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27.500 Euro aus Zahngold: Aachener Lions spenden für benachteiligte Kinder

27.500 Euro aus Zahngold : Aachener Lions spenden für benachteiligte Kinder

„Akisia“, „Brückenschlag“ und „Feuervogel“: Eine Spende des Lions Clubs Aachen Aquisgranum unterstützt Projekte in der Städteregion, die unter anderem Kinder von krebs- oder suchtkranken oder psychisch kranken Eltern fördern.

Gleich eine ganze Reihe von Organisationen unterstützt der Lions Club Aachen Aquisgranum jetzt mit einer Spende von insgesamt 27.500 Euro. „Und das Geld ist mehr als gut investiert“, betonte Acitivity-Beauftragter Hartwig Hillebrandt jetzt bei der offiziellen Übergabe in der Viktor-Frankl-Schule.

Hinter so klangvollen Namen wie „Akisia“, „Brückenschlag“ und „Feuervogel“ stehen Projekte, die Kinder in besonders schwierigen Situationen in den Blick nehmen. Alle Organisationen sind nach eigenen Angaben mehr oder weniger von den schwierigen Pandemiezeiten betroffen, haben ihre Angebote aber dennoch aufrechterhalten. Jetzt freuen sie sich über die Unterstützung durch den Lions Club Aachen Aquisgranum. „Wir sind auf solche Spenden angewiesen“, sagen sie einvernehmlich.

Der Lions Club Aachen Aquisgranum greift als Basis für die Spenden auf sogenannte Zahngoldspenden zurück. Inzwischen habe sich ein ganzes Netz aus Zahnärzten in Aachen gefunden, die diese Aktion unterstützen, sagen die Verantwortlichen. So konnten sie jetzt insgesamt 27.500 Euro an verschiedene Organisationen und Initiativen verteilen.

Akisia (Kinderschutzbund) kümmert sich um Kinder mit einem psychisch erkrankten Elternteil. „Wir vermitteln ihnen die Sprache, die sie brauchen, um ihre Sorgen überhaupt in Worte fassen können“, sagt Projektleiterin Andrea Valdivia von Akisia. Dabei bekommen die Kinder Antworten auf Fragen wie „Was ist die Psyche?“ oder „Kann man die Psyche operieren?“. „Für die Eltern ist es oft nicht einfach, mit ihren Kindern über ihre Erkrankung zu reden“, sagt Valdivia. Akisia bindet auch sie ein und vermittelt.

Brückenschlag (Caritas) nimmt Kinder in den Blick, deren Vater oder Mutter an Krebs erkrankt ist. „Wir betreuen zwischen 80 und 100 Familien im Jahr“, sagt Jessica Hugot. Um die Belastung der Kinder aufzufangen, werden hier Familienscouts eingesetzt, die für eine stabile Betreuungsstruktur sorgen und den Kindern in dieser besonderen Situation unterstützend zur Seite stehen. „Es dauert etwa ein Jahr, bis die familiäre Situation halbwegs wiederhergestellt ist“, sagt Hugot und hofft, dass das Angebot in absehbarer Zeit in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen wird.

Feuervogel (Caritas) richtet sich an Kinder aus Familien mit einer Suchterkrankung. „Die Art der Sucht spielt dabei keine Rolle“, sagt Marie Gurr. Das Thema in der Gruppe zu enttabuisieren, sei eine große Hilfe für Kinder suchtkranker Eltern. Und der soziale Status spiele dabei überhaupt keine Rolle. „Suchterkrankungen finden wir in allen Schichten“, sagt Gurr. Corona und auch der Krieg in der Ukraine hätten das Problem zum Teil deutlich verschärft. „Wir haben auch russische Kinder, und die leiden ganz besonders unter der Situation“, betont sie.

Alle drei Angebote erzählen von tollen Geschichten: Von Kindern, die sich stabilisieren und die sogar Jahre später noch hier und da ein Lebenszeichen mit ihrer aktuellen Lebenssituation schicken. Und auch die Eltern können profitieren, wenn sie sich auf das jeweilige Hilfsangebot einlassen. Alle drei sind dankbar für finanzielle Unterstützung: Denn Materialien für die Gruppenarbeit und Ausflüge mit den Kindern müssen schließlich auch finanziert werden, sagen die Verantwortlichen.

„Soziale Jungs“: Ganz speziell um Jungs geht es bei einem Angebot, das aus einer privaten Initiative rund um Eva Köhl entstanden ist. Der Freiwilligendienst „Soziale Jungs“ bietet speziell Jungen zwischen 14 und 16 Jahren die Chance, sich in sozialen Berufen auszuprobieren. Für den heute 25-jährigen Daniel Boger war das vor Jahren so etwas wie die Initialzündung.

Er nutze die Chance, sich als 15-Jähriger in einem Altenheim zu engagieren und blieb dabei. „Ich habe danach eine Ausbildung zum Krankenpfleger gemacht“, sagt er. Später studierte er „Soziale Arbeit“. Heute ist er bei der Berufsfeuerwehr, löscht Brände, kümmert sich aber im Rettungswagen auch um die Opfer. „Es ist vor allem dieses breite Arbeitsfeld, das mich heute so begeistert“, sagt er.

Dass auch Jungen in sozialen Berufen ihren Mann stehen können, steht für alle Beteiligten außer Frage. Der Verein ax-o bietet in Zusammenarbeit mit der GHS Drimborn weiterhin explizit Jungs die Chance, „sozial zu sein“.

Viktor-Frankl-Schule

Der Lions Club Aachen Aquisgranum hat den Ort der Spendenübergabe nicht zufällig gewählt. Seit Jahren schon unterstützen die Lions ganz bewusst gerade auch die Viktor-Frankl-Schule: Hier werden Jungen und Mädchen mit ganz unterschiedlichen Beeinträchtigungen beschult. Therapeutisches Reiten, rollstuhlgerechte Segelausflüge, Boulderwand und Boulebahn sind nur einige wenige Beispiele für Angebote, die laut Schulleiterin Daniela Bruns eben nur mit Spenden zu realisieren sind.

Wie modern und technikaffin die Schule ist, zeigt der Avatar Ella: Der kleine Roboter erlaubt einer bettlägerigen Schülerin, trotz ihrer Beeinträchtigungen am Unterricht teilzunehmen. „Ich hab keinen Bock auf Mathe“, lässt sie über den Avatar ausrichten.

Welche Bedeutung neben Schule oder Arbeit gerade aber auch die Freizeitgestaltung für Menschen mit Beeinträchtigungen hat, betont Britta Beckers. Sie sitzt im Rollstuhl und ist begeisterte Tänzerin in einer Rollstuhltanzgruppe, die jeden Dienstag im Vinzenz-Heim trainiert. Auch dieses Projekt wird vom Lions Club gefördert.

„Wir suchen noch Fußgänger“, sagt sie und meint damit die Tanzpartner der jeweiligen Rollifahrer. Der Trainer der Gruppe Udo Dumbeck sorgt demnach als wiederholt prämierter Profi dafür, dass diese inklusiven Treffen für alle Tanzbegeisterten zum Hochgenuss werden. „Es lohnt sich vorbeizuschauen“, sagt Britta Beckers.

Kontakt Tanzen Inklusiv: Udo Dumbeck, Telefon: 0177-23333322, www.tanzeninklusiv.de