierung im Ordnungsamt zu einer großen Zeitersparnis“, sagt Albrecht. Das habe man mit dem zuständigen Sachbearbeiter bereits besprochen.

Die Stadtverwaltung bestätigt auf Anfrage, dass die Zahl der Drittanzeigen steigt: 2018 waren es 4133, im laufenden Jahr sind es bereits 4915. „Wir gehen davon aus, dass es bis Ende des Jahres rund 5700 Drittanzeigen werden“, erklärt Linda Plesch vom Presseamt der Stadt.

Grundsätzlich werden alle eingehenden Drittanzeigen erfasst; aber nicht immer kommt es zu einem Bußgeldverfahren: So wurden im vergangenen Jahr 611 Verfahren eingestellt und in 569 Verfahren Bußgelder erhoben. 2019 wurden sogar 925 Verfahren eingestellt, 461 Mal gab es eine Bußgeldforderung.

Jörg Albrecht erklärt, dass die Anzeigen, die über Stadtpaten an die Stadt weitergeleitet werden, so gut wie nie Bagatellen seien, sondern immer berechtigte Beschwerden. Er nennt ein Beispiel: Die Statistik zeige, dass das Aachener Ordnungsamt an Sonntagen fast keine Knöllchen schreibt. „Das ergänzen nun Stadtpaten, die die teilweise ausufernden Situationen nicht mehr hinnehmen möchten.“ So werde sonntags ein benutzungspflichtiger Radweg an der Monschauer Straße regelmäßig von Kolonnen von Autos zugeparkt. Immer dann, wenn der benachbarte Fußballverein ein Heimspiel habe. Albrecht: „Es ist im Grunde die einzige legale Methode, die beispielsweise Radfahrern zur Verfügung steht, um sich zur Wehr zu setzen.“

Außerdem, so betont er, gebe es die Drittanzeige nicht erst seit es Stadtpaten gibt: „Man konnte sich auch vorher schon ans Ordnungsamt wenden. Wir haben lediglich dazu verholfen, dass die Anzeigen präziser sind und die Mitarbeiter des Ordnungsamts nicht noch hinterherrecherchieren müssen.“