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Aachen: Wohnungen auf dem Gelände einer früheren Villa

Bauprojekt : Im Januar soll es an der Hohenstaufenallee losgehen

An der Kreuzung Amsterdamer Ring in Aachen entsteht auf dem früheren Gelände einer Villa ein viergeschossiger Blickfang mit 63 Wohnungen - nicht nur für Studenten.

Christian Wego sucht nicht lange nach einer Ausrede. "Die Schätzung im Juli war vielleicht etwas zu optimistisch", sagt er. Damals war er erstmals mit seinen Plänen an die Öffentlichkeit gegangen, an der Ecke Lütticher Straße/Hohenstaufenallee einen exklusiven Neubau mit 63 Mikro-Appartements errichten zu wollen. Baubeginn sollte im Herbst sein. Also jetzt.

Doch Änderungswünsche der ursprünglich avisierten Eigentümer, so Wego, hätten die Architekten von Kadawittfeld noch einmal zurück ans Reißbrett oder besser: an den Computer gezwungen. Jetzt gibt es einen überarbeiteten Entwurf mit neuer Fassade, und nach aktuellem Planungsstand soll es gleich im neuen Jahr mit dem Ausheben der Baugrube losgehen.

Dass das silberne Alugerüst für das Baustellenschild seit Monaten unbebildert an der Kreuzung steht, hat nach Angaben von Christian Wego einen einfachen Grund: Das gesamte Zehn-Millionen-Euro-Objekt sei bereits komplett verkauft.

Künftige Eigentümer sind die Gebrüder Björn und Dirk Schlun aus der Wohnungssparte der Bauunternehmung Schlun in Gangelt. Das Unternehmen hat bereits im Jahr 2013 beim Umbau des heutigen Rewe-Bunkers an der unteren Lütticher Straße seine Visitenkarte im Viertel abgegeben.

Die Schlun-Brüder planen allerdings keinen Weiterverkauf, sondern wollen die 63 Wohnungen ab Ende 2021 ausschließlich vermieten.

Während die herrschaftliche Villa, die früher auf dem Grundstück stand, 548 Quadratmeter Wohnfläche auf drei Etagen bot, davon alleine rund 300 Quadratmeter im Souterrain, soll die neue Wohnanlage 2083 Quadratmeter Wohnraum bieten. Davon entfallen 200 Quadratmeter auf zwei Wohnungen im Penthouse, die restlichen 1800 Quadratmeter verteilen sich auf vier Etagen.

„Wir werden das Grundstück nicht bis an die Grenze ausreizen“, betont Christian Wego. Rundum solle noch genug "Luft" bleiben. Auch die stattliche Türkische Hasel an der Hohenstaufenallee habe Kadawittfeld kunstvoll in die Planung integriert. Sie soll in jedem Fall erhalten bleiben.

Wo sich früher die Souterrain-Wohnung befand, soll eine Tiefgarage entstehen mit ebenerdiger Zufahrt von der Hohenstaufenallee her. Durch die leichte Hanglage des Grundstücks in Richtung Hangeweiher ist eine Rampe zur Einfahrt in die Tiefgarage nicht erforderlich.

„Ausdruck gewandelter Prioritäten“

Nahezu alle Einheiten sind für „studentisches Wohnen“ konzipierte Mikro-Appartements mit Größen zwischen 25 und 40 Quadratmetern. 74 weitere Wohnungen ähnlichen Zuschnitts baut derzeit Derichs & Konertz an der unteren Lütticher Straße im Innenraum hinter der Luisen-Apotheke. Wettlauf um eine Modeerscheinung?

„Nein“, sagt Christian Wego. Vielmehr eine Reaktion der Baubranche auf die gewandelten Prioritäten bei jungen Leuten. Bei denen stehe das Thema „Wohnen“ längst nicht mehr an erster Stelle. „Kein Mensch gibt heute mehr 10.000 Euro für ein Wohnzimmer mit Schrankwand und Sitzgruppe aus. Die jungen Leute wollen lieber reisen und weniger putzen.“

Doch nicht nur junge Akademiker aus dem Umfeld der Hochschule hat Christian Wego im Blick. Mikro-Appartements könnten seiner Ansicht nach generell eine Wohnform der Zukunft werden. Denn auch für Menschen, die im Alter eine kleine, pflegeleichte Wohnung suchen, seien sie attraktiv.

Und falls denen in ihren Appartements mal die Decke auf den Kopf fällt, können sie gerne in die Lobby ausweichen. Die hat mit rund 60 Quadratmetern die Abmessungen eines Hotel-Foyers und soll auch genauso möbliert und genutzt werden - als Treffpunkt für die Mieter.