Aachener Museumsleiter Andreas Beitin in der Kritik

Andreas Beitin : Museumschef soll seine Befugnisse überschritten haben

In der Fachwelt hat sich Andreas Beitin als Leiter des Ludwig Forums nach nicht mal drei Jahren einen exzellenten Ruf erworben. Die beiden Auszeichnungen „Museum des Jahres“ und „Ausstellung des Jahres“, die in diesem Jahr dank seiner Arbeit nach Aachen gehen, zeugen von seinem Sachverstand. Doch nun wirft Kritik an seinem Umgang mit öffentlichen Geldern Schatten auf die Lichtgestalt der Aachener Kunstszene.

Allzu selbstherrlich soll sich Beitin offenbar mehrfach über die Vorschriften und Richtlinien der Stadt hinweggesetzt haben, mit denen unkontrollierte Geldausgaben und Verschwendung verhindert werden soll. So habe er unter anderem mit der Produktion von zwei Ausstellungskatalogen Mehrkosten von rund 35.000 Euro verursacht, ohne den dafür nötigen Beschluss einzuholen. Aber auch an anderer Stelle wird ihm ein mehr als grenzwertiger Umgang mit Geld vorgeworfen. Mit dem Gesamtpaket wird sich der städtische Rechnungsprüfungsausschuss am nächsten Donnerstag in nichtöffentlicher Sitzung befassen.

Wegen dieser Nichtöffentlichkeit will sich bislang auch weder Beitin noch die Fachverwaltung oder die städtische Pressestelle zu den Vorwürfen äußern, die freilich längst in schriftlicher Form vorliegen und einigen Politikern bereits die Haare zu Berge stehen lassen. Er verhalte sich, als würde ihm das Museum gehören, äußert einer empört. Arroganz wird ihm von anderer Seite vorgeworfen. Der Ärger über ihn sei auch deswegen so groß, weil es mit ihm mehrfach Gespräche über sein Finanzgebaren gegeben haben soll, die aber fruchtlos geblieben sein sollen. So gilt inzwischen auch das Verhältnis zwischen Beitin und seinen Vorgesetzten als angespannt.

Seine Befugnisse habe Beitin insbesondere bei der Auftragsvergabe für die Publikationen zur Kuba- und zur Mies-van-der-Rohe-Ausstellung überschritten. So habe der Mies-Katalog am Ende gut 39.000 statt der ursprünglich veranschlagten 26.000 Euro gekostet. Noch krasser war die Kostensteigerung für den Kuba-Katalog von knapp 40.000 Euro auf über 62.000 Euro. Dummerweise wurden die 500 gedruckten Exemplare auch erst zum Ende der Ausstellung ausgeliefert, so dass kaum mehr als 20 verkauft werden konnten. 310 Stück sollen hingegen als Freiexemplare verteilt worden sein.

Beitin will sich mit den Katalogen für die Nachwelt verewigen, mutmaßen inzwischen einige Politiker. Er setze sich über Regeln hinweg, um sein Renommee in der Kunstwelt zu verbessern, glauben sie. So soll er im Jahr 2017 auch den Etat für Repräsentationskosten und teure Essen mit Leihgebern über Gebühr ausgeweitet haben.

Für Irritationen hat auch gesorgt, dass er und ein weiterer Kurator das Schreiben eines wissenschaftlichen Textes in Rechnung gestellt haben, weil sie angeblich außerhalb der Arbeitszeit tätig waren. Bestätigt haben sie sich das gegenseitig, ohne Rücksprache mit Vorgesetzten.

Auch der Umgang mit dem „Justus Bier Preis“ für die Mies-van-der-Rohe-Ausstellung kam bei den Rechnungsprüfern offenbar nicht gut an. Die 5000 Euro Preisgeld haben sich die ausgezeichneten Kuratoren Beitin, Brigitte Franzen und Holger Otten zunächst untereinander aufgeteilt. Dies wurde beanstandet, weil Ausstellung und Kuratoren von der Stadt finanziert worden sind.

Beitin wird somit am kommenden Donnerstag einiges zu erklären haben. Presseanfragen wollte er vorher nicht beantworten. Dem Vernehmen nach beruft er sich aber auch auf Missverständnisse. So sei er irrtümlich davon ausgegangen, über die von ihm eingeworbenen Fördermittel und Sponsorengelder frei verfügen zu können. Die Fachverwaltung hat derweil klargestellt, dass das Einwerben von Drittmitteln eine der Kernaufgaben von Museumschefs ist.

Beitin ist freilich nicht der erste Museumsleiter, der mit den städtischen Rechnungsprüfern aneinander gerät. Auch seine Vorgängerin Brigitte Franzen und Peter van den Brink, Leiter des Suermondt-Ludwig-Museums, können davon berichten. Manch ein Politiker hat sich auf die wiederkehrenden Probleme bereits seinen eigenen Reim gemacht: „Wer in der Kunstszene nicht schwierig ist, ist offenbar nicht wichtig.“