Aachener Geschichtsforscher Thomas R. Kraus wurde nur 70 Jahre alt

Thomas R. Kraus : Ein herausragender Kenner der Aachener Stadtgeschichte ist gestorben

Der langjährige Leiter des Aachener Stadtarchivs und Vorsitzende des Aachener Geschichtsvereins (AGV), Dr. Thomas R. Kraus, ist am vergangenen Freitag im Alter von 70 Jahren überraschend gestorben.

Kraus war sowohl in der Rolle des Herausgebers als auch als Autor maßgeblich am Mammutprojekt der Aachener Stadtgeschichte „Aachen – Von den Anfängen bis zur Gegenwart" beteiligt. In der Fachwelt wurde er als herausragender Kenner der Aachener Stadtgeschichte und Experte in vielen Teilgebieten der Geschichtsforschung geschätzt. Er habe damit Maßstäbe für die Aachener Geschichtsforschung gesetzt. Hohe Anerkennung erhielt er auch dafür, in welch zügiger Abfolge die Bände bisher erschienen sind.

1979 begann der ursprünglich aus Recklinghausen stammende Historiker seine Arbeit als stellvertretender Leiter des Aachener Stadtarchivs, ab 1997 in der Funktion des Leiters. Mit Erreichen der Altersgrenze wurde er 2014 von Oberbürgermeister Marcel Philipp nach insgesamt 35 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet.

Als weiterhin ausgesprochen aktives Mitglied des Geschichtsvereins gestaltete sich sein Ruhestand jedoch eher wenig ruhig – erst im Dezember 2018 hatte Kraus den fünften Band der umfangreichen Aachener Stadtgeschichte herausgegeben. Neben der wesentlichen Mitarbeit an dem monumentalen Projekt zur Aachener Stadtgeschichte war Kraus auch an weiteren bedeutenden Entwicklungspunkten der Aachener Geschichtsforschung beteiligt. So begleitete er beispielsweise den Umzug des bundesweit bedeutsamen Stadtarchivs vom Grashaus am Fischmarkt in die Nadelfabrik am Reichsweg. Kraus‘ Engagement für die Arbeit des Geschichtsvereins war einmalig, seine Arbeit als Leiter des Stadtarchivs mehr als bedeutsam.

Durch seine Forschung und sein fundiertes, langjährig geschultes Wissen kannte Kraus die Aachener Geschichte, ja die Stadt als historisches Konstrukt, wie kein Zweiter, loben viele seiner langjährigen Mitstreiter, zu denen auch der RWTH-Professor und Historiker Harald Müller zählt, der vor vier Jahren den Vorsitz des Aachener Geschichtsvereins von Kraus übernommen hat. Mit der Beharrlichkeit eines Archivars und der Herzlichkeit eines zugezogenen Aacheners habe Kraus den Geschichtsverein vorangebracht, lobte Müller damals. Der ehemalige Vorstandskollege Dietmar Kottmann erklärte: „Sein bescheidenes Auftreten und sein unglaubliches wissenschaftliches Lebenswerk verdienen Hochachtung.“

Mit dem Tod von Kraus hat die Stadt nicht nur einen herausragenden Wissenschaftler verloren, sondern auch einen wahren Liebhaber Aachens. Sein Wirken sei von einer Begeisterung getragen, die ihn immer wieder antrieb, „Geschichte für andere lebendig werden zu lassen“, hatte Oberbürgermeister Marcel Philipp zu dessen Abschied aus dem Berufsleben vor fünf Jahren erklärt. Diese Begeisterung ist urplötzlich und völlig unerwartet für immer erloschen.