Aachen: Aachener Ex-Anwältin muss für vier Jahre in Haft

Aachen: Aachener Ex-Anwältin muss für vier Jahre in Haft

Die Strafverteidiger Sigried Aretz (Bonn) und Osama Momen (Aachen) hatten sich viel Mühe mit ihrer Mandantin in dem Untreue- und Betrugsverfahren vor der 5. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht gegeben, schließlich verteidigten sie eine einst geachtete Kollegin in einem schwierigen Verfahren.

In mehr als 20 Verhandlungstagen hatten sie der psychisch ernsthaft erkrankten und oftmals nur eingeschränkt verhandlungsfähigen ehemaligen Strafverteidigerin Maria B. (55) dabei geholfen, die mehr als hundert angeklagten Fälle von Untreue und Betrug mit einem Gesamtschaden von mehr als 700.000 Euro zu reduzieren, Bagatellfälle auszusondern und die widrigen Umstände für die einst angesehene Anwältin wirkungsvoll herauszustellen.

Sie warben bei der Kammer immer wieder um Verständnis für die inzwischen schwer kranke Ex-Anwältin und hatten am Ende eine Bewährungsstrafe beantragt. Doch für das Gericht unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen war das bei weitem zu wenig, zu hoch war der Kammer der nicht nur finanzielle, sondern insbesondere durch ein Organ der Rechtspflege — das sind alle Anwälte — am generellen Ansehen der Justiz angerichtete Schaden.

Maria B. muss nun nach Ende dieses Strafverfahrens, dessen Eröffnung sich rund drei Jahre hinzog, für vier Jahre in Haft, wo und unter welchen Bedingungen, das blieb am Ende offen. Oberstaatsanwalt Burchard Witte sah sogar viereinhalb Jahre Haft als tat- und schuldangemessen an.

Kein Rabatt für Maria B.

Zu den vom Gericht festgestellten Fakten: Zwischen 2007 und 2013 unterschlug die Anwältin mehr als 700.000 Euro an Mandantengeldern, 30 Fälle von Untreue, darunter sogar parallel elf Betrugsfälle, blieben am Ende übrig. Zwar habe Maria B. davon rund 330.000 Euro wieder zurückgezahlt.

Dabei müsse man berücksichtigen: „Das zurückgezahlte Geld stammte erneut aus betrügerischen Aktivitäten“, sagte Klösgen und fand ebenso deutliche Worte für eine möglicherweise durch eine psychische Erkrankung verursachte Minderung der Schuldfähigkeit von B.: „Ich sage es zum 7. oder 8. Mal in diesem Prozess. Eine bloße Diagnose reicht nicht für eine Schuldminderung bei einer konkreten Tat.“

Die psychiatrische Sachverständige Dr. Annette Rauch hatte keine konkreten Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit in der Tatzeit gefunden. Maria B. hatte angegeben, ihr sei der völlig überteuerte Kanzleiapparat aus dem Ruder gelaufen und sie habe zu trinken begonnen.