Aachener Leitstellen erhalten viele Hundert Anrufe täglich

Welche Notrufnummer ist die richtige? : Wann kommt die Polizei, wann der Rettungswagen?

Immer wieder kommt es auch im öffentlichen Straßenraum zu Notfällen. Dann sind zunächst einmal zwei Dinge wichtig: Die Aufmerksamkeit der Bürger auf der einen und die Arbeit von Polizei und Feuerwehr in den jeweiligen Leitstellen auf der anderen Seite.

Ein Ehepaar aus Aachen schildert, dass es in der vergangenen Woche abends mit dem Fahrrad unterwegs war. An der Kreuzung Eupener Straße/St.Vither Straße beobachteten sie, „wie an der vor uns liegenden, Bushaltestelle ein Mann aus dem Bus geleitet wurde. Sekunden nachdem er den Bus verlassen hatte, sank er zu Boden und blieb liegen.“ Fast zeitgleich sei der Bus wieder losgefahren.

Das Ehepaar sprach den Mann an, der noch bei Bewusstsein war, aber nur bedingt auf Ansprache reagierte und kaum verständlich war. „Meine Frau rief über Handy die „110“ an, berichtete über die Situation und bat um Hilfe beziehungsweise um einen Rettungswagen“, sagt der Ehemann.

Zwischenzeitlich seien ein Autofahrer und weitere Passanten angekommen, um sich zu erkundigen, ob sie helfen könnten. Die Hilfe habe man aber dankend abgelehnt „mit dem Kommentar, wir hätten die ‚110’ angerufen und würden auf Rettungskräfte warten“.

Rettungswagen nach 10 Minuten da

Als sich nach 14 Minuten nichts tat, rief die Frau erneut die „110“, um nachzufragen. „Dabei wurde ihr mitgeteilt, man würde jetzt Kollegen schicken. Der Mann sei doch ansprechbar. Diese Aussage hat uns schon sehr irritiert.“ Fast zeitgleich habe dann ein anderer Helfer die „112“ angerufen, den Sachverhalt geschildert und einen Rettungswagen angefordert. „Innerhalb von etwa zehn Minuten erreichte uns dann ein Rettungswagen der Berufsfeuerwehr“, so das Ehepaar. Die Rettungssanitäter ließen sich den Sachverhalt schildern und kümmerten sich dann um den immer noch am Boden liegenden Mann. „Nachdem alles soweit geklärt war, machten wir uns dann auf den Heimweg. Als wir abfuhren, war von der Polizei noch immer nichts zu sehen. Ob man sich mit der Feuerwehr ausgetauscht hatte, entzieht sich unserer Kenntnis.“

Unsere Redaktion hat darum einmal nachgehakt: „Mit der Rufnummer 110 erreicht man direkt die Notrufzentrale der Polizei“, erklärt Polizeisprecher Andreas Müller auf Anfrage. Diese sollte man dann kontaktieren, wenn sich eine Person im Zusammenhang mit einer Straftat oder einer Gefahrensituation in einer Notlage befindet oder man zum Beispiel als Zeuge Hinweise auf eine solche geben kann. Dazu gehören natürlich auch Situationen, in denen unklar ist, ob überhaupt eine Straftat oder Gefahr vorliegt“, so Müller weiter.

Die Polizei sei natürlich auch dafür da, um genau dies festzustellen. „Im Grundsatz gilt hier, auch bei Unsicherheit: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig anrufen.“ Mit der 112 erreicht man die Rettungsleitstelle der Feuerwehr. Diese ist immer angebracht, wenn es sich um eine medizinische Notsituation handelt. Auch im Brandfall ist zunächst die 112 zu wählen, um möglichst direkt die Feuerwehr zu rufen.

Die Leitstellen der Feuerwehr und Polizei stünden im engen Kontakt und verständigen sich, beispielsweise bei einem Brand oder einem Autounfall, gegenseitig. Auch dann, wenn man aus Versehen die „falsche“ Nummer gewählt hat.

Bis zu 460 Anrufe am Tag

Zu Wartezeiten kann es deshalb kommen, weil es so viele Anrufe sind, die die Polizei abzuarbeiten hat: „Der Tagesdurchschnitt liegt, natürlich schwankend, am Wochenende und zu einsatzintensiven Zeiten, bei etwa 420 bis 460 Notrufen“, erklärt Andreas Müller. Auf das gesamte Jahr gerechnet bearbeite die Leitstelle der Aachener Polizei etwa 160.000 Notrufe.

Bei der Feuerwehr, die neben der Stadt Aachen auch die ganze Städteregion im Blick hat, seien es rund 345 pro Tag, erklärt Bernd Geßmann, stellvertretender Fachbereichsleiter bei der Feuerwehr.

Die Notrufe werden bei der Bearbeitung mit Prioritäten versehen. Sowohl bei der Feuerwehr als auch bei der Polizei. Andreas Müller: „Dies ist bei der Anzahl von Notrufen auch notwendig und sinnvoll. Es wird jedem einleuchten, dass eine Sachbeschädigung an einem Mülleimer hinter einer gerade stattfindenden Schlägerei oder einem Raub zunächst hinten anstehen muss.“ Dort, wo Menschen akut in Gefahr sind, da sei die Polizei sofort zur Stelle. Die Gefahrenbewertung findet während des Notrufs statt. Deshalb sei es auch sinnvoll, dass man am Telefon dem Sachbearbeiter der Leitstelle die relevanten Fakten zum Sachverhalt mitteilt, damit dieser eine eindeutige Gefahreneinschätzung und dementsprechend eine Priorisierung vornehmen kann, betont Müller.

Das Aachener Ehepaar ist auch nach der Erfahrung vom letzten Donnerstag fest entschlossen, künftig weiterhin zu helfen: „Ein am Boden liegender Mensch, der nur bedingt ansprechbar ist, benötigt Hilfe. Wir werden wieder – wenn nötig – Erste Hilfe leisten.“

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