Aachen/Istanbul: Aachener Friedenspreis schaut mit Sorgen in die Türkei

Aachen/Istanbul: Aachener Friedenspreis schaut mit Sorgen in die Türkei

Der Verein Aachener Friedenspreis fürchtet um die Freiheit ihrer letztjährigen Preisträger. Konkret geht es um Esra Mungan und andere türkische Wissenschaftler. Sie hatten Anfang 2016 in einem offenen Brief die Regierung in Ankara aufgefordert, ihren Militäreinsatz in den türkischen Kurdengebieten zu beenden. Für den Friedensappell wurden sie im September 2016 in Aachen geehrt. In Istanbul stehen sie nun vor Gericht.

Mungan hatte den Brief initiiert. Anschließend unterzeichneten ihn mehr als 1000 türkische Wissenschaftler. Tenor des Schreibens: Die türkische Regierung solle Schluss machen mit dem jahrelangen Krieg gegen Teile der eigenen Bevölkerung und endlich Friedensverhandlungen mit den Kurden aufnehmen. Was folgte war eine Hexenjagd auf die Unterzeichner.

Vielen „Akademikern für den Frieden“ wurde gekündigt, andere wurden mit einem Ausreiseverbot belegt, wiederum andere wurden in Untersuchungshaft genommen. Der Grund: Die Regierung in Ankara und die weitgehend auf Linie gebrachte türkische Justiz werteten den Appell als „Propaganda für die kurdische Arbeiterpartei PKK“ und damit als „Unterstützung für eine terroristische Organisation“.

Gegen den Vorwurf haben sich Mungan und ihre Mitstreiter immer vehement gewehrt. Bei der Preisverleihung in Aachen betonte die damals 48-Jährige: „Die Forderung nach Frieden ist kein Verbrechen.“

Beobachter aus Aachen vor Ort

Trotzdem mussten sich am Donnerstag sieben Wissenschaftler vor Gericht verantworten. Anwesend bei der Verhandlung war auch ein Beobachter des Vereins Aachener Friedenspreis. Seinen Angaben zufolge wurde der Prozess schon nach kurzer Zeit auf das kommende Frühjahr vertagt.

Ein ähnliches Zwischenergebnis erwartet er auch für das Verfahren gegen Esra Mungan. Die Wissenschaftlerin, die eine Zeit lang in Untersuchungshaft saß, muss am 26. Dezember vor Gericht erscheinen. „Juristisch gibt es für beide Verfahren keine Grundlage, es sind politische Prozesse“, betonte der Aachener Beobachter am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung. „Die Justiz versucht die Wissenschaftler mürbe zu machen und durch Psychoterror einzuschüchtern.“

Angesichts der „diffusen Rechtslage“ sei auch unklar, welchen Strafrahmen es für die „absurden Vorwürfe“ gebe. Im schlimmsten Falle drohe Esra Mungan und den anderen Wissenschaftlern aber eine mehrjährige Haftstrafe.