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Aachener Naturschützer sind entsetzt über Straftat im Steinbruch

Tierschutz : Uhuweibchen in Aachen angeschossen

Ein durch Menschen verletztes Uhuweibchen ist vor wenigen Tagen in Aachen-Brand gefunden worden. Wie die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen berichtet, wurde das Tier offenbar angeschossen. Die Tierschützer haben Anzeige erstattet und hoffen auf Hilfe aus der Bevölkerung.

Die Uhu-Dame, die am 2. Januar in der Nähe des Aachener Stadtteils Brand von der Feuerwehr eingesammelt und zum Tierarzt gebracht wurde, hat zwar überlebt. „Ob das Tier, das am Flügel eine Schussverletzung hat, aber jemals wieder fliegen kann, ist noch fraglich“, sagt Stefan Brücher. Er ist Vorsitzender der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen mit Sitz in Bad Münstereifel. In einem Gebiet, das von Aachen bis Trier und von Belgien bis zum Rhein geht, kümmern er und seine Kollegen sich um die Wiederansiedlung und Überwachung von Uhus. Etwa 150 Brutpaare leben in diesem Gebiet, schätzt der Experte.

Viele der Tiere, die in der Städteregion leben, hat Brücher beringt, als sie noch Küken waren. Auch das jetzt verletzte Uhuweibchen kennt er bereits seit einer ganzen Weile. „Der Uhu war im Frühjahr 2018 aus einem Nest in der Vulkaneifel gefallen“, berichtet Brücher. Der Vogel sei dann in einer Pflegestation aufgezogen und in der Nähe von Bad Münstereifel in die Freiheit entlassen worden.

Aber offenbar zog es den Uhu in die Städteregion. Er fand in einem ehemaligen Steinbruch bei Brand ein geeignetes Revier. „Generell ist die Städteregion bei Uhus ein beliebtes Gebiet, hier gibt es viele ehemalige Steinbrüche“; sagt Brücher. Er selbst betreut vor allem noch im Abbau befindliche Steinbrüche, indem er die Abbauunternehmer über Standorte von Uhunestern informiert.

Brücher schätzt, dass das nun verletzte Weibchen im vergangenen Jahr bei Brand drei Jungvögel aufgezogen hat. Eine erfreuliche Entwicklung aus Sicht der Tierschützer, nachdem es 2018 in dem Steinbruch keine Uhu-Sichtungen gegeben hatte.

Der jetzige Fund macht Stefan Brücher traurig: „Der Wiederaufbau der Uhupopulation in Deutschland war mit enormem Aufwand an Zeit und Geld verbunden“, sagt der Experte. Der Schutz des Erreichten sei nicht weniger aufwendig. Brücher betont: „Abschüsse von Uhus sind inakzeptabel und eine Straftat!“ Man wisse nichts über den Täter. Allerdings sei die Debatte um die Legalisierung der Jagd auf Uhus wieder entfacht, nachdem das Tier seit 2016 nicht mehr als offiziell gefährdet eingestuft ist.

Stefan Brücher dazu: „Angriffe auf Uhus werden nur selten aufgeklärt.“ Auch der Naturschutzbund Nabu Aachen Land zeigt sich entsetzt. Man hoffe, der Täter werde gefasst heißt es in einer Stellungnahme. Die Eulenschützer haben nun Anzeige erstattet und wollen eine Belohnung ausschreiben, um den Täter ausfindig zu machen.

Das Uhuweibchen aus Brand wird nun erst einmal aufgepäppelt und muss wieder trainieren – um eventuell doch wieder in den Steinbruch einziehen zu können und sich um Jungvögel zu kümmern.

Hinweise nimmt die Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen entgegen unter Telefon 02257/958866 oder per E-Mail an egeeulen@t-online.de.