Autorin Judith Merchant und Lektor Christian Neidhart zu Gast : Blick hinter die Kulissen einer Krimischmiede

Es braucht einfach ein bis zwei Leichen und ein spannendes Geheimnis – erst dann macht Bücherschreiben laut Judith Merchant so richtig Spaß. In der Buchhandlung Schmetz am Dom stellte die Autorin jetzt im Rahmen der Aachener Krimitage ihr jüngstes Buch „Atme“ vor, einen Thriller, der das zahlreich erschienene Publikum sehr, aber wirklich sehr neugierig machte.

Judith Merchant sorgte mit ihren ergänzenden Erklärungen dafür, dass das Interesse noch größer wurde. Einen Liebesroman habe sie nie schreiben wollen, sagte sie, auch wenn sie durchaus schon darum gebeten worden sei. Nun ist die Geschichte von Ben und Nile zwar gewissermaßen auch eine Liebesgeschichte, aber eben doch verpackt in einen Thriller: Denn Ben verschwindet und hinterlässt keine Spur. Gerade noch hat Nile mit ihm gesprochen, dann ist er weg und lässt sie in der Umkleide eines Ladens allein zurück.

Nile ist verwirrt. „Ich gucke, ob er vor der Tür steht und raucht, dabei raucht er doch gar nicht.“ Und da Ben nicht wieder auftaucht, begibt sich Nile auf die Suche nach ihm und nimmt dabei Kontakt mit dessen Frau Flo auf. Und recht schnell zeigt sich, dass es da allerhand Seltsames gibt in Bens Leben und vor allem auch im Verhalten seiner Frau. Nile sucht verbissen weiter und schreckt scheinbar vor nichts zurück, um ihren Ben wiederzubekommen. Dabei schlägt sie auch schon mal ganz brutal zu.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer sind fasziniert. Ob Nele ihren Ben findet, erfahren sie natürlich nicht. Dafür erzählt Judith Merchant im Gespräch mit ihrem Lektor Christian Neidhart jede Menge darüber, wie ein solches Buch entsteht. Nachdem sie sich als Krimiautorin bereits einen Namen gemacht hatte, suchte sie nach einer neuen Herausforderung. Und entschied sich für einen Thriller. Eine gute Wahl, wie ihr neuer Verlag ihr später dann bescheinigte. „‘Atme‘ stieg auf Platz neun in die Bestsellerliste ein, und wurde auch schon für eine Verfilmung angefragt“, erzählt Christian Neidhart und verrät dann noch: „Der Leser wird ganz schön an der Nase herumgeführt.“ Das Ende sei so verblüffend, dass es alle Lektoren, die mit dem Buch zu tun gehabt hätten, umgehauen hätte.

„Entsprechende Handlungsstränge anzulegen, ist schwierig und sehr kompliziert, das ist eine ganz schöne Plackerei“, sagt die Autorin. Sie erzählt auch von den Recherchen, die notwendig sind, um beispielsweise zu wissen, wie man fachmännisch eine Tür aufbricht. „Ich weiß jetzt, wie man das macht“, sagt sie ganz stolz. Im Buch habe sie ihr Wissen trotzdem nicht verwerten können. „Denn Nile weiß natürlich nicht, wie das geht. Woher auch?“, sagt sie. Nile bricht die Tür an der entsprechenden Stelle im Buch also ganz dilettantisch mit einem Tortenheber auf.

Eher Fragen als Verbesserungen

Amüsant und unterhaltsam entführt Judith Merchant ihr Publikum in die Welt der Schriftstellerei, und ihr Lektor Christian Neidhart zeigt dabei als Lektor auch die andere Seite auf. Ihn habe „Atme“ von der ersten Seite an begeistert. „Es ist rasant geschrieben, und das Ende hat mich dann aus den Socken gehauen“, erzählt er. Dass er das Manuskript dennoch mit Anmerkungen und Verbesserungsvorschlägen gespickt habe, dürfe sie ihm nicht übel nehmen. „Das meiste waren doch auch eher Fragen“, sagt er besänftigend. Die Zuhörer jedenfalls konnten sich vor Ort davon überzeugen, wie solche Manuskriptseiten aussehen, nachdem sie durch seine Hände gegangen sind.