Aachen: Aachener Bildjournalisten präsentieren Impressionen

Aachen: Aachener Bildjournalisten präsentieren Impressionen

Ein riesiges Möbellager an der Krefelder Straße steht in Flammen. Der schwarze Nachthimmel, geschwängert von bedrohlich düsteren Rauchwolken, mutiert in ein grelles Meer aus gleißendem Gelb, tiefem Rot und Blau.

Auf dem historischen Pflaster des Katschhofs fliegen die besten Athleten der Republik hinweg über federleichte Latten in rund sechs Metern Höhe. Auf dem legendären Rasen in der Soers zelebrieren die erfolgreichsten Reiter und die edelsten Rösser des Kontinents sportive Gipfelstürme anderer Art.

Vor dem Portal des Rathauses strahlt der höchste Repräsentant des Staates mit einem der berühmtesten Rocksänger um die Wette. Joachim Gauck und Peter Maffay begrüßen einander mit herzlichem Handschlag — Minuten, nachdem ein gewisser Martin Schulz mit dem Karlspreis geehrt worden ist.

Letzteren erblickt man mal nicht im Krönungssaal, sondern im Domhof, als er sich anschickt, eine Art bilateraler Verhandlung ganz persönlicher Art aufzunehmen. Der Mann im feinen Zwirn kramt gerade nach ein paar Münzen. Auf dem Weg zu einem Ort, den selbst der EU-Parlamentspräsident zu Fuß geht, wird er von einer sichtlich begeisterten Toilettenfrau in Jeans und Pullover empfangen.

Und überm Marktbrunnen posiert Kaiser Karl, wie immer. Diesmal aber mit einem Plakat vor der Brust: „Je suis Charlie“.

Bilder unserer Heimat, unserer Zeit, Bilder, die unsere Haltung und unser Empfinden prägen und zugleich reflektieren: Jetzt zeigt das Zeitungsmuseum an der Pont-straße sie in Gestalt von 88 beeindruckenden Aufnahmen, eingefangen von neun Fotojournalisten aus Aachen, in einer virtuosen Rückschau auf die kleinen und großen Ereignisse des vergangenen Jahres. Es sind spektakuläre, gespenstische Momente, dramatische oder amüsante Lichtblicke im Wortsinn, die sie festhalten für unsere Leser — und Betrachter. Jeden Tag, jede Nacht. Und es sind jene vermeintlich kleinen Begebenheiten, Sekundenbruchteile, welche die Seele dieser Stadt auf tausendfache Weise spiegeln, die Herzen der Menschen berühren, sie zum Nachdenken bringen, zur Diskussion mit anderen anregen.

Bis zu 30 000 Aufnahmen wandern pro Jahr in die Archive jedes Kollegen. Nur wenige davon, aber immer noch tausende sind es, welche auch den Medien des Grenzlandes ihr jeweils ganz eigenes, individuelles Gesicht geben. „Sie zeigen uns, dass wir auch und gerade in einer Zeit, in der fast jeder täglich irgendwo mit seinem Handy ,knipst‘, auf diese Künstler des Augenblicks angewiesen sind“, sagte Olaf Müller, Chef des städtischen Kulturbetriebs, bei der ersten Präsentation der Ausstellung, die am Sonntag eröffnet wird.

Museumsleiter Andreas Düs-pohl hat mit Andreas Herrmann, einem der Protagonisten der Schau, die schwierige Aufgabe der Auslese übernommen. Die Mühe hat sich gelohnt — nicht nur für Lokalpatrioten und Fotofans.

(mh)
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