Aachen: Aachener Dahmengraben: Werbetafel sorgt für Wirbel

Aachen : Aachener Dahmengraben: Werbetafel sorgt für Wirbel

Die Werbetafel ist etwas mehr als einen Meter hoch und ragt höchstens einen halben Meter in die Fußgängerzone hinein. Zu sehen sind darauf die Porträts perfekt geschminkter Models — schließlich will Malu Wilz mit den vierbeinigen Werbeaufstellern auf ihr Kosmetikgeschäft im Dahmengraben aufmerksam machen.

Mittlerweile weiß sie allerdings, dass sie das nicht darf. „Das Aufstellen von Werbetafeln (Passantenstopper) ist für den Bereich Dahmengraben nicht genehmigungsfähig“, hat ihr die Stadtverwaltung kurz und knapp mitgeteilt.

Das wiederum kann die Geschäftsfrau überhaupt nicht nachvollziehen: „Die Tafeln sehen schön aus und verschandeln doch nicht das Straßenbild.“ Dafür kämen ihrer Meinung nach wohl eher die vielen Fahrräder in Betracht, die immer wieder an die Laternen vor ihrem Geschäft gekettet würden. Oder der Müll, der auf der Straße herumfliege. Oder die schmutzigen und hässlichen Fassaden manch leerstehender Geschäftslokale — aktuell zählt man im Dahmengraben fünf Leerstände.

„Da sollte die Stadt mal auf die Eigentümer zugehen und Verbesserungen fordern“, sagt Wilz und beklagt, dass aus der einst angestrebten „Trendmeile Dahmengraben eher eine Trauermeile“ geworden sei. Und behindern würde ihre Werbetafel auch niemanden, meint die Ladenbesitzerin: „Da ist ja noch jede Menge Platz für Passanten.“ Eingehandelt hat sich Malu Wilz die Abfuhr von der Stadt sozusagen aus Eigeninitiative. Damit alles seine Ordnung haben sollte, beantragte sie Mitte Juli die kostenpflichtige Genehmigung für die Tafel.

Mit der prompten Ablehnung wollte sie sich nicht abfinden und wandte sich schriftlich an Oberbürgermeister Marcel Philipp sowie erneut an den zuständigen Sachbearbeiter im Fachbereich Stadtentwicklung — und hörte erst einmal zehn Tage lang gar nichts. „Diese Ignoranz regt mich fast noch mehr auf“, sagt die Geschäftsfrau, „hätte ich nicht noch einmal angerufen, hätte sich wohl gar keiner mehr gemeldet.“

Am Nein der Stadt änderte sich indes nichts, was Stadtsprecher Hans Poth mit Verweis auf eine entsprechende städtische Satzung begründet: „Innerhalb des Grabenrings sind Passantenstopper nicht gestattet.“ Dies habe vor allem städtebauliche Gründe und sei vor Jahren vom Stadtrat so beschlossen worden, als nämlich die Passantenstopper im historischen Stadtkern überhand zu nehmen drohten. Und mit Ausnahmen von dieser Regel sei das genehmigungstechnisch so eine Sache: „Da melden sich wahrscheinlich überall Leute mit Ausnahmewünschen.“

Im Übrigen ist das Problem nach Auffassung der Stadt kein sonderlich großes: Bei den Kontrollen, die städtische Mitarbeiter ein bis zweimal im Monat straßenweise vornähmen, habe man seit Mai gerade einmal zehn unerlaubte Sondernutzungen festgestellt — nicht nur Passantenstopper, sondern auch unerlaubte Fahnen und Warenauslagen im Straßenraum. Falls wirklich viele Einzelhändler ein Problem mit dem Verbot hätten, müsste eine öffentliche Diskussion über eine Satzungsänderung angestoßen werden, meint Poth.

Malu Wilz würde dies begrüßen, lässt ihre Werbetafel aber sowieso erst einmal weiter vor ihrem Geschäftseingang stehen. Damit dürfte ihre persönliche Diskussion mit der Stadt spätestens beim nächsten Kontrollgang der städtischen Aufseher weitergehen.