Aachener Eurogress will den kompletten Bürotrakt im Neuen Kurhaus

Neues Kurhaus : Eurogress meldet größeren Raumbedarf an

Das Neue Kurhaus wird nach seiner Sanierung aller Voraussicht nach in seiner ganzen Schönheit dem Eurogress überlassen. Platz für externe Nutzer, die der Stadt zusätzliche Mieteinnahmen bringen sollten, scheint es demnach nicht zu geben.

Zu dieser Erkenntnis sind jetzt mehrheitlich die Fachpolitiker im Eurogress-Betriebsausschuss gekommen, wo Eurogress-Chefin Kristina Wulf am Dienstag deutlich gemacht hat, wie groß der Platzbedarf für ihre Truppe künftig sein wird. Denn mit der geplanten Übernahme des Neuen Kurhauses wird auch die Zahl der Eurogress-Mitarbeiter von bisher 30 auf 38 und die Zahl der Auszubildenden von fünf auf sieben steigen.

Den zusätzlich benötigten Platz gibt es im Eurogress nicht, weshalb Wulf dafür plädiert, den kompletten Bürotrakt künftig auf der ersten Etage im Neuen Kurhaus zusammenzufassen. Knapp 500 Quadratmeter Bürofläche sollen dort geschaffen werden. „Das würde gut passen“, sagt die Eurogress-Geschäftsführerin, „aber es wäre auch nichts mehr übrig.“ Vermietungen an Dritte, die der Stadt zusätzliche Einnahmen bescheren könnten, wären demnach nicht möglich.

Ohnehin aber hatten die Planer bereits Zweifel, ob sich der Aufwand überhaupt lohne. Denn für externe Nutzer hätte ein separater Eingang geschaffen werden müssen, was die Kosten weiter erhöht und die Mieten für Fremdnutzer wohl endgültig unattraktiv gemacht hätte.

So scheint sich auch die Politik allmählich von der Idee zu verabschieden, auf diese Weise Mehreinnahmen erzielen zu können. Im Eurogress könne zugleich der Platz für die bislang fehlenden Künstlergarderoben geschaffen werden, argumentiert Wulf. Denn bisher musste sie bei Shows und Konzerten regelmäßig die hochwertig ausgestatteten Seminarräume freiräumen und mit Schminkspiegeln und Umkleiden ausstatten. Rund 20.000 Euro habe die Umgestaltung jährlich gekostet, sagt Wulf. Und weil die Künstler oftmals nicht besonders zimperlich mit den Sachen umgehen, müssten die Seminarräume häufiger mit einigem Aufwand wieder in ihren Ursprungszustand versetzt werden. Um sich das zu ersparen, sollen die freiwerdenden Büroräume nun dauerhaft zu Künstlergarderoben umgebaut werden.

Die künftige Nutzung des denkmalgeschützten Neuen Kurhauses, das seit 2015 leer steht und nach jetzigem Stand im Frühjahr 2023 wieder eröffnet werden soll, ist damit politisch weitgehend geklärt. Neben den Büros im Obergeschoss sollen im Erdgeschoss neue Veranstaltungsräume für Seminare, Tagungen und Kulturevents geschaffen werden, wovon sich die Politiker mehrheitlich auch einen neuen Schub für das Kongresswesen erhoffen.

Im Untergeschoss soll zudem ein Raum für die Musik- oder Clubszene eingerichtet werden. Das genaue Konzept steht weiterhin nicht fest, laut Wulf prüft der städtische Kulturbetrieb noch, was dort möglich ist und wer ihn nutzen könnte. Unter anderem ist auch ein Umzug der Klangbrücke ins Neue Kurhaus im Gespräch.

Die Sanierungskosten für die Vorzeigeimmobilie werden nach heutigem Stand auf rund 40 bis 50 Millionen Euro geschätzt. Die „vertiefte Kostenschätzung“ steht allerdings ebenso noch aus wie die Vorentwurfsplanung. Und formal steht auch noch der Zuschlag fürs Eurogress aus. Die weiteren Beschlüsse sollen voraussichtlich noch in diesem Frühjahr zunächst im Hauptausschuss und dann im Rat erfolgen. Einzig Grüne und Piraten sprechen sich seit längerem strikt gegen eine Nutzung durchs Eurogress aus und hatten eine Vergabe an private Investoren gefordert.