Aachener Bundestagsabgeordneter Uwe Kamann verlässt die AfD

Aachener Bundestagsabgeordneter : Uwe Kamann will nach AfD-Austritt ohne Partei Politik machen

Unter anderem, weil er seiner Meinung nach das Thema Digitalisierung in seiner Partei nicht voranbringen konnte, verlässt der Aachener Bundestagsabgeordnete Uwe Kamann die AfD – sowohl die Fraktion als auch die Partei. Politisch aktiv bleiben will der 60-Jährige trotzdem.

Vor wenigen Tagen hatte der Aachener Bundestagsabgeordnete Uwe Kamann erklärt, dass er sowohl die AfD-Bundestagsfraktion als auch die Partei verlassen will. Im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert der Politiker die Hintergründe für diese Entscheidung.

Es habe „unterschiedlichen Auffassungen über politische und fachpolitische Ausrichtungen der Partei und der Fraktion“ gegeben, hatte Kamann in seiner Pressemitteilung erklärt. „Mir geht es um das Thema der Digitalisierung“, sagt er nun auf Nachfrage unserer Zeitung. Die AfD hat den Unterbau für den digitalen Wandel in seinen Augen nicht gestaltet. „Ich habe lange versucht, die Leute innerhalb der Partei für das Thema zu sensibilisieren.“ Doch er habe feststellen müssen, dass der digitale Wandel nicht dem „Markenkern“ der AfD entspreche. Und weil er sein Vorhaben, sich um wichtige Zukunftsfragen zu kümmern, in der Partei nicht mehr sieht, habe er sich für den Austritt entschieden.

Trotzdem will Kamann, der sich zeitweise auch im Aachener Kreisvorstand der Partei engagiert hatte, seine Arbeit als Bundestagsabgeordneter fortsetzen, zumindest in dieser Legislaturperiode. „Ich denke, dass ich mir auch bei den anderen Parteien in meinem Spezialgebiet, der Digitalisierung, eine gewisse Reputation erarbeitet habe“, sagt er. Er hofft, in den Ausschüssen weiterhin mitarbeiten zu können.

Auch will er als parteiloser Abgeordneter ein Bürgerbüro in Aachen einrichten. „Gerade in Aachen spielt das Thema Digitalisierung eine wesentliche Rolle.“ Er hoffe, dass er mit „einem anderen Rucksack“ auch Kontakte in die Aachener Entwicklerszene und Digitalbranche aufbauen und ausweiten könne.

Nun gelte es, seinen Mitarbeiterstamm in Berlin neu zu sortieren. Und auch seinen Wahlkreis in Oberhausen wolle er im Blick behalten. Trotzdem: „Über den Beitritt zu einer anderen Partei habe ich noch nicht nachgedacht.“ Das Thema Bundestag soll für ihn nach Ablauf dieser Legislaturperiode erst einmal abgeschlossen sein.

Nach Angaben des Internetportals Abgeordnetenwatch.de gehört der 60-jährige Uwe Kamann zu den Bundestagsabgeordneten mit den höchsten Nebeneinkünften. Er hat eigenen Angaben zufolge als Geschäftsführer einer Aachener Beraterfirma ein zusätzliches Bruttoeinkommen von 15.000 bis 30.000 Euro pro Monat.

(slg)