Aachener Bordellbetreiber werfen der Stadt Untätigkeit vor

Aachener Rotlichtviertel: Bordellbetreiber kündigen Klage gegen die Stadt an

Bei den Betreibern von mehreren Häusern im Aachener Rotlichtviertel Antoniusstraße wächst der Ärger über die städtische Verwaltung. Sie machen die Behörden für den immer auffälliger werdenden Leerstand in der Bordellstraße verantwortlich. Weil sie ihre Geschäftsgrundlage bedroht sehen, erwägen sie nun eine Untätigkeitsklage gegen die Stadt.

Mindestens acht Häuser stehen an der Antoniusstraße derzeit leer, weil für sie keine Betriebserlaubnis mehr erteilt wurde. Doch anders, als es jüngst Politik und Verwaltung nahelegten, sei dies keine Folge von Betreiberwechseln und des neuen Prostituiertenschutzgesetzes, sagen die beiden Aachener Rotlicht-Größen Klaus Gallwe und Rudi Esser. Stattdessen sehen sie „eindeutig“ die Verwaltung in der Verantwortung, die „sehr förmlich“ vorgehe und ihnen immer wieder neue Steine in den Weg lege. Leidtragende seien die Hauseigentümer, die Bordellbetreiber, aber auch die Prostituierten und deren Kunden. 

Je mehr Zimmer in der Antonius­straße leerstehen, desto mehr Sexarbeiterinnen würden auch in die Illegalität abwandern, ist eine Befürchtung, die nicht nur Gallwe und Esser haben, sondern zunehmend auch Aachens Politiker teilen. Das älteste Gewerbe der Welt lasse sich schließlich nicht einfach verbieten. Wenn die Prostitution aus der Antoniusstraße verdrängt wird, findet sie vermutlich andernorts statt: auf dem Straßenstrich etwa oder in Privatwohnungen.

Gefährlich für Frauen und Freier

Gefährlich sei das sowohl für die Frauen als auch für die Freier. Das verkehre den Sinn des Prostituiertenschutzgesetzes ins Gegenteil, ist auch Rechtsanwalt Alexander Bücken überzeugt, der seit Jahren auch Gallwe und Esser vertritt.

Aus seiner Sicht hat die Stadt eigentlich keinen Grund, die Konzessionen für die derzeit leerstehenden Häuser noch länger zu verweigern. Die Hauseigentümer hätten viel Geld investiert, um die seit Mitte 2017 geltenden Gesetzesbestimmungen zu erfüllen. Räume seien neu zugeschnitten worden, es gebe neue Sicherheitssysteme, neue Duschen, neue Toiletten. Auch die längst erfolgten Begehungen vor Ort hätten keine nennenswerten Beanstandungen seitens der Behörden ergeben. Kleinere Mängel seien schnell behoben worden. Und als „gewerbliche Zimmervermieter“ hätten Gallwe und Esser, die gemeinsam knapp 20 Häuser in der Antoniusstraße betreiben und verwalten, viel Know-how und einen guten Leumund, sagt Bücken. „Alles ist erfüllt und abgearbeitet.“

Warum die Stadt die beantragten Betriebsgenehmigungen dennoch nicht erteilt, darüber mag Bücken nicht mutmaßen. Allerdings ahnt auch er, dass es mit der schwierigen politischen und planerischen Gemengelage rund um das Altstadtquartier Büchel zu tun hat, die letztlich zu einer deutlichen Verkleinerung des Rotlichtviertels führen soll. Damit sei man auch einverstanden, sofern es einen Ausgleich für die dann wegfallenden Betriebe im oberen Teil der Antoniusstraße gibt. Bekanntlich soll dafür ersatzweise ein sogenanntes Laufhaus gebaut werden.

Bis heute sei jedoch nicht absehbar, wann überhaupt der erste Spatenstich getan wird, beklagt Bücken. Gleichwohl wurde für den Bereich schon eine Veränderungssperre erlassen, die die Bordellbetreiber vor ein weiteres Problem stellt. Sie sollen der Stadt für ihre Häuser nämlich eine „Nutzungsänderungsgenehmigung“ für Prostitutionszwecke vorlegen, die sie wegen der Veränderungssperre aber nicht erhalten. Verhindern will die Stadt so auch, dass im künftigen Sperrbezirk Bordelle eine Betriebserlaubnis erhalten, die später nicht mehr entzogen werden kann. So beklagt Bücken eine Hängepartie, von der niemand wisse, wie lange sie noch andauern wird. Für die Bordellbetreiber sei das nicht akzeptabel, sagt der Anwalt. „Das ist wirtschaftlich extrem schädlich.“ 

Weiterer Niedergang 

Zudem führe der Leerstand auch in der Antoniusstraße wie in jeder anderen Geschäftsstraße zu einem weiteren Niedergang des Umfelds, das ohnehin unter seinem Schmuddel-Image leide. In Aachen passiere damit das Gegenteil von dem, was man etwa in Hamburg oder Amsterdam beobachten könne, wo Prostitution eine Touristenattraktion sei.

„Seit mehr als 100 Jahren wurde in dieser Straße nie etwas anderes gemacht“, sagt Gallwe, der eigenen Angaben zufolge bislang auf eine einvernehmliche Lösung mit der Stadt gesetzt hat. „Aber es gibt einfach keine Bewegung.“ Der Zeitpunkt sei daher jetzt gekommen, mit einer Untätigkeitsklage gegen die Stadt vorzugehen. Sie müsse auch in der Antoniusstraße für einen „geordneten und vernünftigen Betrieb“ sorgen, ist Bücken überzeugt, der das entsprechende Schreiben schon aufgesetzt hat.

So werden sich im neuen Jahr neben den Stadtplanern, Investoren und Politikern auch noch die Verwaltungsrichter mit der Zukunft der Antoniusstraße befassen müssen.

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