Aachener Grüne wollen den Trend zu steinernen Gärten stoppen

Klimaschutz und Ökologie : Grüne fordern Anreize für klimafreundliche Vorgärten

Als „Gärten des Grauens“ hat der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland die grauen Schotterflächen vor vielen Häusern bezeichnet, die auch in Aachen allem Anschein nach immer mehr Anhänger finden. Per Ratsantrag wollen nun die Grünen mehr Anreize für klimafreundliche und naturnahe Vorgärten schaffen.

Bei der städtischen Umweltverwaltung rennen die Grünen mit ihrem Vorstoß offene Türen ein. Denn auch dort zeigt man sich nicht glücklich über den gegenwärtigen Trend zu den steinernen Gärten, wie Harald Beckers vom Presseamt mitteilt. „Das bereitet uns schon Kopfzerbrechen“, sagt er, wobei er insbesondere auf die aktuelle Klimaschutzdebatte hinweist. „Wir brauchen mehr Grün in der Stadt und sind auch auf kleinere Flächen angewiesen.“ Mehr Steinflächen bedeuten eben auch mehr Wärme in der Stadt.

Auch die Grünen erinnern in ihrem Antrag an den vergangenen heißen Sommer, der deutlich gezeigt habe, was es heißt, „wenn große Hitze auf versiegelte und leblose Flächen trifft“. Gerade Ältere und Kranke müssten dann noch mehr leiden. Jedes noch so kleine Biotop helfe, das Stadtklima zu verbessern, argumentieren die Grünen, die damit auf einer Linie mit den städtischen Umweltexperten oder den Nabu-Vertretern liegen.

Bepflanzte Vorgärten nehmen Regenwasser auf, speichern Feuchtigkeit, leisten einen Beitrag zur Luftreinhaltung und sind nicht zuletzt auch ein wichtiger Lebensraum für Insekten und Kleintiere aller Art sowie in der Folge auch für Vögel, sagt der umweltpolitische Sprecher der Grünen, Jöran Stettner.

So sieht es auch die Aachener Nabu-Geschäftsführerin Britta Mahn. Gegen das Insektensterben, das in aller Munde sei, könne man mit naturnah gestalteten Beeten etwas tun, ist sie überzeugt. Und meist würden sie nicht mal mehr Arbeit machen als die Schotterflächen.

Steingärten seien nur scheinbar pflegeleicht, sagen auch die Grünen. Unerwünschtes Grün mache sich auch dort schnell breit. Bekämpft werde es dann oftmals mit Unkrautvernichtungsmitteln, was wiederum das Wasser belaste.

Farbenfroh sind nur die Ostereier: Auch dieses Beispiel bereitet der städtischen Umweltverwaltung Kopfzerbrechen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Nabu-Geschäftsführerin Mahn ist überzeugt, dass sich auch etwas in den Köpfen der Menschen bewegen müsse. Wilde Blühflächen seien für manche Menschen ein optisches Problem, vermutet sie. „Sie entsprechen nicht dem Ideal von einem ordentlichen Garten.“ Dabei sei das allemal besser, „als den Vorgarten mit Steinen zuzukippen“.

Die Grünen wollen daher die Verwaltung auffordern, verstärkt über die Bedeutung von Vorgärten zu informieren. Auch sollten durch mehr Beratung und Unterstützung „Anreize geschaffen werden, um den Vorgarten als begrünten, ökologisch wertvollen Raum zu erhalten“, so Stettner. Den Erlass von Vorgartensatzungen, wie sie derzeit auch in anderen Städten und Ländern diskutiert werden, bringen sie ebenfalls ins Gespräch.

Umstritten ist, ob es für derartige Satzungen eine gesetzliche Grundlage gibt. Es sei ein strenges Mittel, für das sich die Stadt bislang nicht recht begeistern kann, wie Harald Beckers durchblicken lässt. Die Verwaltung wolle daher lieber auf Appelle und eine verstärkte Werbung für grüne Gärten als auf Vorschriften setzen.

Wer Tipps für die Gestaltung von Vorgärten benötigt, kann sich schon jetzt beim Umweltamt unter Telefon 0241/4323666 informieren. Der Nabu Aachen mit Sitz am Preusweg hält unter anderem die Broschüre „Gartenlust“ bereit. Auch gibt es einen Arbeitskreis Naturgarten, der einmal monatlich zusammenkommt und naturnahes Gärtnern praktiziert.

Wer den grauen Schotter vorm Haus schon jetzt zu langweilig findet, kann sogar ohne viel Arbeit schnell Abhilfe schaffen, sagt Britta Mahn: „Einfach eine Ladung Sand drüber kippen und ein paar Blühpflanzen aussäen.“ Auf solch nährstoffarmen Böden würden sich viele Blumen richtig wohlfühlen und schnell aufblühen.

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