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Stadt zieht Konsequenzen: Aachener Bauaufsicht wird nach massiver Kritik umgebaut

Stadt zieht Konsequenzen : Aachener Bauaufsicht wird nach massiver Kritik umgebaut

Nach massiver Kritik zeichnet sich ein personeller Neuanfang an der Spitze einer der wichtigsten Aachener Behörden ab.

In Folge der massiven Kritik an der Aachener Bauaufsicht zeichnet sich in der wichtigen städtischen Behörde ein Umbruch und auch ein personeller Neuanfang an der Spitze ab. Derzeit ist die Fachbereichsleiterin erkrankt, doch nach allem, was sich abzeichnet, wird sie kaum auf ihren Posten zurückkehren.

Für Aufsehen hat im Sommer unter anderem ein offener Brief des Bundes Deutscher Baumeister aus dem Raum Aachen an Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen gesorgt, in dem sich die örtlichen Architektinnen und Architekten vehement über mangelnde Unterstützung, eingeschränkte Beratungsleistungen und lange Bearbeitungszeiten der Behörde beschwert haben. Der Brief brachte erstmals Missstände an die Öffentlichkeit, die in Aachener Architektenkreisen bis dahin nur hinter vorgehaltener Hand und anonym geäußert worden sind. Groß war die Angst, es sich endgültig mit der Behörde verscherzen zu können.

Der Vorwurf, dass sich die Aachener Bauaufsicht von einer Baugenehmigungsbehörde in ihr Gegenteil verwandelt habe, ist in Fachkreisen offenbar weit verbreitet. Strenge Prüfungen sollen wichtiger gewesen sein als hilfreiche und konstruktive Beratungen, beklagen Betroffene. Gesetzliche Spielräume seien nie zugunsten, sondern stets zulasten der Bauwilligen ausgelegt worden. „Die Auswirkungen sind katastrophal“, sagt ein Insider. Bauherren müssten ein bis zwei Jahre auf ihre Baugenehmigung warten. Investoren würden heute einen Bogen um Aachen machen und in umliegende Städte ausweichen.

Der Fachbereich 63 selbst hatte im September in einer Vorlage für den öffentlichen Teil im Stadtrat die Kritik zurückgewiesen und stattdessen auf die schwierige Personalsituation und den allgemeinen Fachkräftemangel verwiesen. Demnach hätten bundesweit viele Kommunen die gleichen Probleme und oftmals noch längere Bearbeitungszeiten.

Dennoch deutet in diesem Fall auch vieles auf ein spezielles Aachener Problem hin. Die Personalfluktuation soll derart auffällig sein, dass sich manche fragen, warum Verwaltungsspitze, Personalrat und Politik so lange Zeit untätig geblieben sind. Zehn der 54 Planstellen sind aktuell nicht besetzt. Gesucht werden vor allem Spezialisten. „Ein Riesenproblem mit Ansage“, heißt es seitens der Politik. Denn der Markt der Fachkräfte ist leergefegt.

Vorübergehend hat jetzt der Personalreferent der Oberbürgermeisterin, Michael Klee, die Leitung des Fachbereichs übernommen. „Unser vorrangiges Interesse ist, dass die Bauaufsicht gut läuft und die Arbeit sichergestellt ist“, sagt Oberbürgermeisterin Keupen, die sich zu weiteren personellen Veränderungen jedoch nicht äußern will, auf Anfrage unserer Zeitung. Die Umstrukturierung sei ein laufender Prozess und „ein internes Verfahren“, das im Zuge der Digitalisierung schon vor längerer Zeit eingeleitet worden sei. Noch sei das endgültige Konzept nicht fertig, bittet sie noch um Geduld. „In absehbarer Zeit sind wir sprechfähig.“