Aachener Kulturszene muss noch auf Geld von der Stadt warten

Streit über Finanzierung von Theatern und Kunstvereinen : Zuschüsse für die freie Kulturszene bereiten Kopfzerbrechen

Wie viel Geld sollen die freien Kulturschaffenden in der Stadt Aachen bekommen? Darüber herrscht in der Großen Koalition keine Einigkeit. Erst im Januar soll deshalb der Stadtrat eine Entscheidung fällen.

Bei einem Gesamtetat von mehr als 23 Millionen Euro für den städtischen Kulturbetrieb geht es um die vergleichsweise geringe Summe von nicht mal einer halben Million Euro – doch die hat in diesen Tagen für mächtig Wirbel bei den Kulturpolitikern gesorgt. Die Rede ist von der geplanten Erhöhung der Zuschüsse für die vielen freien Kulturinitiativen in der Stadt – darunter etwa Theater K, Das Da Theater, Neuer Aachener Kunstverein, Musikbunker oder auch die Gesellschaft für zeitgenössische Musik –, die sich allesamt noch gedulden müssen, bis sie Gewissheit über die Zahlungen im nächsten Jahr haben.

Gespeist wird die freie Szene aus dem vergleichsweise kargen Topf zur „Kulturförderung außerhalb städtischer Einrichtungen“, kurz „Kaste“, aus dem aktuell rund 425.000 Euro verteilt werden. Strittig ist innerhalb der Groko nun, wie viel Geld im nächsten Jahr oben drauf gelegt werden soll. Eine chaotische Sitzung der Kulturpolitiker am Dienstag war die Folge, deren Nachwirkungen am Mittwoch noch im Rat zu spüren waren. Kurzerhand setzte Oberbürgermeister Marcel Philipp die Beratungen über den Wirtschaftsplan des Kulturbetriebs von der Tagesordnung und vertagte die Entscheidung auf die Januar-Sitzung.

Uneinigkeit besteht zwischen den kulturpolitischen Sprechern von CDU und SPD, wie denn ein Beschluss aus dem Vorjahr zu interpretieren sei, mit dem auch neuen Kulturinitiativen „mehr Luft“ verschafft werden sollte, wie es damals SPD-Ratsherr Karl Schultheis ausdrückte. Ab 2019 sollten die Kaste-Mittel demnach um jährlich 50.000 Euro für die nächsten drei Jahre aufgestockt werden.

150.000 Euro mehr?

Für die SPD-Kulturpolitiker ist die Sache damit eigentlich klar: In den nächsten drei Jahren müsste der Kaste-Etat demnach um insgesamt 150.000 Euro angehoben werden. Doch der Kulturbetrieb und wohl auch die CDU kamen offenbar zu einem anderen Ergebnis und planten für kommendes Jahr lediglich eine Erhöhung von 25.000 Euro auf dann rund 450.000 Euro ein.

Die Folge war eine turbulente Sitzung mit einem Beschluss, der schon tagsdrauf wieder einkassiert wurde. Ein Vorgang, der so auch nicht alle Tage vorkommt und für den grünen Kulturpolitiker Hermann-Josef Pilgram ein Beleg dafür ist, wie wenig Aufmerksamkeit die schwarz-rote Ratsmehrheit und auch die Verwaltung der freien Kulturszene widmet. Er habe schon vor Tagen auf den Zahlensalat hingewiesen und eine Klärung herbeiführen wollen. Offenbar vergeblich – doch das soll nun schnell nachgeholt werden, wie gestern SPD-Fraktionsreferent Tobias Küppers und auch der CDU-Kulturpolitiker Josef Hubert Bruynswyck erklärten.

Es gebe keinen politischen Zwist, versicherten beide. Man müsse lediglich Klarheit über einen „doppeldeutigen“ Beschluss schaffen. Bis Januar soll dies geschehen und zwar ganz im Sinne der freien Szene, wie Bruynswyck betont.