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Weihnachtsgeschäft: Aachener Einzelhandel will auch am Freitag nicht schwarz sehen

Weihnachtsgeschäft : Aachener Einzelhandel will auch am Freitag nicht schwarz sehen

Das Weihnachtsgeschäft kommt langsam in Schwung, Sonderaktionen wie der Black Friday tun ihr Übriges. Aber der Handel blickt nicht in eine rosige Zukunft.

„Angebote bis zu 80 Prozent rabattiert“ – beim sogenannten „Black Friday“ purzeln die Preise, und die Hoffnung steigt: Auf mehr Umsatz und mehr Kunden. Aber unterm Strich sieht die Rechnung anders aus.

Der Handel in Aachen steht dem großen Shoppingansturm zum kleinen Preis mit eher gemischten Gefühlen entgegen. „Solche Aktionen sind ja gesetzt und auch okay, aber man muss sie im Gesamtzusammenhang sehen“, sagt Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW Aachen-Düren-Köln. „Wir leben nicht von Sonderangeboten, sondern von auskömmlichen Preisen.“ Abgerechnet wird nicht nach einem einzigen schwarzen Tag mit schwarzen Zahlen, die Bilanz am Ende des Weihnachtsgeschäftes muss stimmen.

Und da sehen die Experten die Situation eher in Grauzonen. Denn trotz steigender Umsätze könnte der Online-Handel angesichts der aktuellen Inflation ein Minus von 4,5 Prozent, der stationäre Handel in den Städten von 4 Prozent machen. Könnte, denn der Konjunktiv ist bei allen Berechnungen eine gesetzte Größe. Alles ist wahrscheinlich, wenig konkret.

Selten war ein Geschäft so schlecht planbar wie in diesen Zeiten, ist Jörg Hamel überzeugt. Wie reagieren Kundinnen und Kunden auf Krisen? Wie wirken sich aktuelle politische Entwicklungen aus? Wie bestimmt die Diskussion um Energie- und Rohstoffpreise die Kaufentscheidung? Selten sei es so um Psychologie gegangen wie zu dieser Weihnachtszeit, ist Hamel sicher. Und: Selten sei es so schnelllebig zugegangen. „Die Kaufbereitschaft kann sich von einem Tag auf den anderen ändern“, weiß Hamel. „Jede Berechnung kann schnell veraltet sein. Die Angst des Handels vor einer deutlichen Zurückhaltung der Kunden ist da. Daran ändern auch Rabatte nichts.

So mag sich auch niemand darauf festlegen, welche Trends anhalten. In Hochzeiten der Pandemie war Elektronik der Verkaufsschlager. Textilien, vor allem hochwertige, mutierten zum Ladenhüter. Auch hier gilt: Viele Prognosen, wenig Planbares. Das Weihnachtsgeschäft sei mit sehr vielen Fragezeichen verbunden, ist Hamel überzeugt.

Langfristige Unterstützung erhoffe sich der Handel von der Politik. Sie müsse die Rahmenbedingungen schaffen, dass sich Handel und Gastronomie auch unter schwierigen Vorzeichen entwickeln können. „Es geht um lebendige Innenstädte“, so Hamel. Und es gehe darum, politische Prämissen wie Klimaschutz und Mobilitätswende auch unter dem Aspekt zu sehen. „Der Handel sperrt sich nicht, im Gegenteil.“ Aber bei allen sinnvollen und unabdingbaren Veränderungen appelliere man an „Augenmaß“.

Ein zentrales Thema für den Handel bleibt laut Jörg Hamel die Erreichbarkeit der Innenstädte und Stadtbezirke. „Das ist und bleibt eines unserer Hauptthemen in der Auseinandersetzung mit Politik und Verwaltung.“ Damit man im Vergleich zum Onlinehandel nicht schwarz sieht. Und das nicht nur am Freitag.