Aachener Bäckerei will Insolvenz zur Sanierung nutzen

Aachener Bäckerei : Drouven will Insolvenz zur Sanierung nutzen

Von wegen „kleine Brötchen backen“: Die Brot- und Printenbäckerei Drouven, seit 1896 eines der bekanntesten Unternehmen Aachens, hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Damit ist der Ofen in der Backstube aber nicht aus, im Gegenteil.

„Wir haben früh genug die Notbremse gezogen, so konnten wir die Katastrophe verhindern und sind sicher, dass wir noch die Kurve kriegen“, sagt Michael Drouven (31). Der Bäcker und Industriekaufmann gehört zur fünften Generation des traditionsreichen Familienbetriebs, der mittlerweile sechs Filialen mit 135 Mitarbeitern führt. Zur vierten Generation zählen die Bäckermeister Ludwig (57) und Josef Drouven (58) sowie Ehefrau Hilde Drouven. Unter Aufsicht des vom Amtsgericht Aachen eingesetzten vorläufigen Sachwalters Frank Graaf von der Kanzlei Piepenburg-Gerling wird der Geschäftsbetrieb durch die Geschäftsführung seit Antragstellung fortgeführt.

Gerüchte über eine geplante Zerschlagung des Unternehmens, einen Verkauf oder gar betriebsbedingte Kündigungen weist die Familie Drouven vehement zurück. „Wir schaffen das aus eigener Kraft, alle ziehen mit, insbesondere die Belegschaft, Lieferanten und Kunden, mit denen eine gute und langjährige geschäftliche Verbindung besteht“, betont Michael Drouven.

Glauben an einen Fortbestand des Traditionsbetriebs: (v.l.) Ludwig, Hilde und Michael Drouven in der Backstube der Brot- und Printenbäckerei am Strangenhäuschen. Foto: Michael Jaspers ZVA/Michael Jaspers

Drei Hauptgründe für die finanzielle Misere liegen für die Bäcker auf der Hand. Erstens: die schwierige Lage der Bäckerbranche. „Es gibt auch in Aachen immer mehr Filialen von Großbäckereien, das erschwert das Geschäft für kleinere Mittelständler wie uns“, erklärt Ludwig Drouven. Der Konkurrenzkampf wurde immer schärfer, die Umsätze sanken.

Geheimrezept: 22 Sorten Printen werden in Drouvens backstube hergestellt. Das soll in der Vorweihnachtszeit aus der Misere helfen. Foto: Michael Jaspers ZVA/Michael Jaspers

Zweitens: „Großbäckereien produzieren ihre Backwaren in der Regel extrem effektiv mit hohem maschinellen Aufwand. Bei uns ist alles Handarbeit, jede Nacht ab 1 Uhr morgens. Jedes Brot wird mit der Hand rundgewürgt und langgestoßen. Das ist personalintensiv“, erläutert der Bäckermeister.

Drittens: die extrem lange Hitzeperiode im jüngsten Sommer. „Nach vielen Feiertagen im Mai hat uns die Sommerhitze das Geschäft vermiest. Das ging natürlich allen Bäckern so. Wenn’s derart heiß ist, kauft keiner ein. Über eine so lange Zeit führte das letztlich dazu, dass wir vor der Zahlungsunfähigkeit standen“, räumt Michael Drouven ein.

Man ging in die Offensive und suchte professionelle Hilfe. Mit Hilfe der insolvenzrechtlichen Möglichkeiten wurde der Geschäftsbetrieb zunächst in den ersten Tagen stabilisiert und die Fortführung in den Filialen und der Produktion gesichert. Im Anschluss werden alle Geschäftsabläufe optimiert, um die Sanierung des Unternehmens in den kommenden Wochen und Monaten voranzutreiben.

Das Ziel: die Produktion und möglichst viele der Filialen des Traditionsunternehmens zu erhalten. Das gilt in Aachen vor allem für das Stammhaus am Büchel – wo Eduard Drouven das Familienunternehmen im Jahr 1896 gegründet hatte – und die Drouven-Filialen an der Horbacher Straße 326, Jülicher Straße 55, Schleidener Straße 159 sowie in Würselen Jülicher Straße 49-57. Eine Filiale existiert noch in Monschau. In Düren und Herzogenrath-Merkstein bestehen noch weitere Filialen des Familienunternehmens.

„Dieses Familienunternehmen und der bisherige Verfahrensablauf können ein gutes Beispiel dafür werden, wie man in Eigenverwaltung aus der Insolvenz findet – auch wenn es kein leichter Weg wird“, sagt der vorläufige Sachwalter Frank Graaf.

Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens soll zum 1 Oktober 2018 erfolgen. Bis Januar 2019 soll die Kehrtwende geschafft und ein Insolvenzplan für die Sanierung des Unternehmens, erarbeitet durch die Geschäftsführung, realisiert werden. Allerdings weiterhin mit dem Hauptfokus auf feinstes Bäckerhandwerk.

Derzeit bietet die Brot- und Printenbäckerei Drouven allein 22 Sorten Printen an. Gebacken wird in der Backstube am Strangenhäuschen. „Alles Handarbeit, alles nach unserem geheimen Familienrezept. Das ist unsere Spezialität. Bei unserer Orangen-Trüffel-Printe zum Beispiel wird alles von Hand aufdressiert, also mit viel Können und Liebe zum Bäckerhandwerk gefertigt. Das behalten wir natürlich bei“, sagt Ludwig Drouven. Die Familie ist überzeugt, in der kommenden Printensaison durchzustarten.

Man sucht die Offensive, auch im Marketing. Kleine Brötchen backen kommt nicht in Frage.