Aachen zählt jetzt mehr als 257.000 Bürger

Die Stadt wächst weiter : Stadt Aachen gewinnt rekordverdächtig Neubürger hinzu

Mehr Bürger, mehr Männer, mehr Ausländer: Der Bevölkerungstrend für Aachen steigt steil nach oben. Zum Stichtag 31. Dezember 2018 zählte das Einwohnermeldeamt 257.032 Einwohner – das sind 1065 Menschen mehr als im Vorjahr. Doch kaufen kann sich die Stadt dafür nichts.

Ausschlaggebend für Aachen ist vor allem der Zuzug von Studierenden und Flüchtlingen. Die größte Altersgruppe stellen die 20- bis 24 Jährigen mit 31.672 Menschen (12,3 Prozent), gefolgt von 28.415 25- bis 29-Jährigen (11,1 Prozent) und 19.374 30- bis 34-Jährigen (7,5 Prozent), wie die Statistikstelle des Aachener Fachbereichs Wirtschaft, Wissenschaft und Europa auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt.

Damit ist nahezu jeder dritte Aachener zwischen 20- und 34 Jahre alt – Beleg für die junge Studentenstadt mit ihren eher technisch ausgerichteten Hochschulen. Was wiederum zu einem Männerüberschuss führt: Es gibt zum Stichtag 11.442 Männer mehr als Frauen. Dies ist umso auffälliger, da Frauen durchschnittlich eine höhere Lebenserwartung als Männer haben.

Präzise Zahlen zum Anteil der Aachener mit Migrationshintergrund existieren nicht. Die Stadt geht allerdings davon aus, dass etwa jeder zweite in Aachen gemeldete Bürger ausländische Wurzeln in der Familie besitzt. Die Zahl der Einwohner mit ausländischem Pass ist im Jahresvergleich noch einmal um 2239 Menschen auf 48.887 gestiegen. Die meisten Ausländer in Aachen sind Türken (6140), gefolgt von Syrern (3225). Erheblich aufgeholt haben Chinesen (3091) auf Platz drei und dahinter die Inder (1925). Erst danach folgen Polen (1879), Rumänen (1836), Griechen (1581), Niederländer (1543), Bulgaren (1474) und Italiener (1336).

Mehr Syrer, Chinesen, Inder

Auch hier gibt es klare Trends: Die Zahl der türkischen Pässe nimmt leicht ab, dafür registriert man immer mehr Syrer, Chnesen und immens mehr Inder. Auch dies untermauert die Bedeutung der Hochschulen und des Flüchtlingszuzugs für die Statistik des Einwohnermeldeamtes. Unter den 257.032 Menschen, die als „wohnberechtigte Bevölkerung“ geführt werden, sind 2481 Menschen, die hier lediglich mit einem Nebenwohnsitz gemeldet sind. Früher, als Nebenwohnsitze noch nicht extra besteuert wurden, erzielte Aachen noch höhere Rekordwerte. Danach zeigte die Kurve zunächst steil bergab. Im Jahr 2009 wurde ein Minusrekord der jüngeren Vergangenheit mit nur 244.509 Bürgern verzeichnet. Ab dem Jahr 2010 steigen die Bevölkerungszahlen offiziell wieder an.

Übrigens: neben der genauen Zählung und Auswertung des Aachener Einwohnermeldeamtes gibt es noch andere, durchaus abweichende Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung. Diese beruhen auf statistischen Fortschreibungen – also theoretischen Berechnungen. So führt das Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen (Landesamt IT NRW) als „Amtliche Einwohnerzahl“ für Aachen 245.393 Menschen mit Hauptwohnsitz zum 30. Juni 2018 – gut 9000 Menschen weniger als die Aachener Statistiker. Als Grund werden unterschiedliche Berechnungsgrundlagen angeführt. Allerdings ist die Berechnung des Landesamtes IT NRW weiterhin für die Schlüsselzuweisungen des Landes fürs Aachener Stadtsäckel maßgeblich.

Und diese – rein theoretischen – Zahlen wachsen nur schwach. Was in der Praxis kaum höhere Zuwendungen des Landes auslösen würde, heißt es. Und weil Aachen nach dieser Berechnung unterhalb der magischen 250.000-Marke rangiert, müssen auch Dezernenten und der Oberbürgermeister auf höhere Besoldungen verzichten. Paradox – weil Aachen faktisch wächst.

Mehr von Aachener Zeitung