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Aachen: Aachener Feuerwehr steht vor riesigen Herausforderungen

Aachen : Aachener Feuerwehr steht vor riesigen Herausforderungen

Auf der einen Seite: explosionsartig steigende Einsatzzahlen, neue Herausforderungen wie ein stark expandierendes Uniklinikum, große Neubaugebiete, neue Vorschriften. Auf der anderen Seite: teils veraltete Gerätehäuser, eine unvorteilhafte Aufteilung der Einsatzkräfte über das Stadtgebiet, teils zu lange Anfahrtzeiten, schon heute krasser Personalmangel gepaart mit Problemen bei der Suche nach neuen Fachkräften und dazu eine Wache zu wenig.

Zusammengefasst: Die Aachener Feuerwehr steht vor enormen Herausforderungen.

Große Herausforderungen: Die Feuerwehr steht vor Mammutaufgaben, um alle Einsätze — wie beim Poco-Großbrand — auch in Zukunft zu bewältigen. Eine neue Wache — wohl im Bereich Siegel (kleines Bild) — wird ebenso benötigt wie 100 neue Feuerwehrleute. Foto: Roeger/Krömer

Was genau in den nächsten Jahren zu tun ist, wird derzeit ausbaldowert. Die Stadt überarbeitet den „Brandschutzbedarfsplan“. Das ist zwar ohnehin alle fünf Jahre fällig. Doch diesmal geht es richtig ans Eingemachte. Es geht darum, die Leistungsfähigkeit der Aachener Feuerwehr auf Dauer zu sichern, wie Dezernent Markus Kremer und Feuerwehrchef Jürgen Wolff sagen.

Auszüge aus dem Plan wurden jüngst der Politik präsentiert. Der Gesamtplan liegt im Mai vor. Im Gespräch mit der AZ haben Kremer und Wolff erläutert, was zu tun ist. Das sieht so aus:

Wachen

Aufwendig saniert worden ist die unter Denkmalschutz stehende Hauptfeuerwache an der Stolberger Straße. Zweistellige Millionensummen hat das verschlungen. Für die Berufsfeuerwehr stehen zudem die beiden Wachen in Kornelimünster (Süd) und an der Mathieustraße in Melaten (Nord) zur Verfügung. Das reicht auch nach Ansicht der in den jetzigen Prozess eingeschalteten Gutachter nicht. Mit drei Wachen lasse sich das Stadtgebiet nicht so abdecken, dass die Feuerwehr — wie gewollt — binnen acht Minuten jeden Einsatzort erreicht.

Derzeit liegen Areale der südlichen Innenstadt, in Burtscheid, aber auch im historischen Stadtkern außerhalb der „Acht-Minuten-Grenze“. Eine vierte Wache soll her. Ein möglicher Standort wäre im Bereich Siegel. „Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir in diese Richtung blicken“, sagt Dezernent Kremer. Es muss ein Standort sein, der nicht nur im richtigen Bereich liegt, sondern auch möglichst wenige Anwohner stört.

Freiwillige Feuerwehr

Auch da spielt das Thema Gebäude eine Rolle. Manches alte Gerätehaus der „FF“ ist längst nicht mehr zeitgemäß. In Richterich und Walheim werden neue gebaut. Doch es werden weitere folgen (müssen). Denn angepackt werden soll auch die räumliche Struktur der Freiwilligen Feuerwehr, mit der man darüber im Gespräch sei, sagen Kremer und Wolff. Grund: Es gibt Bereiche, da knubbeln sich die Löschzüge. So liegen die Feuerwehren Haaren, Eilendorf und Verlautenheide recht nah beieinander — und dazwischen ist noch der Löschzug Mitte an der Charlottenburger Allee gequetscht.

An anderen Stellen der Stadt gibt es hingegen einen Mangel. „Die Strukturen stammen aus der Zeit der kommunalen Neugliederung Mitte der 1970er Jahre. Sie wurden seit 40 Jahren nicht verändert“, so Kremer. So kann es sein, dass der eine oder andere Löschzug demnächst eine neue Heimat bekommt. Das ist eine heikle Diskussion, wie Kremer und Wolff wissen.

Sie betonen jedoch: „Es gibt keine Diskrepanzen zwischen der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr.“ Und der Dezernent fügt hinzu: „Die Freiwillige Feuerwehr ist mit ihren insgesamt 500 Mitgliedern und 350 Aktiven ein Pfund. Wenn die Stadt diese Aufgaben auch noch übernehmen müsste, würde es ungleich teurer.“

Rettungsdienst/Krankentransport

Das ist der Bereich, in dem die Einsatzzahlen von einem Rekord zum nächsten eilen. Sie sind bei weitem höher als bei den Brandeinsätzen. Was laut Wolff zum Beispiel an der fortschreitenden Spezialisierung der Krankenhäuser liegt. Patienten würden immer öfter hin- und hergekarrt. Auch hier mangelt es vor allem im südlichen Stadtgebiet an Einsatzkräften. Deswegen sollen dort zwei weitere Rettungswagen stationiert werden. Sie werden wohl an die neue vierte Wache angedockt.

Personal

Das ist das dickste Brett, das gebohrt werden muss. Schon jetzt fehlen der Aachener Feuerwehr dutzende Leute. Für die neue Wache werden nochmal 50 benötigt. Dazu kommen neue, personalträchtige Erlasse zur Besetzung der Löschzüge und neue EU-Richtlinien für Rettungssanitäter, die noch eine dreijährige Ausbildung — über jene bei der Feuerwehr selbst hinaus — vorschreiben: „Da fehlen mir nochmal auf einen Schlag 50 Leute pro Jahr“, ärgert sich Wolff.

Die bisherige Ausbildung sei „mehr als ausreichend“. Apropos: Die Feuerwehr will doppelt so viele Leute ausbilden wie bisher — dann knapp 50 statt 24, mit denen man bislang gerade so die ausscheidenden Kollegen ersetzen konnte. Die Neuen muss man aber erstmal finden. Denn Voraussetzung für Anwärter ist unter anderem eine abgeschlossene Berufsausbildung. Denen kann man aber dank Landeszuschüssen jetzt zumindest in diesen 18 Monaten fast das Doppelte zahlen, so dass sie auf 1900 statt 1000 Euro kommen.

Aber auch von außen müssen Kräfte angeworben werden. Die Aachener Feuerwehr will sich dabei als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Unter anderem soll bei den Aufstiegsmöglichkeiten und bei der Bezahlung das, was möglich ist, ausgereizt werden. Eng wird es trotzdem. Denn unter dem Strich werden auf Sicht 100 neue Feuerwehrleute in Aachen benötigt.

Fazit

Der Feuerwehr stehen Mammutaufgaben bevor. Die Verantwortlichen betonen indes, dass man im Rahmen des neuen „Brandschutzbedarfsplans“ das Nötige tun, aber sich keine Extras obendrauf leisten werde. Ist ja auch so schon genug, was da kommt.