Aachen: Zwei Werke des Künstlers EL Loko in der Citykirche

Citykirche St. Nikolaus : Afrikanische Tierwesen am Hochaltar

Dunkel gestrichene Holzbretter sind im rekonstruierten Hochaltar in der Citykirche St. Nikolaus dort eingefügt, wo vor dem Brand in der Silvesternacht 2010/2011 wertvolle Gemälde aus dem 17. Jahrhundert ihren Platz hatten. Die Kunstkommission des Bistums berät derzeit darüber, wie die Flächen wieder gefüllt werden können.

Einen kleinen, vorübergehenden Vorgeschmack gibt es jetzt mit der Installation „Dem Rudel das Bild erklärt“ von EL Loko: Eine Afrikakarte aus hölzernen Tierfiguren hat ihren Platz im ersten Rahmen des Altars gefunden, große und kleine Tierwesen stehen davor.

„Das Werk bekommt mit dem Platz im Altar einen neuen Charakter“, findet Timotheus Eller, katholischer Pfarrer in der Citykirche. „Das ist genau das, was ich mir von Kunst im Hochaltar wünsche. Der Altar darf nicht nur ein Wechselrahmen sein. Es ist eine religiöse oder spirituelle Begründung notwendig, warum gerade diese Kunst im Hochaltar hängen soll.“

Die Installation von EL Loko hat Eller in dieser Hinsicht sofort angesprochen: „Jeder von uns meint ja, etwas zu Afrika sagen zu können. Wie es dort ist und was dort geschehen muss. Zugleich ist es uns doch auch egal. Als Christen sind wir aber besonders aufgerufen, echte Verantwortung zu übernehmen. Afrika darf uns nicht egal sein.“ Er empfinde „Dem Rudel das Bild erklärt“ als Aufruf zu Gebet und Fürbitte, Nachdenken und Handeln.

Regina Loko, Witwe des 2016 gestorbenen Künstlers, erklärte die politische Absicht ihres Mannes, die in Anlehnung an eine Aktion seines Lehrers Joseph Beuys, bei dem er einem toten Hasen das Bild erklärte, entstand, ähnlich: „Er klagt wie Beuys die Lethargie und Selbstgefälligkeit der Menschen an, das Verharren in Gewohntem und die Unfähigkeit zur Selbstkritik. Bei aller Kritik, die EL Loko an der europäischen Gesellschaft übt, enthält die Installation doch auch eine Botschaft der Hoffnung. Denn sowohl die Bestandteile Afrikas als auch die Tierfiguren sind gewissermaßen ‚aus dem gleichen Holz geschnitzt‘.“

Hoffnung spricht ebenfalls aus dem Hungertuch „Augen-Blicke des Friedens“, das EL Loko 2002 für die Misereor-Fastenaktion gestaltet und welches das Aachener Hilfswerk der Citykirche bereitwillig zur Verfügung gestellt hat. Beide Werke des 1950 in Togo geborenen Künstlers begegnen sich dort nun das erste Mal. „Und so wie EL Lokos Kunst hier zusammenfindet, tun das hoffentlich auch die Menschen bei der Betrachtung der Werke“, hegt auch Eller eine sehr konkrete Hoffnung.

Erfüllt wird diese sicherlich bei der Kunstroute vom 27. bis 29. September. Dann werden die beiden EL-Loko-Stücke in der Citykirche um eine ganze Ausstellung mit Kunst des in Deutschland aktiven Künstlers erweitert und Meditationen zu zwei Werken angeboten. Regina Loko steht außerdem für Gespräche zur Verfügung. Die Installation „Dem Rudel das Bild erklärt“ im und am Hochaltar und das Hungertuch werden aber darüber hinaus bis 7. Oktober zu sehen sein.

Platz für zeitgenössische Werke

Seit knapp anderthalb Jahren beschäftigt sich die Kunstkommission des Bistums Aachen mit der Frage, wie die dunkelbraunen Bretter im rekonstruierten Hochaltar der Citykirche bebildert werden können. Einig ist man sich, dass zeitgenössische Werke, die mit dem Hochaltar in spiritueller Weise kommunizieren, temporär dort einen Platz bekommen sollen, die dann auch in das Konzept der Citykirche durch Führungen, Meditationen, Diskussionen eingebaut werden. Zur Heiligtumsfahrt 2021 könnte der erste große Aufschlag in dieser Hinsicht gemacht werden. EL Lokos Installation ist eine Art Vorgriff.

„Pausenbilder“, die an die beim Brand zerstörten Gemälde erinnern, sollen die Zeit zwischen den Kunstaktionen füllen. Diskutiert werden zurzeit Fotoausschnitte in Schwarzweiß, die bei Renovierungsarbeiten in den 1960er Jahren entstanden. In jedem Fall soll sichtbar bleiben, dass der Altar weitgehend zerstört ist.

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