Aachener Karnevalsverein: Frauen sollen in den Elferrat

Frauen als Mitglieder beim AKV : Eine der letzten Männerbastionen fällt

Bei den vermeintlichen Lackschuhkarnevalisten könnten in Kürze Stöckelschuhe für jecke Spitzen sorgen. Der Präsident des Aachener Karnevalsvereins (AKV), Werner Pfeil, und sein Elferrat schlagen ihren bislang ausnahmslos männlichen Vereinsmitgliedern vor, künftig auch Frauen aufzunehmen.

Am 20. Mai wird darüber abgestimmt. Geben zwei Drittel der anwesenden Mitglieder im Tagungsort Schloss Rahe grünes Licht, könnte bei den anstehenden Elferrats- beziehungsweise Vorstandswahlen Ende August erstmals eine Frau in die vorderste Herrenriege gewählt werden, theoretisch auch als Präsidentin. Doch Pfeil, seit 2010 an der Spitze des AKV, will als Präsident mit männlichen und weiblichen Mitgliedern weitermachen – und stellt die Weichen für die Zukunft.

„Die althergebrachte Regelung war einfach nicht mehr zeitgemäß. Ganz abgesehen davon, dass man sich als reiner Männerclub nach einer Entscheidung des Bundesfinanzhofes vor dem Finanzamt Sorgen wegen des drohenden Verlusts der Gemeinnützigkeit machen muss“, sagte Pfeil am Donnerstag. Die finanziellen Nachteile wären erheblich. In Aachen sind auch weitere rein männlich dominierte Karnevalsvereine – etwa die Prinzengarde und die Oecher Penn als mit rund 700 Mitgliedern größter kaiserstädtischer Karnevalsverein – von dieser Frage betroffen. In der AKV-Satzung soll es künftig in Paragraf 5 heißen: „Mitglied des Vereins kann jede unbescholtene Person werden, die das 18. Lebensjahr vollendet hat.“ Bislang ist dort von „männliche Person“ die Rede. Das Geschlechts­attribut will man streichen.

Der Weg führt zum Notar

Dann folgen nach den Vorstellungen des amtierenden Vorstands der Weg zum Notar und der veränderte Eintrag ins Vereinsregister. Danach wäre der Weg für Frauen im AKV in alle Ämter frei. Bloß eine „Prinzessin“ anstelle oder an der Seite des Prinzen Karneval als Narrenherrscher(in) scheint weiterhin ausgeschlossen. „Es gab früher eine Art Prinzessin, die ,Flora’ der ,Florresei’, des allerersten Aachener Karnevalsvereins von 1829. Dieser setzte der AKV, gegründet im Jahr 1859, den Prinzen entgegen – eine historische Figur, an der wir auch lange nachdem es den Verein ,Florresei’ nicht mehr gibt, nicht rütteln wollen“, betont der AKV-Präsident. Seit über 130 Jahren stellt der AKV aus seinen Reihen den Aachener Prinz Karneval. Es war laut AKV-Historie Arthur Reumont, der 1881 bei einer sogenannten „Birutschenfahrt“ als erste namentlich bekannte Tollität durch Aachen fuhr.

„Wir waren uns im Elferrat schnell einig, dass wir künftig auch Frauen in den AKV aufnehmen möchten – das war überhaupt kein Streitthema“, erklärte Pfeil. Er ist davon überzeugt, dass die Vereinsmitglieder mit großer Mehrheit seinem – für viele überraschenden – Vorstoß folgen werden. Und er vermutet, dass in den folgenden Monaten bis zu den Vorstandswahlen schon viele Frauen aufgenommen werden können. Derzeit zählt man 385 männliche Mitglieder.

Will die Satzung ändern: der Präsident des Aachener Karnevalsvereins Werner Pfeil. Foto: dmp press/Ralf Roeger

Sondersitzung auf Schloss Rahe

Für die Sondersitzung am 20. Mai steht unterdessen noch ein anderer bedeutsamer Tagesordnungspunkt in dem Einladungsschreiben, das sämtliche AKV-Mitglieder in diesen Tagen erhalten sollen. Der Mietvertrag mit der Stadt für die AKV-Geschäftsstelle im Obergeschoss des Alten Kurhauses inklusive der wertvollen Sammlung Crous läuft aus. Pfeil favorisiert das Erdgeschoss des Gebäudes, wo zuletzt ein Gastronom seine Sportbar aufgeben musste, als neues Domizil. „Dieses wäre dann endlich auch barrierefrei zu erreichen, bislang führt nur eine riesige Treppe zu uns“, erklärte Pfeil.

Es soll ohne Treppe weiter aufwärts gehen mit dem Verein, der zuletzt einige Einbußen bei der Millioneneinschaltquote zur ARD-Ordensverleihung wider den tierischen Ernst verschmerzen musste und den nicht nur Jecke als den vornehmsten unter den Aachener Karnevalsvereinen einstufen. Auch an dieser Imageänderung will der AKV-Elferrat weiter arbeiten. Künftig soll das weibliche Geschlecht dabei behilflich sein. Prominente Karnevalsvereine in Köln und Mainz haben es bereits vorgemacht. Stöckelschuhe sind zur Narrenkappe auf dem Vormarsch.

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