Aachener Initiative bangt um die Zukunft des Konzertsaals am Bushof

Aus dem Kulturleben : GZM-Musiker trommeln für den Erhalt der Klangbrücke

Jeder Aachener kennt sie – und nicht nur Musikfans wissen die Klangbrücke am Bushof seit Jahr und Tag zu schätzen. Rund 120 Veranstaltungen finden in dem Konzertsaal, hoch über der Kurhausstraße gelegen, alljährlich statt.

Am kommenden Freitag wird er zum Schauplatz für die Verleihung des 11. Spielstättenprogrammpreises des Landes NRW, der bereits zum achten Mal an die Gesellschaft für Zeitgenössische Musik verliehen wird. Doch neben der Freude über die neuerliche Ehrung wächst bei den Vereinsvertretern auch die Sorge um die Zukunft der bestens frequentierten Kulturstätte. Die beiden Konzertflügel, die seit Jahr und Tag ihren festen Platz etliche Meter über dem Asphalt der Kurhausstraße haben, sind frisch gestimmt worden, und bei den Vertretern der Gesellschaft für Zeitgenössische Musik (GZM) wächst das Lampenfieber mit Blick auf den kommenden Freitag.

Erstmals wird die Klangbrücke am Alten Kurhaus – welche auch und vor allem durch die GZM und deren Musikschule „music loft“ seit 20 Jahren mit reichlich Leben gefüllt wird – am 18. Januar, 19 Uhr, zum Schauplatz für die Verleihung des 11. Spielstättenpreises NRW. Die Auszeichnung wird alljährlich vom Landesmusikrat ausgelobt, um besonders verdiente freie Initiativen an Rhein und Ruhr zu würdigen. Und die GZM, die im vergangenen Jahr ihren 30. Geburtstag gefeiert hat, steht bereits zum achten Mal auf der illustren Liste der Preisträger.

Schulterschluss gegen Abrisspläne: Birgit Baum, Johanna Daske, Peter Golz, Werner Hüsgen, Gwendolen Webster, Said Yousuf und Hansotto Schwacke (von links) von der Gesellschaft für Zeitgenössische Musik setzen sich mit Nachdruck für den angestammten Konzertsaal im Herzen der Stadt ein. Foto: ZVA/Harald Krömer

Wenn Hildegard Kaluza, Abteilungsleiterin im Düsseldorfer Ministerium für Kultur und Wissenschaft, den mit 5000 Euro dotierten Preis an Gwendolen Webster sowie Repräsentanten von zehn weiteren freien Kulturforen überreicht, wird die GZM-Vorsitzende sicher nicht zuletzt auch den besonderen Zauber der Örtlichkeit hervorzuheben wissen. Neben der Freude über die neuerliche Anerkennung wächst bei den Vereinsvertretern nämlich die Sorge um die Zukunft des angestammten Konzertsaals im Herzen der Stadt: Sobald die jüngsten politischen Pläne zur umfassenden Umgestaltung des gesamten Areals rund um den Bushof reifen, könnten auch die Tage der Klangbrücke gezählt sein – fürchten sie. Denn noch in diesem Jahr soll das beste Konzept zur grundlegenden Veränderung der städtebaulichen Situation zwischen Couven- und Komphausbadstraße ermittelt werden.

Hervorragende Entwürfe wurden bereits bei einem Symposium des Bundes Deutscher Architekten im vergangenen Oktober präsentiert und diskutiert. „Obwohl die Klangbrücke in vielen Beiträgen durchaus erhalten bleiben soll, ist dort gerade vonseiten zahlreicher Politiker immer wieder ein Abriss ins Gespräch gebracht worden“, weiß auch Birgit Baum vom „music loft“-Vorstand. Dabei gebe es keinen einzigen Konzertsaal mit einer solch exzellenten Akustik und von vergleichbarer Größe in ganz Aachen, betont ihr Vereinskollege Werner Hüsgen.

Daher strapaziere die GZM nun auch die Türklinken bei den Ratsfraktionen, um für den Fortbestand der Einrichtung zu kämpfen. Denn eine adäquate Alternative zur bestens ausgelasteten Spielstätte mit ihren 199 Publikumsplätzen sei weit und breit nicht in Sicht, betonen auch Hansotto Schwacke, Peter Golz und Said Yousuf vom GZM-Vorstand.

Zudem stehe das Bauwerk aus den Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts in bester kulturhistorischer Tradition: Bis zum Zweiten Weltkrieg befand sich an gleicher Stelle, gesäumt von einer idyllischen Gartenanlage, ein großer Konzertsaal, in dem berühmte Musiker wie Herbert von Karajan und Johann Strauss gastierten. Heute übten zahlreiche „music loft“-Schüler wöchentlich in der Klangbrücke, rund 120 Veranstaltungen, vielfach auch organisiert vom städtischen Kulturbetrieb, finden dort alljährlich statt. Und sogar Studenten des Maastrichter Konservatoriums legten wegen der hervorragenden Akustik regelmäßig ihre Examensprüfungen im Haus am Bushof ab, berichten die GZM-Vertreter stolz.

Sie wollen jetzt alles daran setzen, dass nicht nur die beiden Konzertflügel ihren angestammten Platz in der Klangbrücke behalten können – egal, welche Pläne zur Umgestaltung des Areals rund um die Kurhausstraße die Politik am Ende favorisiert.

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